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Kein zweiter Arbeitstag für PriebkeMassenmörder muss wieder in Hausarrest
ROM Die Entscheidung eines römischen Militärgerichtes, den ehemaligen SS-Offizier und verurteilten Nazi-Kriegsverbrecher Erich Priebke zeitlich begrenzt aus dem Hausarrest zu entlassen, hat in Italien zu heftigen Protesten und Kontroversen geführt. Es wurde bekannt, dass Erich Priebke, der in seiner Wohnung in Rom seinen Hausarrest absitzt, die richterliche Erlaubnis erhalten hatte, jeden Tag bei seinem Advokaten und Verteidiger einer nicht näher definierten Arbeit, angeblich als Übersetzer, nach zu gehen. An eine Hauswand in der italienischen Hauptstadt wurde Mitte Juni sogleich der Satz «Willkommen zurück, Hauptmann Priebke» geschmiert, begleitet von einem Hakenkreuz. Am 18. Juni, seinem ersten «Arbeitstag», versammelte sich eine Gruppe von rund hundert jüdischen Jugendlichen vor dem Wohnblock Priebkes. Dieser ist jedoch der direkten Konfrontation entgangen, indem er sich zusammen mit seinem Advokaten im Morgengrauen auf einem Motorroller auf den Weg machte. Die Protestierenden riefen in Sprechchören «Mörder», «Du hast auch Kinder umgebracht» oder schrieben auf Spruchbändern «Meine Grosseltern waren in Auschwitz, ich bin hier». Eine lokale Politikerin verlangte, dass Priebke, der offensichtlich gesund genug für eine Arbeit sei, auch ins Gefängnis zurückgehen könne, um dort zu übernachten. Eine lebenslange Haftstrafe des inzwischen 93-Jährigen war aus Gesundheitsgründen in einen Hausarrest umgewandelt worden. Die italienische Politik hat nun mit Unverständnis auf diesen erneut gelockerten Freiheitsentzug reagiert. Der italienische Justizminister Mastella sagte, würde er der jüdischen Bevölkerung angehören, wäre er überhaupt nicht erfreut, aber auch als Bürger der italienischen Republik sei er bestürzt. Verteidigungsminister Parisi versteht die Strafmilderung ebenfalls nicht, umso mehr Priebke nie Reue für seine Taten gezeigt hätte. Der Präsident der Region Latium, Marazzi, sieht darin ein Wohlwollen, das man zu Verstehen nicht im Stande ist. Auch der Präsident der Provinz Rom, Gasbarra, zeigte sich persönlich beunruhigt und verurteilte die Erteilung der Arrest-Aufhebung scharf. Genau so scharf war der Gegenschlag des Verteidigers von Priebke. Er ließ in einer Verlautbarung erklären, dass jeder ein Rassist sei, der sich darüber wundere, dass auch sein Mandant gewisse Rechte habe. Für gute Führung stelle die Rechtsprechung schließlich Vorteile in Aussicht. Erich Priebke wurde der Mitverantwortung an der Erschießung von 335 Römern, darunter 75 Juden, für schuldig befunden. Die Hinrichtungen waren ein Racheakt auf ein Bombenattentat gegen die deutschen Besatzer, bei dem zuvor 33 SS-Soldaten ums Leben kamen. Die Exekutionen fanden am 24. März 1944, angeblich auf direkten Befehl Hitlers, in einem unbesiedelten Gebiet am damaligen Stadtrand Roms, den «ardeatinische Gräben», statt. Am Tag des «Arbeitsantritts» Priebkes hatten höchste Vertreter der jüdischen Gemeinschaft Roms und der «Union der jüdischen Gemeinschaften Italiens» UCEI einen symbolischen Besuch zu jener Hinrichtungsstätte organisiert, während dem im Andenken an die Opfer ein Kaddisch gesprochen wurde. Für Renzo Gattegna, den Präsidenten der UCEI, ist das Problem nicht Priebke als Person, sondern das, was er repräsentiert: den Nationalsozialismus an sich, der unschuldige Zivilisten umgebracht hat. Für den Oberrabbiner Roms, Di Segni, ist das Massaker ein Trauerfall für die ganze Stadt, unabhängig von der religiösen Zugehörigkeit. Der erste «Arbeitstag» für den ehemaligen SS-Offizier war aber auch gleich der letzte: die unbegrenzte Arbeitsbewilligung wurde keine 24 Stunden später wieder außer Kraft gesetzt. Begründet wurde dieser Schritt allerdings nicht mit dem dahinter steckenden politischen Skandal, sondern lediglich mit der ausgebliebenen Dokumentation zu Händen der Behörden, was die Personenbewegungen Priebkes, sowohl zeitlich als auch welcher Art, betraf. Dennoch darf er seine Wohnung nun wieder nur für kurze Spaziergänge in einem nahen Park oder zu Arztbesuchen verlassen. Am Rande der Mahnfeier in den «ardeatinische Gräben» stellte ein Bürger ein sehr pointiertes Plakat vor: Wenn "Arbeit frei macht", auf die Inschrift über dem Eingang des Konzentrationslagers Auschwitz anspielend, dann darf ein Henker wie Priebke niemals arbeiten. |