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Koscher Busfahren
Sogar das Oberste Gericht Israels hat bereits ein aufmerksames Auge auf «koschere» Buslinien geworfen. Hierbei handelt es sich nicht um Marzipanbusse in Miniatur oder sonstiger Speisen, die einer speziellen Handlung bedürften, nein. Es dreht sich um öffentliche Transportmittel, in denen auf strikte Geschlechtertrennung geachtet wird. Seit zehn Jahren existieren Buslinien im Lande, in denen Frauen im hinteren und Männer im vorderen Teil zu sitzen haben. Die Trennung hatte noch der ehemalige Verkehrsminister Jitzchak Levi ins Leben gerufen, um Bedürfnissen religiöser und ultra-orthodoxer Fahrgäste entgegen zu kommen. Was damals mit lediglich zwei städtischen Linien begann, in denen die Teilung auf Freiwilligkeit beruhte, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer rigiden Separation in rund 30 Linien, der man sich nicht entziehen kann. Da Männer im vorderen Teil des Busses sitzen, haben diese keine Probleme einen Fahrschein beim Fahrer zu lösen und sich anschließend auf die Suche nach einer Sitzgelegenheit zu begeben. Komplizierter ist es für weibliche Fahrgäste. Denn jeder Fahrgast muss am Chauffeur vorbei, um die Karte vorzuweisen oder knipsen zu lassen. Damen stehen also oft vor dem Dilemma, hinten einsteigen jedoch vorn disponieren zu müssen. Der Minister, selbst Mitglied einer religiösen Partei, folgte der Argumentation, dass Männer in einem erhöhten Maße auf visuelle Reize reagierten. Frauen könnten die männlichen Gäste auf lüsterne Gedanken bringen oder gar verführen. Dem galt es durch Trennung vorzubeugen. Im hinteren Teil «stören» die Frauen also weniger. Zunehmend sind auch weibliche aber nicht-religiöse Fahrgäste von dieser Regelung betroffen. Unfreundlich und grob fordert man sie oft auf hinten Platz zu nehmen. Nicht selten stehen selbsternannte Inspekteure an der Bushaltestelle der Klagemauer.Lauthals weisen sie darauf hin, dass Frauen und Mädchen auf den hinteren Bänken zu sitzen haben. Ein Umstand, der zumeist nicht-religiösen Fahrgästen aufstößt und bereits zu einigem Unmut geführt hat. Geschlagen und angespuckt wurde eine Frau, die sich wiederholt der Aufforderung von schwarz bekleideten Männern doch hinten zu sitzen, widersetzt hatte. Der Tatort - die Jerusalemer Linie Nr. 2 - so erzählte die Frau, war nicht explizit als «koschere», Buslinie gekennzeichnte. Sie sei wie jeden Morgen zur Klagemauer gefahren und habe, als der erste Mann sie anspuckte, zurückgespuckt. Diesem sei jedoch ein weiterer Mann «zu Hilfe» geeilt, gemeinsam seien beide handgreiflich geworden. Auch in diesem Fall sei sie nichts schuldig geblieben. Als ihr allerdings fünf Orthodoxe gegenüber standen, war die Sache erledigt. So wundert es nicht, dass es fünf Frauen sind, die zusammen mit dem Zentrum für pluralistisches Judentum Rechtsmittel beim Obersten Gereicht eingereicht haben. Die Entrüstung der Frauen, die zum Teil praktizierende Jüdinnen sind, richtet sich nicht direkt gegen die Aufteilung. Sie verstehen, dass es Kreise in der Bevölkerung gibt, die sowas gut heißen und wollen dem nicht entgegen stehen. Ganz und gar nicht in das aufgeklärte Weltbild der Klägerinnen passt allerdings, dass auf manchen Linien ausschließlich «koschere» Busse verkehren, zum Beispiel auf der Linie zwischen Jerusalem und Tzfat, die als religiöse Hochburgen gelten. Für eine alternative Route muss der Fahrgast erhöhtes Fahrgeld und längere Fahrzeit in Kauf nehmen - die Fahrkarte der «religiö-sen» Linie von Jerusalem nach Aschdod kostet fast 50 Prozent weniger als in der «Weltlichen». Nach Orly Erez-Likhovsky, Anwältin des Zentrums für pluralistisches Judentum, ist das Ziel der Appelation nicht die Aufhebung der «koscheren» Linien: «Wir wollen lediglich Ordnung schaffen. Die Busse sind nicht gesondert gekennzeichnet und es gibt keine vergleichbare Alternative. Wir wünschen lediglich eine Lösung für Fahrgäste, die so nicht fahren wollen». Die Richter wiesen den Staat und die Buslinien an, Stellung zu diesen Vorwürfen zu nehmen, die dem Gericht bereits vorliegen. Ein Gerichtstermin steht jedoch noch nicht fest. «Wir hoffen das Beste», meint Erez-Likhovsky. |