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Im Norden was Neues

 

Die Presseerklärung, mit der Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch am 20. Juni die Jüdische Gemeinde Hamburg zum erfolgreichen Abschluss des Staatsvertrages beglückwünschte, ist kurz und knapp: «Die finanzielle Grundlage des Staatsvertrages sichert der Gemeinde einen Ausbau der dringend notwendigen Infrastruktur. Gleichzeitig regelt der Vertrag die partnerschaftliche Beziehung zwischen Gemeinde und der Hansestadt Hamburg und ist Ausdruck der vertrauensvollen Zusammenarbeit und Anerkennung zwischen beiden Partnern. Dies ist ein großes Verdienst des amtierenden Vorsitzenden, Andreas C. Wankum. Dem Bürgermeister, Ole  von Beust, gebührt Dank und Anerkennung für sein Persönliches Engagement in der Sache».

Dass Andreas C. Wankum seinen Vorstandsvorsitz wenige Tage später aufgeben musste, war für Charlotte Knobloch vielleicht nicht abzusehen. Eigentümlich ist aber, dass ein wesentlicher Durchbruch in ihrem Glückwunsch gar nicht erst zur Sprache kommt: In diesem Staatsvertrag sind nämlich erstmals auch die Ansprüche der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hamburg festgeschrieben. Fortan fließen zehn Prozent der Hamburger Fördermittel direkt an sie. «Die Vereinbarungen mit der Stadt sichern unsere Existenz auf Dauer», sagte Felix Epstein, der Vorsitzende der Hamburger Liberalen. «Die Kooperation mit der orthodoxen jüdischen Gemeinde ist eine schöne Erfahrung gewesen.».

«Bisher unterlagen die Zuwendungen von Seiten der Stadt einer gewissen Willkürlichkeit», sagte von Beust in seiner Festrede zum Abschluss des Leistungsvertrages. Dafür, dass es auch eine gewisse Willkürlichkeit bei der Weiterverteilung dieser Mittel gab, sprechen das Gemeindedefizit und die Abwahl des Gemeindevorsitzenden Wankum am 24. Juni. Dass es zur Not auch möglich ist, aus eigener Kraft jüdisches Leben zu gestalten, haben gerade die Mitgliedsgemeinden der Union progressiver Juden in Deutschland seit nunmehr zehn Jahren beweisen müssen. Bester Ausdruck dafür ist die Eröffnung der neuen liberalen Synagoge in Bad Segeberg just an dem Tag, an dem in Hamburg ein neuer Vorstand gewählt wurde.

Der wachsende Pluralismus in der jüdischen Gemeinschaft ist Ausdruck ihrer Konsolidierung. Dazu ist der Zentralrat ohne Frage zu beglückwünschen. Offen bleibt, in welcher Form diese Vielfalt auch bei der fälligen Erneuerung des Staatsvertrages zwischen der Bundesregierung und dem Zentralrat der Juden in Deutschland zum Ausdruck kommen wird.

JZ

«Jüdische Zeitung», Juli 2007