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Dialog und MissionBegegnung in Köln, Vergegnung in IsraelDas interreligiöse Gespräch war einer der Schwerpunkte des 31. Kirchentages der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Anfang Juni in Köln. Schon zum Auftakt hatte Rabbiner Abraham Soetendorp (Den Haag) bei der Veranstaltung «Die Macht der Würde: Globalisierung neu denken» vor dem Kölner Dom den Frieden in Nahost beschworen: «Wir haben es in der Hand, die Tür zu einer neuen Zeit von Liebe, Recht und Würde zu öffnen.» Große Geste, schöne Worte, und das Publikum sang spontan «Schalom aljechem». Doch wie soll man den brennenden Wunsch nach Verständigung mit Leben füllen? Insbesondere der Dialog mit dem Islam sei, so Kirchentagspräsident Reinhard Höppner, keinen großen Schritt vorangekommen, und vom sogenannten Trialog ist man noch weit entfernt: «Die drei abrahamitischen Religionen haben ein gemeinsames Fundament, das kann keiner leugnen. Im Moment würde ein Trialog aber die Lage eher komplizieren. Das politische Verhältnis zwischen Muslimen und Juden ist ja nicht unkompliziert. Bilaterale Gespräche sind derzeit wohl der leichteste Weg, um Fortschritte zu erzielen.» Gesagt, getan. Mit der Jüdischen Liberalen Gemeinde Köln Gescher LaMassoret lud erstmals in der Geschichte der Kirchentage eine jüdische Gemeinde die Teilnehmer zu einem Schabbat in ihren Räumen ein - und die Gemeindevorsitzende Sonja Guentner konnte über die positive Resonanz nur staunen. Über 400 Gäste verbrachten zusammen mit den Gemeindemitgliedern die drei Gottesdienste zum Schabbat, vom Freitagabend bis zur Hawdala. Gemeinsam wurde gebetet, gesungen, gelernt und gegessen - die jüdischen Gastgeber waren überrascht, wie offen, interessiert und konzentriert die vielen evangelischen Besucher auch den verschiedenen Vorträgen und Schiurim, unter anderem von Rabbiner Tovia Ben-Chorin (Zürich) und Rabbiner Professor Jonathan Magonet (London) folgten. In den zahllosen ungezwungenen Unterhaltungen in den Pausen oder beim Essen wurde eine Vielfalt von Themen angesprochen. Besonders wichtig war es dem Gemeindevorstand, dass man auch miteinander lachen konnte, wofür etwa die vielen rabbinischen Anekdoten von Tovia Ben-Chorin sorgten. «Beeindruckt hat uns zudem die Sangeskraft der evangelischen Gäste.» Gleich fünfstimmig beschlossen Juden, Christen und einige Muslime am späten Abend den Schabbat. Bereits zuvor hatten Mitglieder der Gemeinde gemeinsam mit der «Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste» in Schweigegängen auf dem Messegelände der von Köln-Deuz im Dritten Reich deportierten jüdischen Menschen gedacht. «Für eine so kleine Gemeinde war dieses umfangreiche Programm in jeder Hinsicht eine enorme Kraftanstrengung. Doch wir sind froh, einen so eindrucksvollen Schabbat gemeinsam erlebt zu haben und hoffen, dass unsere Gäste gespürt haben, wie sehr sie willkommen waren. Unsere Erwartungen wurden in jeder Hinsicht weit übertroffen.» Zugleich sollte dies auch ein Dankeschön an die evangelische Kirche in Köln sein, die die Liberale Jüdische Gemeinde in geschwisterlicher Verbundenheit seit Jahren unterstützt - so stellt die Evangelischen Gemeinde in Riehl Gescher ihre Räume zur Verfügung. Die Jüdische Liberale Gemeinde Köln ist fest entschlossen, auch zukünftig «lebendig und kräftig» die guten Kontakte zwischen Juden, Christen und Muslimen zu pflegen. Aber es gab im Zuge des Kirchentags durchaus auch Irritationen. So befand der Bundestagsabgeordnete Hermann Gröhe, der dem Rat der EKD angehört, vorab: «Dialog und Mission schließen sich nicht aus.» Gegenüber der Presse meinte Gröhe: «Ich denke schon, dass unter der Überschrift „die drei abrahamitischen Religionen" die Gemeinsamkeiten von Judentum, Christentum