Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() HeiligenschlammGlosse
Der Zaun ist wieder weg. Drei Tag sorgte er dafür, dass sich die Weltregierung in einer geschlossenen Anstalt befand. Zum eigenen Schutz und zum Schutz vor einem Volk, das diese Regierung schließlich nicht gewählt hat. Wer sich von Seeseite mit Anregungen oder Protesten an die Internierten wenden wollte, wurde in den Fluten untergepflügt. Auch vom Himmel hoch kam niemand her, weil Ballonflieger gnadenlos von Hubschraubern weggepustet wurden. Und wer landauf, landab gegen den Zaun und zu den Eingesperrten vorrückte, bekam von Wasserwerfern eine kalte Dusche und fand sich nicht auf dem Damm, sondern im Heiligenschlamm wieder. Vergleiche mit den früheren Praktiken der DDR-Staatssicherheit sind völlig unangebracht. Die fotographisch durchaus reizvollen Aufnahmen vom Sicherheitszaun erinnerten niemanden an jene hässliche Mauer, mit der die DDR mehr als 38 Jahre lang Fräulein Merkel und ihre Mitbürger hinderte, in die westliche Freiheit zu eilen. Wer unbefugt raus wollte, musste drin bleiben. Eher schon war der große Zaun auf Zeit eine Demarkationslinie, die mit den absolut vorläufigen und mobilen Sperranlagen um Israel zu vergleichen ist. Wer dort unbefugt rein will, muss draußen bleiben. Nur ist im Westjordanland alles etwas komplizierter: Wo die genauen Grenzen auf Dauer zu ziehen sind, ist je nach Sicherheitslage und Position im Nahoststreit noch nicht für Jeden ausgemacht. An den Übergangen bleibt also längerfristig etwas mehr Kontrolle nötig. Ungestört konnten jedenfalls die Eingeschlossenen von Heiligendamm im schönsten deutschen Flachland einen Berg von Versprechungen aufhäufen. Der Gipfel: «Ernsthaft in Betracht ziehen» wollen die Mächtigen, den Ausstoß an Treibhausgasen in ihren Ländern um die Hälfte zu senken, während die Schwellenländer China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika erst einmal ordentlich zulegen wollen - beim Wohlstand und beim CO-Zwei. Afrika soll 45 Milliarden Dollar erhalten, um AIDS, Malaria und TBC zu besiegen. Die Schecks lassen sich in der Pharmaindustrie der USA und Europas verrechnen. Den Heuschrecken von den Hedgefonds wurde dank Bush und Blair versprochen, dass sie auch in Zukunft keinen Sozialklimbim versprechen müssen, der dem kapitalen Neoliberalismus schadet. Der Nahe und Mittlere Osten kam in Deutschlands hohem Norden nur indirekt vor. Außerhalb der Tagesordnung klopfte Putin bei den sieben richtigen Riesen auf den Busch, ob die Amerikaner die atomgeilen Iraner nicht lieber gemeinsam mit den Russen von Aserbaidschan aus unter Radarkontrolle halten möchten. So würde der unschöne Eindruck vermieden, die Spionage von Polen aus könne versehentlich Ziele in Richtung Ural anpeilen. Prompt bekam Bush Magenschmerzen. Wie leicht es bei Krieg und Frieden Missverständnisse geben kann, ist ja bekannt. Offenbar haben einige Tornado-Piloten der Bundeswehr die Heiligen-Dämmerung an der Ostsee genutzt, um ihre High-Tech-Kameras für den Afghanistan-Einsatz zu erproben: Im Tiefflug wurden arme Teufel geknipst, die im Morgengrauen gegen den Zaun anrückten. Ein solcher Einsatz der Bundeswehr ist im freien Teil Deutschlands, also außerhalb des Schutzzauns, nicht erlaubt. Aber wie hätten die schnellen Aufklärer ihre Flüge auf das winzige Territorium zwischen Hotel, Strandkorb und Landungsbrücke beschränken sollen? Im Deutschland diesseits vom Stacheldraht gelten die Spielregeln der Demokratie im Prinzip noch. Wer aus den blühenden Landschaften von Meck-Pomm in die vergitterte Sicherheitszone guckte, sah - wie die Kubaner bei Guantanamo-Bay - nicht in das ureigene Land, sondern ein ordentlich gesichertes Gehege für Strandgäste der besonderen Art. Längst ist bekannt, dass es sich bei den umzäunten Verdächtigen nicht in jedem Fall um Personen handelt, die des Terrorismus überführt werden können. Heiligendamm durften sie jedenfalls nach drei Tagen unbehelligt verlassen. Über allem Gipfel ist Ruh. |