Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Hightech nach China, Selbsterfahrung in IndienSeit 15 Jahren pflegt Israel diplomatische Beziehungen zu China und
«Auf der Guangzhou Trade Fair hört man mittlerweile mehr Hebräisch als Deutsch oder Spanisch», berichtet Avishay Hamburger. Er ist Chef von Netafim Asia, einer Firma im Besitz des Kibbuz Hatzerim, die zu den Pionieren moderner Bewässerungstechnologie zählt. «Zurzeit einen Flug von Israel nach Peking zu ergattern, ist wie ein Lotteriegewinn. Die Maschinen in beide Richtungen sind oft auf Monate ausgebucht», sagt er. Denn das Reich der Mitte ist zum gelobten Land für israelische Firmen geworden. Der Warenaustausch verzeichnet jährlich neue Rekorde. Im Jahr 2004 betrug das Volumen des bilateralen Handels 2,4 Milliarden Dollar, 2005 waren es bereits knappe drei Milliarden Dollar und im vergangenen Jahr satte 3,39 Milliarden Dollar. Dabei unterhalten China und Israel erst seit 1992 diplomatische Beziehungen. Und damals schlug der Handel zwischen den beiden Ländern mit gerade mal 54 Millionen Dollar zu Buche. Heute sind über 800 israelische Firmen im China-Geschäft aktiv, rund 40 haben eigene Niederlassungen vor Ort. «Israelische Unternehmen besitzen in Sachen Hightech ein enormes Potenzial», so Amos Yudan, Vorsitzender der israelisch-chinesischen Handelskammer. «Doch unser Heimatmarkt ist zu klein. Genau deshalb ist ein internationales Engagement für viele lebenswichtig. Und China bietet dafür die besten Perspektiven.» Aber nicht nur Hightech-Firmen sind vor Ort aktiv, auch Israels Drogerie-Imperium Superpharm expandiert mächtig und betreibt mit einem chinesischen Partner bereits mehr als 50 Filialen. 15 Jahre offizielle Beziehungen - das war Grund genug zum Feiern. Israels Ministerpräsident Ehud Olmert fuhr aus diesem Anlass bereits im Januar zum offiziellen Staatsbesuch nach Peking. Für ihn war das auch eine ganz persönliche Reise. Denn Olmerts Eltern flohen vor den Pogromen im zaristischen Russland vor 80 Jahren zuerst nach China, um schließlich 1933 nach Eretz Israel zu gelangen. «In Anbetracht der historischen Verbindungen Ihrer Familie zu China, kann man sagen, dass Sie dieses Mal das Land nicht nur als ein angesehener Gast besuchen, sondern auch als ein Freund und Verwandter.» Mit diesen Worten begrüßte ihn Chinas Premier Wen Jiabao deshalb auf das Herzlichste. Neben wirtschaftlichen Themen stand natürlich das Atomprogramm des Iran ganz oben auf der Tagesordnung. Schließlich spielt Peking in den Verhandlungen mit Teheran eine Schlüsselrolle. Doch die Geschichte der israelisch-chinesischen Beziehungen reicht weit vor das Jahr 1992 zurück. Bereits in den Jahren davor gab es intensive Kontakte - wenn auch inoffiziell. So sorgte in den achtziger Jahren der israelische Geschäftsmann Shaul Eisenberg dafür, dass Peking Appetit auf Waffentechnik «Made in Israel» bekam. Damals war Israel eine Zeit lang hinter Russland Chinas wichtigster Lieferant von Rüstungsgütern. Sehr zur Verstimmung der USA. Vor einigen Jahren drohte die US-Regierung deshalb, Israel aus dem F-35 «Joint Strike Fighter»-Projekt auszuschließen, weil Jerusalem die 2001 an China verkauften Flugdrohnen vom Typ «Harpy» modernisieren wollte. Zu groß war die Angst, dass via Israel amerikanisches Waffen-Know-how auf diese Weise seinen Weg nach Peking findet. Zwar ist «Harpy» ein Produkt von Israel Aerospace Industries, aber die Technik beinhaltet auch amerikanische Bauteile. Und die Clinton-Administration hatte bereits in den 90er Jahren sehr allergisch auf den geplanten Verkauf des «Phalcon»-Frühwarnsystems nach Israel reagiert. Der Deal - immerhin ein Auftragswert von rund einer Milliarde Dollar - platzte letztendlich auf Druck von Washington. Infolge dieser Ereignisse sind die Waffenverkäufe an China stark zurückgegangen. Obwohl 2006 mit weltweiten Verkäufen in Höhe von 4,4 Milliarden Dollar ein Rekordjahr für Israels Rüstungsindustrie war, kam kein neues Geschäft mit Peking zustande. 1992 war das Jahr, in dem man nicht nur mit China diplomatische Beziehungen aufnahm. Auch Jerusalems Kontakte zu Indien erhielten den offiziellen Segen. Zwar hatte Neu-Delhi den jüdischen Staat bereits 1950 anerkannt und es gab in den 50ger Jahren ein israelisches Konsulat in Bombay, doch erfolgte der letzte Schritt mit dem Austausch von Botschaftern ebenfalls erst vor 15 Jahren. Heute zählt Indien nicht nur zur beliebten Destination für junge Israelis, die es nach dem stressigen Militärdienst zum Selbsterfahrungs- und Drogentrip in Scharen auf den Subkontinent zieht. Auch als aufstrebende Wirtschaftsmacht gewinnt das Land zunehmend an Bedeutung. Betrug das Volumen des bilateralen Handels 1992 gerade einmal 200 Millionen Dollar, so werden es dieses Jahr wohl rund drei Milliarden Dollar sein. Israelische Expertise auf den Gebieten Hightech, Pharmazie oder medizinisches Gerät sowie die indischen Kompetenzen in Sachen Software-Entwicklung bieten zahlreiche Möglichkeiten zu Joint Ventures und anderen Kooperationen. Wie wichtig Israel für Indien geworden ist zeigte sich die Tage, als die State Bank of India, immerhin die größte Bank des Landes, in Ramat Gan neben der Diamantenbörse eine Niederlassung eröffnete. Und wie im Falle Chinas ist Indien ebenfalls stark an israelischer Waffentechnik interessiert. Doch anders als Peking hat Neu Delhi in Washington den Ruf ein strategischer Partner zu sein, so dass amerikanische Unternehmen zwar im Wettbewerb zu israelischen Anbietern stehen, die US-Administration aber keine Einwände gegen Israels Geschäfte hegt. Und genau deshalb kamen in jüngster Zeit einige spektakuläre Deals zustande: Elbit Systems kaufte sich mit einem Anteil von 26 Prozent bei Hindustan Aeronautics ein und auf der Pariser Luftfahrt-Show im Juni konnten die Israelis mit dem indischen Verteidigungsministerium ein Geschäft für den Verkauf des SPYDER-Raketensystems mit einem Gesamtwert von rund vier Milliarden Dollar unter Dach und Fach bringen. Ferner basteln beide Länder nun gemeinsam auch an einem neuen Flugabwehrsystem für die Marine - eine Weiterentwicklung des bereits bestehenden Barak-Systems. |