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«Erinnerungen an Czernowitz»von Zvi Yavetz
Es gibt kaum eine andere Stadt in Europa, die so sehr für die Zerstörung einer funktionierenden multikulturellen, europäischen Gesellschaft im modernen Sinne durch die Nationalsozialisten steht wie Czernowitz in der Bukowina. Heute zum Staatsgebiet der Ukraine gehörend, war Czernowitz einstmals als pulsierende Metropole der östtereichisch-ungarischen Donaumonarchie Heimat vieler großer Persönlichkeiten der europäischen Geistes-geschichte: Beim Internet-Lexikon Wikipedia nimmt die Liste wichtiger «Söhne und Töchter der Stadt», die so unterschiedliche Namen wie Paul Celan, Itzik Manger, Erwin Chargaff oder Wilhelm Reich umfasst, sogar bedeutend mehr Platz ein als alle anderen Rubriken im Lexikoneintrag. Auch der israelische Althistoriker und Mitbegründer der Universität von Tel-Aviv, Zvi Yavetz, wurde 1925 hier geboren. In seinen in deutscher Sprache verfassten «Erinnerungen an Czernowitz» verbindet Yavetz auf eigenwillig-gelungene Art und Weise persönliche Erinnerungsarbeit mit faktenreicher klassischer Geschichtsschreibung letztlich zur Biographie einer Stadt am Wendepunkt. Seit 1918 gehörte Czernowitz zu Rumänien, das - überfordert durch den territorialen und ethnographisch uneinheitlichen Zuwachs - besonders seit Anfang der Dreißiger Jahre einen rigiden Prozess der Rumänisierung betrieb. Exemplarisch untersucht Yavetz deshalb in seinem Buch vor allem aus dem Blickwinkel der größten, namentlich jüdischen Bevökerungsgruppe das Jahr 1937, das dem Land Wahlen und immer offener antisemitische politische Verhältnisse bescherte. Diese führten schließlich zu einer Regierung, die Nazi-Deutschland in den Kriegsjahren als eifriger Erfüllungsgehilfe des Holocaust in Rumänien zur Hand ging. Das ganz und gar besondere an Yavetz' Buch ist die Mischung aus objektiven wissenschaftlichen Fakten zu unterschiedlichsten Aspekten der Stadtgeschichte und fast sehnsuchtsvoll Erinnertem, so dass ein beeindruckend vollständiges Bild von Czernowitz als Kulturhauptstadt entsteht, das Denken und Fühlen miteinander vereint.
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