Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Kochav Nolad!»Mit Eric Berman gelingt Israel endlich wieder eine lohnenswerte musikalische Neuentdeckung
Die israelische Pop- und Rockmusikszene, die in den 80er und 90er Jahren eine eigene, gleichsam vielfältige Musiksprache entwickelt hatte, verflachte in den vergangenen Jahren und bot überwiegend konfektionierten Mainstream. Maßgeblich dazu beigetragen hat die populäre Castingshow «Kochav Nolad» («A Star Is Born», israelisches Pendant zu DSDS), die bereits in der fünften Staffel mediengerechte Popsternchen mit kurzer Halbwertzeit und zumeist belanglosem musikalischen Output hervorbringt. Dass Qualität sich letztlich aber dennoch durchsetzt, stellt der Musiker Eric Berman mit seiner aus den sonstigen Veröffentlichungen des Jahres herausragenden CD eindrucksvoll unter Beweis. Auf seinem viel beachteten Erstlingswerk demonstriert der Sänger, Multiinstrumentalist, Songschreiber und Komponist eine musikalische Reife, die verblüfft; «Kochav Nolad» - hier trifft es zu! Eric Berman, geboren am 11. September 1979 in Tel Aviv, begann mit 16 Jahren sich das Spielen von Gitarre und Klavier selbstständig anzueignen. Nach seinem Militärdienst studierte er an der «Rimon - School of Jazz and Contemporary Music», wo er insbesondere seine Fertigkeiten in Komposition und im Schreiben von Texten entwickelte. Dort traf er auch mit dem renommierten Musiker Moshe Levi zusammen, der seine weitere musikalische Ausbildung förderte und ihm im Studio als Produzent zur Seite stand. Kurz nachdem die Aufnahmen für das erste Album im Frühjahr 2006 abgeschlossen waren nahm die Plattenfirma NMC den jungen Künstler unter Vertrag. Schon zuvor hatte die Verwendung seines Songs «Shaar 6», als Titelthema von Emmanuel Rosens Fußball TV-Show «Shigaon Ha-Kaduregel», für erste Aufmerksamkeit gesorgt. Im Sommer 2006 wurde die Single «Ma Od Bikasht» («Was kannst Du mehr verlangen») mit großem Erfolg veröffentlicht. Die zweite Single «Hametukot Ha'Achronot» («Die letzten Schätzchen») wurde fast zu einer Hymne einer schnell wachsenden Fangemeinde - nicht zuletzt wegen ihres provozierenden Textes über einen Frauen beleidigenden Chauvinisten (der zu einem Boykott des Titel durch den Radiosender Reshet Gimmel führte). Das schlicht «Eric Berman I» betitelte Debütalbum kam am 1. Januar 2007 auf den Markt und wurde von der Presse («Etwas so Gutes wie Eric Berman passiert in der israelischen Musik nur einmal alle paar Jahre» meinte etwa die Tageszeitung Yediot Aharonot) und vom Publikum gleichermaßen gefeiert. Drei weitere Singles wurden ausgekoppelt, «Yom Hadash Nifla» («Ein wundervoller neuer Tag»), «Joni» und «Beinonimi», die alle zusammen vordere Chartplatzierungen belegten. Bermans Musik zeichnet eine seltene Verbindung von Komplexität und Eingängigkeit aus. Zwingende Melodien, die auf Grund ihrer Raffinesse auch bei mehrmaligem Hören nichts von ihrem Zauber verlieren. Originelle Arrangements und deren inspirierte Umsetzung durch Udi Krauss (Schlagzeug und Percussion), Eyal Heller (Klavier, Akustische Gitarre), Dekel Tuvia (Bass), Avner Klamer (Geige) und Maja Blasizman (Cello), verleihen jedem der 14 Titel eine eigene Atmosphäre. Eric Berman ist unter der feinfühligen Produktion seines Kreativpartners Moshe Levi, der auch für Keyboards und elektrische Gitarre verantwortlich zeichnet, ein Album aus einem Guss gelungen. Ohne die üblichen Füll- und Verlegenheitsnummern hält es über 57 Minuten die Spannung. Dazu tragen neben der organisch aufspielenden Band auch zahlreiche Gastmusiker bei. Mit Waldhorn, Posaune, Querflöte, Moog Synthesizer und Slide-Gitarre (Peter Roth!) setzen sie abwechslungsreiche musikalische Akzente. Bermans variationsreich modulierende Stimme - mal einschmeichelnd gefühlvoll, mal sympathisch verschmitzt - trägt die Lieder mit entspannter Souveränität und verleiht jedem Stück die passende Atmosphäre. Neben der Komposition der Musik hat Berman alle Texte der 14 Songs geschrieben. Seine raffiniert gesetzte Lyrik lohnt den Blick in das CD-Booklet. Erst beim Nachlesen erschließen sich alle Facetten der mit Esprit erzählten und mit viel hintergründigem Humor durchsetzten Geschichten, in denen er kleine, oft absurde, satirisch überzeichnete Alltagssituationen beschreibt. Aber auch wer Hebräisch nicht versteht, wird an dieser CD seine Freude haben. Die Musik spricht ihre eigene Sprache, ist kraftvoll und ausdrucksstark. Die stilistische Bandbreite umfasst intimen Balladen, Pop, Rock und streift gelegentlich auch Bereiche von Blues und Jazz. Da verwundert es nicht, dass Berman so unterschiedliche Künstler wie Leonard Cohen, Bob Dylan, Tom Waits, Nick Cave und Mozart als seine musikalischen Vorbilder bezeichnet. Neben zahlreichen Konzerten seiner Band und Gastauftritten bei etablierten Kollegen findet Berman auch Zeit Songs für andere Nachwuchsmusiker, darunter Aya Korem, Efrat Gosh und Miri Mesika, zu schreiben. Berman hat noch viel vor - und wir können uns auf weiteren kreativen Output dieses talentierten Musikers freuen! |