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Vorstandswahlen in HamburgKommt die jüdische Gemeinde endlich zur Ruhe?
Nach jahrelangen Querelen mit dem Vorstand, vor allem mit dem bisherigen Vorsitzenden Andreas C. Wankum, nach Austritten und Abwanderungen vieler Gemeindemitglieder in die Umlandgemeinden wurden jetzt - ebenfalls nach monatelangen Machtkämpfen - ein neuer fünfköpfiger Vorstand und ein neuer Beirat mit 15 Mitgliedern gewählt. Der neue Vorstands-Vorsitzende ist Ruben Herzberg (56). Der Leiter der renommierten Hamburger Ganztagsschule «Klosterschule» übernimmt mit seinem Vorstand ein fast brachliegendes Gemeindeleben und einen desolaten Haushalt. Einziger Lichtpunkt: In allerletzter Minute wurde die Eröffnung der Joseph-Carlebach-Grundschule in der Hamburger Talmud-Tora-Schule am 28. August von der Hamburger Schulbehörde genehmigt. «Der alte Vorstand wurde bereits am 6. Juli von der Hamburger Schulbehörde aufgefordert, die Namensliste der Schüler und der Lehrer zu nennen», sagte Herzberg. Doch erst vier Tage vor der Schuleröffnung hat Schulleiter Heinz Hibbeler die Liste der Schulbehörde persönlich überreicht. «Herr Herzberg wollte die Schule mit allen Mitteln verhindern», wirft Wankum seinem Nachfolger vor. Herzberg aber freut sich: «Es ist ein historischer Einschnitt, dass die Schule wieder in die Talmud-Tora-Schule am Grindelhof zurückkehrt.» Der alte Vorstand hatte nach Aussage Wankums, der auch für die CDU in der Hamburger Bürgerschaft sitzt, ein Kuratorium mit dem Hamburger Landesrabbiner Dov-Levy Barsilay, dem Chabad-Lubawitsch-Rabbiner Shlomo Bistritzky und Gemeindemitglied Ruven Dreiblatt für die Grundschule bestimmt. «Das Kuratorium hat keinerlei Handlungsbefugnis», so Herzberg. «Für die Schule ist jetzt der neue Vorstand verantwortlich», weiß auch Schulleiter Hibbeler, der noch eine andere Hamburger Schule leitet und für 20 Prozent seiner Arbeitszeit für die jüdische Grundschule abgestellt worden ist. «Wir müssen jetzt Ruhe in die Gemeinde bringen», sagt Herzberg. Als zweites sei ein Kassensturz dringlich. «Außerdem wollen wir die Bereitschaft der Mitglieder zur aktiven Mitarbeit wieder fördern, denn die war in den letzten Jahren unerwünscht», so Herzberg weiter. Viele Mitglieder seien ausgetreten oder hätten sich zurückgezogen, weil sie stark enttäuscht gewesen seien, dass ihre Professionalität vom Vorstand nicht mehr gefragt gewesen sei. «Die Jüdische Gemeinde Hamburg soll wieder zur Heimat für alle Juden dieser Stadt werden», so der verheiratete Vater zweier erwachsener Söhne. «Ehrenamtliche Arbeit war nicht mehr erwünscht, stattdessen wurden teure Honorarverträge abgeschlossen», wirft Herzberg dem alten Vorstand vor. Gebildet werden sollen als erstes ein Finanzausschuss, ein Kulturausschuss und ein Ausschuss zur Förderung der Integration der Zuwanderer. Für die Kultur will sich die neu gewählte zweite Vorsitzende Karin Feingold (59) einsetzen. «Die Kultur liegt brach. Wir müssen vor allem einen Austausch mit den Kulturen der Zuwanderer und damit das Verständnis füreinander fördern», sagt die Bibliothekarin. Außerdem müsse die jüdische Kultur nach außen getragen werden. «Das Interesse von Nichtjuden an jüdischer Kultur ist sehr groß», sagt Feingold. Zuerst sei aber Klarheit im Finanzhaushalt notwendig. «Wir müssen eine neue Struktur in Verwaltung und Finanzen bringen, beides effizienter gestalten und Einspar-Potentiale ausfindig machen», sagt Marcel Kluckow (26). Der BWL-Student, gebürtige Hamburger und zweite Vorsitzende des neuen Beirats sagt weiter: «Wir wollen den Schuldenberg abtragen und die Ursachen für die Schulden ausfindig machen.» |