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«Hochzeit in Jerusalem»von Lena Gorelik
Die 1981 in St. Petersburg geborene Schriftstellerin Lena Gorelik gehört zu jener Generation russischer Juden, die in den 1990er Jahren nach Deutschland kamen. Anders als etwa Wladimir Kaminer, dessen erstaunlicher Erfolg letztendlich auf einem kulturellen Missverständnis beruht, ist sie bereits in der deutschen Sprache aufgewachsen und hat prägende Jugendjahre hier verbracht, was ihrer schriftstellerischen Arbeit sehr zugute kommt. Ihr wunderbar leichthändiger erster Roman «Meine weißen Nächte» wurde vor zwei Jahren mit dem Bayer-ischen Kunstförderpreis ausgezeichnet. In ihrem neuen, zweiten Roman «Hochzeit in Jerusalem» widmet sich Lena Gorelik nun der komplizierten Frage nach ihrer Identität: «Wer bist du eigentlich, Anja?», wird die sympathische Ich-Erzählerin, deren Lebenslauf im wesentlichen jenem der Autorin entspricht, expositionsartig schon zu Beginn des Buches gefragt. «Fühlst du dich zum Beispiel jüdisch?» - «Ich bin einfach ich», ist die ebenso pragmatische wie lebenskluge, aber auch ausweichende und zunächst wenig erhellende Antwort, die Lena Gorelik jedoch auf den folgenden 250 Seiten anhand von «lebenspraktischen Beispielen» und in einem überaus packenden, erfrischenden Ton zwischen Bridget Jones und Jugendroman für den Leser sehr unterhaltsam präzisiert. In einem Chat für jüdische Singles lernt Anja den gleichaltrigen verwirrten Julian kennen, der gerade erst von der jüdischen Herkunft seines Vaters erfahren hat und nun auf sehr gründliche, aber auch sehr unbeholfene Art und Weise seine jüdischen Wurzeln zu erkunden versucht. Zum Glück bietet ihm die flippige, von chronischem Liebeskummer gepeinigte Anja ihre Hilfe an und begleitet ihn zum Rabbi, zu einer orthodoxen Familie nach Strassburg und schließlich nach Israel. «Hochzeit in Jerusalem» ist eine vor allem für junge Leser geeignete Lektüre zum Thema der jüdischen Identität in Deutschland, gleichzeitig aber auch eine vielleicht nicht ganz freiwillige Satire auf die hohle Jugendlichkeit einer Generation, deren größte Angst es ist, für FDP-Wähler gehalten zu werden. «Hochzeit in Jerusalem» |