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Fahrlässig mit Flüchtlingen
Als die Hamas-Gruppierung nach der Übernahme von Gaza auch an der relativ schmalen Grenze des Küstenstreifens zu Ägypten patroullierte, befürchteten die Israelis einen noch regeren Waffenverkehr an diesem Reibungspunkt. Indess richtete sich auch der Blick der israelischen Presse auf das eigene, mehr als 200 Kilomter lange Grenzgebiet zum südlichen Nachbarn. Denn dort wird gerne und rege geschmuggelt. Folgt man vom östlichsten Zipfel des Gaza-Streifens den Grenzpfeilern nach Süden, so fährt man auf der einsamsten Strecke Israels: Die Straße Nummer zehn führt beinahe schnurstracks durch die Negev-Wüste bis nach Eilat hinunter. Fährt man bei Nacht, ist die Wahrscheinlichkeit groß Sudan-Flüchtlinge anzutreffen, die halbverdurstet Asyl in Israel suchen. Sie werden von Banden ins Land gebracht, die ebenso lichtscheu Waffen und Prostituierte einführen. In einer ersten Reaktion schränkte Israel die Bewegungsfreiheit der eigenen Bevölkerung auf dieser Route ein. Seit Monaten kann man nur mehr in kleinen Kolonnen fahren, nicht ohne an einem der Kontrollpunkte den Nachweis erbracht zu haben, dass man eine Waffe bei sich führt. Um den Schleichhändlern und Schleppern eine Antwort entgegenbringen zu können, wurde eigens eine Brigade abkommandiert. Doch die Sudanesen bleiben auf der Strecke. Die Fakten sprechen für sich: Seit Anfang Mai kamen an die 1000 Flüchtlinge und Arbeitssuchende aus Afrika - im gesamten letzten Jahr waren es nicht mehr als 300. Schätzungen gehen davon aus, dass ihnen bis Ende des Jahres mehr als 5000 Afrikaner folgen werden. Das folgende Beispiel einer 39 Flüchtlinge zählenden Gruppe zeigt, wie fahrlässig Israel mit den Flüchtlingen umgeht. Als die Afrikaner Mitte Juni über die Grenze kamen, wurden sie vom Militär aufgebracht. Die IDF ist es mittlerweile gewöhnt und hat sich dementsprechend eingerichtet. Im Camp erhielten die Asylsuchenden erste ärztliche Hilfe und eine Mahlzeit, die Kinder wurden versorgt. Anschließend leiteten die Streitkräfte die Menschen an die Polizei weiter, sie lud die-se einfach vor dem Hauptpolizeirevier in Beer-Sheva ab. Die Herren in Grün sind der Auffassung, dass Zivilisten von der Armee nicht länger als 24 Stunden festgethalten werden dürfen. Die Polizei wiederum fühlte sich nicht verantwortlich und versuchte die Vertriebenen wieder der Armee unter zu schieben, was aber nicht gelang. Denn die Jungs in Blau meinen, dass nur die Männer in Abschiebehaft genommen werden können, Kinder und Frauen «betreuen» die Ordnungshütern nicht. Schließlich wurden die Heimatlosen an verschiedenen Stellen der Stadt einfach ihrem Schicksal überlassen. Humanitäre Organisation kümmerten sich. Muslimische und christlich-messianische Einrichtungen legten ihre schützenden Hände über die Häupter. Das Problem ist der Politik bekannt und wird damit erklärt, dass die Migrationspolizei von Israel nicht mehr ganz so hart durchgreift und die illegalen Einwanderer wegen überfüllter Anstalten nicht mehr hinter Schloß und Riegel setzen kann. Auch lastet die Angelegenheit mittlerweile schwer auf dem israelisch-ägyptischen Verhältnis. Die israelische Regierung meint, dass die arabische Republik das Flüchtlingsproblem ebenso angeht, wie die illegalen Waffen in Rafah - eben gar nicht. Zudem fehlen Direktiven und jede Instanz denkt nur bis zum eigenen Formularende. Aus diesem Grund landen die Exilanten bei der Polizei - oder im Job. Im Touristenstädtchen Eilat, so heißt es, soll manch alleinstehender Grenzgänger eine Arbeitsstelle erhalten haben, eigens vom Bürgermeister vermittelt. Um Maßnahmen die Flüchtlinge adäquat zu behandeln, darum drückt man sich. Dennoch hat die Regierung angekündigt, eine resortübergreifende Kommission gründen zu wollen, die sich dieses Thema zur Brust nehmen soll- eine passendere Lösung hätte der israelische Satiriker Efraim Kishon selber nicht finden können. |