Die Band Funk´n´Stein Foto: Promo

«Eine musikalische Brücke für Deutschland»

Zum ersten Mal in Deutschland: Die israelische Band Funk’n’Stein stellt sich vor

 

«In ihrer Heimat Israel haben sich die acht Mitglieder der Funk-Soul-Band Funk'n'Stein längst einen Namen erspielt. Und das liegt nicht etwa daran, dass das deutsche Wörtchen «Stein» in Israel mitunter wie Sand im Getriebe der deutsch-englischen Namensmixtur wirkt. Will heißen, für Israelis etwas holprig auszusprechen ist. Obgleich Saxophonist Shlomi Alon noch heute, acht Jahre nach der Bandgründung in Tel Aviv, von Fans mitunter zu hören bekommt, «ach, ihr seid das, die mit dem komischen deutschen Namen». Musikalisch sehen sich Funk'n'Stein in der Tradition von Künstlern wie James Brown, George Clinton oder «Sly and The Family Stone». Aber darüber mag Sänger Elran Dekel eigentlich gar nicht reden. Die Musik spreche ohnehin für sich selbst. Die Erfolge seiner Musiktruppe in Israel geben ihm da auf jeden Fall recht.

Elran wie auch sein Mitstreiter Shlomi und einige weitere Bandmitglieder haben zum Teil familiäre Wurzeln in Deutschland und Polen und waren privat oder als Musiker hierzulande bereits unterwegs. Was Elran wirklich nervt, das seien «die in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern» ihnen gegenüber immer wieder geäußerten Fragen, «wie wir so unpolitisch auftreten können, obwohl in Israel doch an jeder Hausecke oder Bushaltestelle jeden Moment eine Bombe hochgehen könne». Manchmal bekommen Funk'n'Stein derartige Fragen auch auf die bandeigene Internet-Seite geschickt. Solche Schematisierungen gerade von deutscher Seite können jemanden wie Elran Dekel auch schon deshalb aufregen, weil dahinter stereotype Verballhornungen mit im Spiel seien. «Ich und beispielsweise Shlomi, wir leben hier in Israel wie ganz normale junge Menschen, wir sind mit dem Tourbus unterwegs, ohne dass uns bislang etwas Schlimmes passiert wäre», unterstreicht Elran. «Nicht, dass wir das Deutschland von Heute mit dem Deutschland zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in Verbindung bringen wollen», fügt Shlomi hinzu, «nichts liegt uns ferner, Deutschland hat doch inzwischen seine Lektion in vielerlei Hinsicht gelernt, doch damals hieß es über Juden, die sind so und so, jetzt sollen wir uns wieder fremdbestimmt identifizieren als junge Israelis und Musiker, die sich gefälligst so und so fühlen sollen, nämlich als permanent Verhuschte und Verfolgte im eigenen Land, und das ist so nicht, auch wenn das Bedrohungspotential für Israel groß ist».

In einen ihrer Songs («War & Pain») des aktuellen Albums «Funk'n'Stein The Band» kann man zwar jenen Anteil israelischer Wirklichkeit hineininterpretieren, auf den Shlomi mit dem «Bedrohungspotential» anspielt. Und tatsächlich, so erzählen die Bandmitglieder, darf man genau das auch in dem Songtext lesen. In besagtem Funktrack heißt es: «War and pain is what we live in...no time for games, no time for love, all you see is blood...». Im Frühjahr 2005 arbeiteten Funk'n'Stein vor allem im Norden Israels und im Kibbuz Ma'oz Hayim. Die Bedrohungen durch Raketen, die gegen die nördlichen Regionen zielten, könne man als einen Aspekt dieses Liedes betrachten. «Aber eben nicht nur», beteuert Elran. «Auch in Deutschland gibt es schließlich Terrorbedrohungen nach Innen, Ausländerfeindlichkeit und Anschläge, worüber wir auch hier in Israel lesen, und ich denke dann, dass im relativ friedlichen Deutschland die Auswirkungen globaler Terrorbedrohungen noch viel mehr im Verborgenen da sind, als es den Anschein hat», vermutet Shlomi, der mit einer anderen Band aus Israel vor einem halben Jahr schon mal auf deutschen Konzertbühnen auftrat und sogar mit seiner eigenen Gruppe Hadag Nachasch auf Hebräisch sang, «ohne dass wir in irgendeinerweise deswegen schlecht behandelt oder bedroht wurden».

Ganz bewusst kommen Funk'n'Stein als israelische Band auch deswegen nach Deutschland, um Momente der Begegnung in Deutschland zu schaffen, «in denen jede Art von Feindbildern» verschwinden soll. Als Idealisten wollen Elran und Shlomi natürlich nicht betrachtet werden. Sie wissen einfach aus eigenen Erfahrungen, wie kostbar das tägliche Leben ist und wie schnell der Tod zuschlagen kann, «das ist hier in Israel aus verschiedenen Gründen wohl bedrohlicher zu nennen, aber wir sollten sehen, dass es das tägliche, normale Leben in Israel gibt, anders als in Deutschland, ja, aber der Tod durch Terror und gerade auch der Tod im Alltag ist doch überall derselbe Tod».

Die Anspielung auf diese vergleichende Schilderung basiert wiederum auf einer Grundhaltung der Band, auf die man so ohne weiteres wirklich nicht kommen würde. Das sehen Elran und Shlomi nach ihren ersten Kontakten mit deutschsprachigen Fans in Israel inzwischen ein. Der Name sei nun mal so gewählt und die Anspielung auf die Figur des künstlichen Menschen Frankenstein stand vor acht Jahren zur Debatte. Heute interpretieren Funk'n'Stein ihren Namen noch mal anders: «Mit Steinen kann man werfen und töten, mit Steinen baut man aber auch auf, wie es in der Bibel geschildert wird», belehrt Elran und erinnert sich an seine Zeit im nordisraelischen Kibbuz Ma'oz Hayim. «Lasst uns mit den Steinen unserer Funkmusik beginnen, eine musikalische Brücke für Deutschland zu bauen, um Gräben von gegenseitigen Vorurteilen zu überwinden».

Funk'n'Stein, das unterstreicht Elran mit Entschlossenheit, wollen dabei keinesfalls als eine Band mit großem politischen und gesellschaftskritischen Sendungsbewusstsein abgestempelt werden. «Wenn du Musik machst, dann solltest du zuallerst im Namen der Musik auftreten, genau das wollen wir bei unserer ersten kleinen Deutschlandtournee auch tun, auf der Basis, dass wir als Teil der jungen israelischen Generation angesehen werden und dem Teil der deutschen Generation begegnen, der offenherzig genug sein kann, um uns gegenseitig in der Begegnung wenigstens für eine Zeitlang nicht an Krieg und Schmerz («War & Pain») zu erinnern». Als eine der ersten Funkbands in Israel arbeiten sie derzeit daran, ein umfangreiches Netzwerk zwischen israelischen Bands und der Friedensbewegung in Deutschland aufzubauen. Im Zusammenhang deutsch-israelischer Kulturbeziehungen wird man von der Band «mit dem komischen deutschen Namen» in Zukunft auch hierzulande noch verstärkt etwas zu hören bekommen.

Frank König

«Jüdische Zeitung», September 2007