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«Sommer mit Fremden»von Taichi YamadaWenn erfolgreiche Drehbuchautoren ihr langjähriges literarisches Genre wechseln, um einen Roman zu schreiben, kommen dabei leider allzu oft erstaunlich handlungsarme, von Melancholie und Selbstmitleid geprägte Abhandlungen über die Einsamkeit des professionellen Schreibens heraus, was angesichts ihrer erheblichen handwerklichen und dramatischen Erfahrung besonders überrascht. Taichi Yamadas dunkel-geheimnisvoller Psychokrimi «Sommer mit Fremden», der genau zwanzig Jahre auf eine Übersetzung ins Deutsche warten musste, ist da eine sehr erfreuliche Ausnahme. Zwar ist auch Yamadas Protagonist Harada Drehbuchautor, zwar hat auch jener, nach einer für ihn äußerst belastenden Scheidung, mit einer beunruhigende Ausmaße annehmenden, metropolitanen Vereinsamung zu kämpfen. Aber diese Geschichte ist mit soviel Konsequenz im Sinne einer spannenden, im besten Sinne filmreifen Handlung und einer solchen literarischen Konzentration aufs Wesentliche erzählt, dass man von einer überaus gelungenen Verbindung beider Kunstformen sprechen muss. Dabei muss dem Unterhaltungsprofi Harada irgendwann im Prozess der Entwicklung der Story klar geworden sein, dass gerade jene dunklen, der Psyche des Protagonisten entspringenden Elemente der Handlung noch wirkungsvoller in einem Buch umgesetzt werden können als in einem Film, da die Bilder, die im Leser hervorgerufen werden, so auf beunruhigende Weise abstrakt bleiben und damit umso stärker nachwirken können. Harada, der seit der Scheidung in seinem Büro lebt, scheint auf dem besten Weg, seinen Verstand zu verlieren, eines Tages meint er, seinen vor Jahrzehnten gestorbenen Eltern wiederbegegnet zu sein. Je häufiger er sie besucht, desto öfter wird er von Freunden auf seinen rapiden körperlichen Verfall angesprochen, den er selbst aber sonderbarerweise nicht wahrnehmen kann. «Sommer mit Fremden» ist der mutige und überaus gelungene Versuch, psychische Prozesse im Rahmen einer spannenden Handlung abzubilden, ein literarischer Bruder von Filmen wie «The Sixth Sense». «Sommer mit Fremden» |