Buchcoover

«Projekt Sakkara»

von Andreas Wilhelm

 

Nachdem in den letzten Jahren bereits die abenteuerlichsten Theorien über Freimaurer, die katholische Kirche, Tempelritter und Maria Magdalena zu äußerst publikumswirksamen Bestsellern verarbeitet worden sind, gehen aktuelle Vertreter dieses nach wie vor beliebten Genres auf der Suche nach möglichst spektakulären, bisher unentdeckten «Geheimnissen» immer weiter in der Geschichte zurück. Andreas Wilhelm ist ein junger deutscher Autor, dessen Debütroman «Projekt Babylon» (2006) nicht nur in Deutschland Erfolg hatte, sondern mittlerweile schon in acht weitere europäische Sprachen übersetzt wurde. Erfrischenderweise sind die beiden Helden seines soeben erschienenen zweiten Mystery-Thrillers «Projekt Sakkara», die wir bereits aus seinem Debüt kennen, zwei ausgesprochene Skeptiker. Durch diesen intelligenten Kunstgriff werden wir als Leser zwar mit einigen absonderlichen Theorien über den Ursprung des altägyptischen Pharaonenreichs, insbesondere die angebliche göttliche Sendung Echnatons konfrontiert, können uns in unserer intuitiven Ablehnung dieser Thesen aber sofort mit der Haltung der beiden Protagonisten identifizieren, die aus deren komplementär angelegten, aber sich optimal ergänzenden Charakteren heraus gleichermaßen doppelt begründet wird: fachkundiger Archäologe und Historiker der eine, draufgängerischer Schatzsucher und Frauenheld der andere. Umso überzeugender also, als sich die beiden schließlich dem überraschenden Fortgang der Handlung selbst nicht mehr entziehen können. «Projekt Babylon» ist ein spannendes und inspirierendes Spiel mit den verschieden-artigsten Theorien über die Ursprünge der frühen Hochkulturen und deren Untergang, das sich weitgehend im Rahmen wissenschaftlich gesicherter Fakten bewegt und auch die Frage nach der Bedeutung unserer eigenen Zivilisationsleistung nicht ausspart. Erfreulicherweise bietet uns Andreas Wilhelm selbst in der mystischen Pointe seines Romans keine simplen Antworten, sondern lässt die unbequeme Erkenntnis zu, dass unser Wissen über die Vergangenheit niemals auch nur annähernd vollständig sein kann.

Florian Hunger

 

«Projekt Sakkara»
Limes, 445 Seiten
19,95 Euro

«Jüdische Zeitung», Juli 2007