Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Fritz Teppich vs. George Bush & Co.Untersuchungskommission zur «Arisierung» jüdischer Betriebe gefordert
Die Geschichte ist bekannt, die Namen der Akteure ändern sich, doch die Handlung gleicht sich fast immer: Die jüdischen Besitzer der Kempinski-Restaurantkette wurden 1937 enteignet, der Betrieb «arisiert», jüdische Mit- und später auch Zwangsarbeiter aus den Geschäften heraus in Konzentrationslager deportiert. Nach dem Krieg ist die «Arisierung» durch die damalige Bundesregierung de facto bestätigt worden, als ein Staatsunternehmen die Betriebe den «Arisierern» abkaufte, man sich den traditionsreichen jüdischen Namen einverleibte und alle schön doppelt verdienten: Während der NS-Zeit und nochmals beim kometenhaften Aufstieg zu einem der exklusivsten Hotelkonzerne weltweit ab den frühen 1950ern. Die Verantwortlichen mussten nie die Konsequenzen tragen, das Geschehen wurde vergessen, verdrängt oder vertuscht. Fritz Teppich, einer der Überlebenden aus der Kempinski-Familie, selbst ein Wertheim-Abkömmling, glaubt an Letzteres. Für ihn geht es nicht nur um die Familiengeschichte und die Historie der Kempinski-Betriebe, sondern vor allem um die Chronologie eines Kampfes, den er seit Jahren führt: gegen das Schweigen der jetzigen Hotelbesitzer und aller bisherigen Bundesregierungen. Die gegenwärtige hatte Teppichs Petitionsverfahren kurz vor dem G8-Gipfel «im Einzelfall für abgeschlossen» erklärt. Die Mächtigen der Welt, darunter der neue Präsident Frankreichs, Sarkozy, der ungarisch-jüdischer Abstammung ist, tagten bekanntermaßen ausgerechnet in einem Kempinski-Hotel. Für Teppich ein Skandal. Das Bild von Merkels Bier mit Bush im Heiligendammer Abendsonnenschein ging um die Welt. Der 88-Jährige Teppich nahm es aktuell zum Anlass seines erneuten Aufbegehrens: Er forderte Angela Merkel auf, eine unabhängige Kommission zu bilden, um «Arisierungen» und Enteignungen, die allesamt in Völkermord mündeten, zu untersuchen und Aufklärung zu ermöglichen: «Bringen Sie das in Ordnung, Frau Merkel!» Als Leiter dieser Kommission wünscht sich Teppich den in manchen Kreisen umstrittenen UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler. Der Professor für Soziologie an der Genfer Universität, der zum Zeitpunkt des G8-Gipfels am G8-Alternativ-Gipfel in Rostock teilnahm, machte sich mit seiner Verurteilung der Rolle der Schweiz im Nationalsozialismus, seiner Globalisierungskritik und seinem Kampf gegen den Hunger einen Namen. Es war der letztere, der ihn selbst ins Kreuzfeuer der Kritik brachte: Zum einem wurde ihm einseitige Berichterstattung vorgeworfen, zum anderen gab es negative Reaktionen auf seinen Bericht über die Ernährungssituation in den palästinensischen Gebieten, in dem er erklärte, das die israelische Besatzung eine «Teilschuld» an der Situation trüge. Ob der Appell Teppichs jedoch Merkel überhaupt erreicht, ist fraglich, da der Aufruf kaum in den Medien war. Doch dies ist nicht die einzige Front, an der Teppich und seine Unterstützer kämpfen. Auch im Internet versucht die Gruppe um den früheren Spanienkämpfer ihr Anliegen zu verbreiten. Dazu haben sie die «Kempinski-ag.de» - Domain erworben und eine erste Internetpräsenz eingerichtet. Kein guter Anfang für den Kampf im Netz: Die Webseite enttäuscht (noch) und ist nicht gepflegt, dazu kommt ein unausgegorenes Konzept bei dem nicht erkenntlich ist, was das Ziel Teppichs ist. Auch der Appell an die Bundeskanzlerin, das Wesentliche an seiner neuen Kampagne, fehlt. Doch Fritz Teppich wird sich nicht auf den Erfolg einer Webseite verlassen, er ist einfach nicht stillzukriegen. Das ist gut so, denn am Ende hofft man doch immer noch, dass die altbekannte(n) Geschichte(n) der Kempinskis, Wertheims, Leisers, Tietzens, Jahndorfs, Fromms, endlich etwas von Gerechtigkeit und Angemessenheit erfahren, wenn das überhaupt auch nur in Ansätzen vorstellbar ist. |