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Fräulein Portman und das Heilige LandKindliche Profikillerin, Anne Frank, selbstmordgefährdete Mutter – Natalie Portmans Rollen sind vielfältig
Eine der vielen Blüten, die das Leben in einem kleinen Land treibt, scheint auch der Drang zu sein, das Land gefühlt noch kleiner zu machen: Kein Israeli oder in Israel Geborener kann darauf hoffen, unerkannt in der großen weiten Welt Karriere zu machen. Sobald er berühmt wird, wird er israelisiert und voller Stolz in der langen Reihe berühmter Israelis aufgezählt. Bei Natalie Hershlag ist das anders: Sie hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass sie in Jerusalem als Tochter eines israelischen Vaters und einer amerikanischen Mutter geboren wurde. Und spätestens mit ihrem Semester an der Hebräischen Universität in Jerusalem im Jahr 2005 unterstrich sie ihre Verbundenheit mit dem Land. Dass sie während ihres Jerusalemer Semesters das Objekt der Bewunderung der Studentinnen und das der Begierde der Studenten war, überrascht sicher nicht. Bekannt ist die Dame als Natalie Portman. Die schöne Frau aus Hollywood, geboren am 9. Juni 1981 in Jerusalem. Als sie vier Jahre alt war, verließ die Familie wegen der Karriere des Vaters Israel und siedelte in die Vereinigten Staaten von Amerika über. Natalie wusste früh, dass sie Schauspielerin werden wollte und erkannte ihre Chance, als sie im Alter von 12 Jahren von einem Headhunter, der eine Kampagne für Revlon machen sollte, angesprochen wurde: Statt einer Karriere als Model, so teilte sie ihm mit, wolle sie lieber Schauspielerin werden. Erste Berühmtheit erlangte sie mit ihrer Rolle als Mathilda in dem Film «Leon - der Profi», weitere Engagements folgten. Nach einer kurzen Unterbrechung der Filmkarriere zugunsten des Broadway-Stückes über das Leben der Anne Frank kehrte sie auf die Leinwände zurück - der Rest ihrer Karriere ist bekannt. Weniger bekannt als ihre Filmrollen ist ihr Einsatz für Tiere - seit ihrem achten Lebensjahr ist sie Vegetarierin aus Überzeugung. Auch gegen die Armut der Welt macht Fräulein Portman sich stark: Für die Organisation FINCA - der Foundation for International Community Assistance - ist sie «Botschafterin der Hoffnung». FINCA vergibt an die Ärmsten der Armen Mikrokredite und ermöglicht ihnen so, aus dem Teufelskreislauf von Armut und Verschuldung auszubrechen und stattdessen ihr Leben in die Hände zu nehmen und etwas aufzubauen. In dieser Funktion erfüllte sich auch einer ihrer Träume: Sie traf mit der Königin von Jordanien, Rania, zusammen, die im Vorstand von FINCA sitzt. Neben dem Studium in Israel hat sie 2005 bereits einen Film in Israel gedreht: In «Free Zone» von Amos Gitai, der beim Filmfestival Cannes im selben Jahr für eine Goldene Palme nominiert war, spielte sie eine Amerikanerin, die gerade ihren israelischen Verlobten in Jerusalem verlassen hat. Mit einem Taxi will sie die Stadt verlassen und bricht schließlich zusammen mit der israelisch-jüdischen Taxifahrerin Hannah in die freie Zone an der jordanischen Grenze aus, wo die beiden sich gemeinsam mit einer jungen Palästinenserin unzähligen Wirrungen ausgesetzt sehen. Der Dreh des Filmes machte sie in Israel beinahe berühmter als der Film selbst: Als sie an der Westmauer eine Kuss-szene mit dem israelischen Schauspieler Aki Avni drehen sollte, fühlten sich die Betenden in ihren religiösen Gefühlen derart verletzt, dass letztendlich der Dreh unterbrochen werden musste. Obwohl die Szene doch noch einen Abschluss fand, wurde sie am Ende nicht in den Film aufgenommen. Israel ist ihr, wie sie in einem Interview mit dem «Rolling Stone» sagte, sehr wichtig. Etwa drei- bis viermal pro Jahr kommt sie zu Besuch. Auch in anderen Interviews betonte sie mehrmals ihre Zugehörigkeit zu Israel und ihre Liebe für das Land, «in dem ich geboren wurde; das mein Innerstes sich weigert zu verlassen». Die Israelis vergelten es ihr mit bedingungsloser Liebe: Jeder Interviewfetzen in hebräischer Sprache taucht an mindestens zehn Orten im Internet auf, versehen mit enthusiastischen Kommentaren. Das echte Leben als Studentin in Jerusalem 2005 soll Portman sehr genossen haben: Einerseits wegen der Universität, und andererseits wegen der Ruhe vor dem Star-trubel, der nicht auf Jerusalem übersprang. In Tel Aviv sei dies anders gewesen, bekannte sie, dort wurde sie auf der Straße, in Restaurants und Bars angesprochen, fotografiert, Leute stießen sich gegenseitig den Ellbogen in die Seite, wenn sie ihrer ansichtig wurden. Merkwürdig findet sie, dass kein israelischer Mann versucht hat, sie zu daten - ob sie sich nicht trauen? Wie dem auch sei, ihrer Liebe zu Israel hat dies alles keinen Abbruch getan, im Gegenteil: Glaubt man jüngsten Pressemeldungen, dann steht ein weiterer, längerer Besuch der Kinoschönheit bevor: Vor einigen Wochen soll sie sich mit Amos Oz getroffen haben, um mit ihm über eine Rolle in der Verfilmung seines autobiografischen Romans «Eine Geschichte von Liebe und Finsternis» zu verhandeln. Genauere Statements ließen sich bisher nicht finden, doch glaubt man einem Nachrichtenbeitrag des zehnten Fernsehprogramms, so handelt es sich bei der Rolle um die der Mutter des Autors, die Selbstmord beging, als er 12 Jahre alt war. Außerdem möchte Portman bei diesem Film zum ersten Mal selbst Regie führen. Die Verfilmung selbst soll eine deutsch-israelische Koproduktion werden. Die Idee dazu entstand 2005, als Oz den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt erhielt. Sollte die ambitionierte Portman ihren Wunsch verwirklichen, dann kann man schon heute auf das Ergebnis gespannt sein. |