Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Die Wüste muss zurückgedrängt werden»Itzchak Ganor, der Hauptdelegierte des Jüdischen Nationalfonds, scheidet aus dem Amt
Wenn einer eine Reise macht, kann er viel erzählen, heißt es. Der dieser Tage aus dem Amt scheidende Direktor des Keren Kajemeth LeIsrael (KKL) in Deutschland, Itzchak Ganor (54), ist im Verlauf seines Lebens schon in vielen Ländern beruflich auf Reisen gewesen. Vielfältig waren seine Tätigkeiten, ob als Artillerie-Oberst der Israelischen Armee, als Militärattaché in Schweden oder als Geschäftsmann in Osteuropa. Mit viel Humor und Lebensenergie spricht Itzchak «Tzachi» Ganor von seiner Zukunft. Obwohl seine «vierte oder fünfte berufliche Karrière» noch ziemlich im Dunklen läge, «von den vielen Engagements nebenher ganz zu schweigen». Seine Arbeit für den jüdischen Nationalfonds beschreibt Ganor als «einen 24-Stunden-Job, bei dem man mit dem Herzen dabei sein muss», derart umfangreich sei das Netzwerk des KKL geworden. Der KKL ist zuständig für alle Wälder in Israel. Ein Drittel der urbanen Fläche Israels ist in seinem Grundbesitz. Hauptsitz des KKL ist in Jerusalem. In Deutschland gibt es vier Filialen. Die deutsche KKL-Zentrale ist in Düsseldorf beheimatet und über das Internet unter www.jnf-kkl.de erreichbar. Auf die Frage, ob Tzachi Ganor mit Wehmut aus dem Amt scheide, konstatiert er: «Keiner ist in einem Amt unersetzlich, wenn es weiterlaufen soll, ich bin vielmehr froh und auch erleichtert, dass es bereits einen Nachfolger für mich gibt, der offiziell noch benannt wird». Den Namen könne er noch nicht verraten. «Im September oder Anfang Oktober» werde der neue Mann an der Spitze der Organisation in Deutschland durch KKL-Jerusalem bekanntgegeben. «Soviel kann ich sagen, er lebt heute in Israel, war zuvor in Österreich und Deutschland tätig und spricht viel besser Deutsch als ich», schmunzelt Ganor, der sich selbst mit einem Lächeln im Blick wiederholt als «KKL-Soldat» oder «Baum-Soldat» betitelt. Befragt, was für ihn persönlich die beste und schlechteste Leistung im Rahmen des Jüdischen Nationalfonds hierzulande war, kommt der militärisch gedrillte Geschäftsmann in ihm durch. Es sei da wie «mit Leistungen in der Mathematik, entweder hast du es geschafft oder nicht». Seine erste Aufgabe bestand darin, «soviel Geld wie möglich nach Israel zu überweisen, veraltete Strukturen abzuspecken und Gelder beispielsweise nicht für einen aufgeblähten Verwaltungsapparat hier in Deutschland zu binden. Entlassungen von zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern folgten, leider, was aber im Sinne des KKL geschah, um effektiver auch in Zukunft zu funktionieren». Dadurch und durch «gezieltere Verhandlungen gelang es mir, das Finanzvolumen des KKL, das insbesondere für Aufforstungsprojekte in Israel benötigt wird, von Deutschland aus erheblich zu steigern». Warum das weiterhin nötig ist und weshalb er sich als einen «KKL-Soldaten» bezeichnet, liegt für Ganor auf der Hand. Mehr als die Hälfte des Landes Israel besteht nach wie vor aus Wüste. Es gilt «daran zu erinnern», so Ganor, dass die großen Waldbrände im Sommer letzten Jahres im Oberen Galiläa keineswegs natürlichen Ursprungs waren, sondern durch Raketenbeschuss entstanden. Für den «Wald der deutschen Länder», nördlich von Beer Scheva, schlägt Ganors militärisches Herz in besonderem Maße, da südlich davon «nur Wüste ist». Und die müsse «zurückgedrängt werden, gerade wenn wir an eines der globalen Megaprobleme unserer Zukunft denken: der Mangel an natürlichen Wasserressourcen.» Vieles sei für Ganors Nachfolger diesbezüglich noch zu tun, denn die Zusammenarbeit des KKL in Deutschland mit den Bundesländern «im ehemaligen Ostdeutschland» sei unbedingt noch zu verbessern, beklagt der scheidende KKL-Direktor. Tzachi Ganor wird mit seiner Frau nach Israel zurückkehren. «Jetzt, wo ich die Zeit habe, gemeinsam mit meiner Frau mich in Israel vorort um unsere beiden Söhne zu kümmern, die beide ihre militärische Offizierslaufbahn beginnen, werde ich erstmal genau das mit größtem Interesse fördern und begleiten. Ausgerechnet in diesem Monat beginnt das Schmitta-Jahr 5768. Ich empfinde das als eine schöne Fügung. Wenn somit die Natur in Israel, wie üblich im Turnus von sieben Jahren und gemäß des 3. Buchs Moses, jetzt ihr Ruhe-Jahr bekommen wird, werden natürlich auch keine neuen KKL-Bäume ausgesät, um die Mitzwah für die Natur zu befolgen». Natürlich werde sich der KKL um alle übrigen bereits vorhandenen Baumbestände weiter kümmern. Itzchak Ganor scheidet mit einem Lachen aus dem Amt: «Der Lebensbaum von Tzachi Ganor wird nach sechs Jahren für den KKL somit auch in einem siebten Jahr zu den Wurzeln seiner Heimat zurückkehren, im wahrsten Sinn des Wortes.» |