Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Jüdisches Leben in Bayern seit 1945Würzburger Ausstellung würdigt auch das Wirken von Senator Simon Snopkowski
Eine vor zwei Jahren erstmals im Münchener Maximilianeum gezeigte Ausstellung über «Jüdisches Leben in Bayern 1945 bis heute» ist jetzt in einer aktualisierten und erweiterten Form noch bis zum 14. August im neuen Jüdischen Gemeinde- und Kulturzentrum Shalom Europa in Würzburg zu sehen. Die von der Gesellschaft zur Förderung jüdischer Kultur und Tradition e.V. in Verbindung mit dem Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern organisierte Ausstellung zeigt Aspekte des Wiederbeginns jüdischen Lebens in Bayern nach dem Zweiten Weltkrieg. Anhand von historischem Text- und Bildmaterial wird die Neuorganisation in den sogenannten Displaced Persons-Lagern dokumentiert. Es werden Einblicke in den Neubeginn der jüdischen Gemeinden in Bayern und deren heutige Struktur, auch unter dem Aspekt der Zuwanderung aus den ehemaligen GUS-Staaten, vermittelt. Im Besonderen erinnert die Ausstellung an Simon Snopkowski sel. A., der in diesem Jahr seinen 82. Geburtstag hätte feiern können. Sein Leben war mit der Geschichte und Entwicklung jüdischen Lebens in Bayern nach 1945 aufs Engste verwoben. Als langjähriger Präsident des Landesverbandes der israelitischen Kultusgemeinden in Bayern war er Initiator des Staatsvertrages zwischen den jüdischen Gemeinden und dem Freistaat Bayern, mit dem die Existenz dieser Gemeinden für die Zukunft gesichert und der vor genau zehn Jahren in München unterzeichnet wurde. Es war eine besondere Freunde, dass der heutige Präsident des Landesverbandes, Josef Schuster, Snopkowskis Witwe für die Einführungsrede zur Ausstellungseröffnung am 9. Juli gewinnen konnte. Ilse Ruth Snopkowski ist auch Vorsitzende der Gesellschaft zur Förderung jüdischer Kultur und Tradition. Ein nicht zuletzt vor dem Hintergrund des neuen jüdischen Gemeinde- und Kulturzentrums Shalom Europa zusätzlich interessanter Blickwinkel der Ausstellung gilt dem Wiederentstehen jüdischen Lebens in Würzburg und Unterfranken nach der Schoa. Mit nur 59 Mitgliedern, nämlich 21 aus Theresienstadt zurückgekehrten Würzburgern, 19 sogenannten Displaced Persons (DPs) und einigen Angehörigen ehemaliger Landgemeinden entstand im November 1945 eine neue jüdische Gemeinde in Würzburg. Diese 59 Personen kamen teils im nur mäßig beschädigten und rasch notdürftig instandgesetzten «Landesheim», teils in der vormaligen Villa des Apothekers Max Mandelbaum unter, die seit ihrer Enteignung bis 1945 dem NS-Gauleiter von Unterfranken, Otto Hellmuth, als Wohnsitz gedient hatte. In Giebelstadt im Landskreis Würzburg bestand 1947 bis 1949 ein Lager mit etwa 1.500 bis 2.000 jüdischen DPs, die aus anderen bayerischen Lagern hier zusammengeführt wurden: nach der Auflösung dieses Lagers wanderten die meisten Insassen in die USA, nach Kanada oder Israel aus, einige wenige schlossen sich der Würzburger Gemeinde an. Die Vorsitzenden der neuen jüdischen Gemeinde von Würzburg waren - anders als in vielen anderen bayerischen Gemeinden - alte Würzburger, die die Tradition der Vorkriegsgemeinde kannten und weiterführten. Es amtierten 1945/46 Max Fechenbach, 1948 - 1956 David Rosenbaum, 1956 - 1958 Siegfried Ramsfelder, 1958 - 1996 David Schuster. Auf mehreren Schautafel werden in Text und Bild auch die weiteren Stationen des allmählich wieder erstarkenden jüdischen Lebens in Würzburg aufgezeigt: von den juristischen Auseinandersetzungen um die Nachfolgerechte am einstigen jüdischen Grundbesitz in der Stadt, der Konsolidierung der Gemeinde und die Entscheidung zum Synagogenbau, der Gründung von Dokumentationszentren und Gedenkstätten bis hin zu dem nach 1991 einsetzenden Wachstum und zum Wandel der Gemeinde im Zuge der Zuwanderung aus den ehemaligen GUS-Staaten. Die mit der Entdeckung der weltweit größten Überreste eines mittelalterlichen Friedhofs sich eröffnenden Chancen und die Herausforderung durch die Zuwanderung boten kräftige Ansätze für den Bau eines neuen Gemeindzentrums, das 2006 nach fünfjähriger Bauzeit feierlich eröffnet werden konnte. Das «Jüdische Leben in Franken heute» war Mitte Juli auch Thema einer Podiumsdiskussion mit Alexandra Golosovskaia (Würzburg), Heiner Olmer (Bamberg), Leibl Rosenberg (Nürnberg) und Josef Schuster (Würzburg), die der Münchner Historiker Michael Brenner moderierte. |