Stolpersteine in Ungarn

Das Budapester Goethe-Institut übernahm Patenschaft

 

 Foto: Galeria 2B

Sándor Szinai wurde im Jahr 1917 in Budapest geboren. Der jüdische Arbeiter zog 1924 in die Ráday Straße 54, wurde dort Untermieter des Schuhmachers Ferenc Dávid und dessen Frau, die die Ein-Zimmer-Wohnung Nr. 6 im 1. Stock bewohnten. 1941 lebte Szinai noch dort. Am 5. März 1945 wurde er in Sopronbánfalva ermordet. Der Kölner Aktionskünstler Gunter Demnig hat in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren bereits über zehntausend Steine mit kleinen Messingtafelm verlegt, um so vor ihren einstigen Wohnhäusern an Opfer der Schoa zu erinnern. Am 18. Juni passte er einen Stolperstein ins Pflaster vor dem letzten frei gewählten Wohnort von Sándor Szinai ein. Für diesen Stolperstein habe das Goethe-Institut Budapest und das Café Eckermann, beide in der Ráday 58 ansässig, gemeinsam die Patenschaft übernommen. Ein paar Häuser weiter erinnert in der Ráday Utca 31/b jetzt eine ähnliche Messingtafel daran, dass einst Imre Pollák an dieser Stelle wohnte.

Demnigs Stolpersteine sind inzwischen in vielen deutschen, aber auch österreichischen und italienischen Orten zu finden. Erstmals wird diese eindrückliche Mahnmalsidee nun in einem osteuropäischen Land verwirklicht. Die öffentliche Verlegung mehrerer Steine in der Ráday-Straße stieß auf ein breites positives Medienecho, und auch der Bürgermeister des 9. Budapester Distrikts, Ferenc Gegesy, bekannte sich zu dieser Initiative. Aber es wurde auch Besorgnis laut und Verwunderung darüber geäußert, dass überhaupt eine Genehmigung erteilt wurde - Vorbehalte, wie man sie in Deutschland wohl nur aus München kennt. Die Verlegung und die begleitende Ausstellung sind Teile des deutsch-ungarischen Kooperationsprojektes «Stolpersteine in Ungarn», das getragen wird von der Galerie 2B in Budapest und dem Kölner NS-Dokumentationszentrum. Gefördert wird es von «Bipolar-deutsch-ungarische Kulturprojekte», einem Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes. Die Idee zu dem Projekt hatte die in Berlin lebende Ágnes Berger, die so auch den aktuellen antijüdischen Ressentiments begegnen will. Mit dem Projekt soll die Idee der Stolpersteine in Ungarn bekannt gemacht und ein Beitrag zu der in Ungarn bislang wenig entwickelten Erinnerungskultur geleistet werden. In den folgenden Monaten werden weitere Stolpersteine in ländlichen Regionen Ungarns verlegt. Die Ausstellung wird ab dem 27. Oktober 2007 im NS-Dokumentationszentrum im EL-DE-Haus am Appellhofplatz in Köln zu sehen sein.

 

JZ

«Jüdische Zeitung», August 2007