und Islam überschätzt wurden. Dazu haben auch Schriften des 2. Vatikanischen Konzils beigetragen. Das Zentrale im christlichen Glauben - der Glaube an die Menschwerdung Gottes und den Erlösungstod Jesu - ist unvereinbar mit dem Gottesbild des Islam, auch wenn der Koran Jesus und Moses große Wertschätzung gegenüber zum Ausdruck bringt.» Und inzwischen erklärte auch EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte (Hannover) bei einer Feier zum 50-jährigen Bestehen der Missionsakademie am 20. Juni in Hamburg, dass Mission und Dialog für die christliche Theologie aufeinander bezogen sind. Angesichts der Festigung der jüdisch-messianischen Bewegung sind diese Äußerungen keine Petitessen. Die Agentur «idea» berichtete kürzlich zum Jahresfest des Evangeliumsdienstes für Israel, dass die vor etwa 15 Jahren entstandene Bewegung in Deutschland inzwischen mehr als 20 Gemeinden sowie zahlreiche Hauskreise und Bibelgruppen mit über 1.000 Mitgliedern umfasst: «Dabei handelt es sich um Juden, die an Jesus Christus als dem im Alten Testament angekündigten Messias glauben.» In der Agenturmeldung heißt es weiter: «In einem Grußwort der württembergischen Kirchenleitung, das vom EDI-Vorsitzenden Joachim Rieger vorgetragen wurde, dankte Kirchenrat Fritz Würschum (Stuttgart) dem EDI. Vertreter messianischer Gemeinden in Israel berichteten von wachsendem Interesse an Informationen über Jesus Christus. Das beste Mittel, Juden zum Kauf eines Neuen Testamentes oder anderer christlicher Literatur zu bringen, sei ein Verbot durch orthodoxe Rabbiner. Die etwa 110 messianischen Gemeinden in Israel haben rund 10.000 Mitglieder.» Und diese messianischen Gemeinden bieten jüdischer Kritik mit harschen Worten Paroli: «Antichristlicher Zeitungsartikel erinnert an Nazi-Parolen», meinte der Leiter des «Instituts für Israels universale Berufung», Klaus Mosche Pütz, in Jerusalem. Der Hintergrund: Das russischsprachige Blatt «Novosti Nedeli» (Tel Aviv) hatte Juden, die an Jesus Christus als den Messias glauben, als üble Verführer und Missionare bezeichnet. Die Agentur «idea» berichtet dazu wiederum: «So wie vor 70 Jahren Juden als Untermenschen diskriminiert wurden, würden heute in Israel Menschen, die Jesus Christus für den Erlöser des jüdischen Volkes halten, als Gefahr für die Mitbürger hingestellt, erklärte der 71-Jährige gegenüber idea. Er stammt aus Halle (Saale). In Israel gründete er eine „Messianische Bekenntnisgemeinschaft", deren Mitglieder- und Freundeskreis aus etwa 3.500 messianischen Juden und Sympathisanten besteht. Wegen ihres missionarischen Engagements seien sie übelsten Volksverhetzungen ausgesetzt, wobei sich besonders die Antimissionsliga „Yad le-Achim" hervortue, so Pülz.» Er reagierte darauf am 31. Mai mit einer ganzseitigen evangelistischen Anzeige in der mit 300.000 Exemplaren auflagenstärksten russischsprachigen Tageszeitung Israels, «Westi». Unter dem Titel «Was dient zu Israels Heil» schrieb er, dass es ohne Anerkennung des weltweiten Herrschaftsanspruchs Jesu Christi weder im Nahen Osten noch in der Welt Frieden gebe. Das 1981 gegründete Institut verschickt kostenlose Bibeln und weiterführende Literatur. In Deutschland wird es von «ZeLeM - Verein zur Förderung des messianischen Glaubens in Israel» mit Sitz in Guntersblum bei Worms unterstützt. Beim Kölner Kirchentag hatte der frühere jüdische Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft «Christen und Juden beim Kirchentag», der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik, bedauert, dass in der EKD ein traditionelles Missionsverständnis eine Renaissance erlebe, das den Anspruch auf eine absolute theologische Wahrheit erhebe. Dies habe zur Folge, dass andere Weltanschauungen und Religionen als defizitär dargestellt würden. |