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Zwei vollkommen getrennte Welten

 

Unterschiedlicher könnten die Bilder, die uns dieser Tage erreichen, kaum sein: Während im Weltsaal des Auswärtigen Amtes in Berlin eine glamouröse Vorstellung des «jordanisch-palästinensisch-israelischen Zentrums für Europäische Studien» über die Bühne ging, kündigten im davon offensichtlich weit entfernten Nahen Osten jüdische Siedler an, zu Sukkot fünf neue Niederlassungen in Judäa und Samaria gründen zu wollen. Die israelische Polizei reagierte prompt und nahm drei Aktivisten fest. Orangefarbene Hüte, T-Shirts und Autoaufkleber, die für einen weiteren Siedlungsausbau werben, wurden konfisziert. Die medienwirksame Landnahme fand dennoch statt.

«Junge Menschen, die gemeinsam in einer Bibliothek gesessen haben, werden niemals aufeinander schießen», hieß es bei der Berliner Gala, bei der der jordanische Prinz El Hassan bin Talal zu Recht als «einer der mutigsten Friedensstifter im Nahen Osten» gewürdigt wurde. Schöne Worte! Ebenso wie jene, die bereits Mitte September in München beim «Freundeskreis des Shimon Peres Center for Peace» gefallen waren. Genau genommen wurde das «Deutsche Komitee The Peres Center for Peace e.V.» aber schon 1999 gegründet. Das wirft die Frage auf, welche Strahlkraft derartige Events in Berlin oder München mit Blick auf den Friedensprozess überhaupt haben können.

Beim israelischen Rückzug aus dem Gazastreifen ging es im Jahr 2005 um gerade einmal 9.000 Siedler. Ihre Zukunft ist in vielen Fällen ungeklärt, ihre Frustration verständlich. In der Westbank geht es jetzt aber um eine ganz andere Größenordnung. Niemand zweifelt am guten Willen der israelischen Regierung, zumal die Freilassung von palästinensischen Gefangenen zum Ende des Ramadans eine rundum positive Geste darstellte. Aber große Gesten reichen nicht, einseitige schon gar nicht. Wenn auf der einen Seite Siedler unbeirrt Fakten schaffen und andererseits die Hamas weiterhin das Existenzrecht Israels ablehnt.

International bekannte israelische Schriftsteller wie Amos Oz und David Grossmann haben im September ihre Regierung aufgefordert, mit der Hamas über einen Waffenstillstand zu verhandeln. Ein Aufruf, den der Sprecher des Außenministeriums, Mark Regev, bereist zurückgewiesen hat: Israel verhandele nicht mit Radikalen. Bleibt zu hoffen, dass man in Jerusalem in der Lage sein wird, wenigstens die radikalen Siedler langfristig zur Räson zu bringen.

 

 

 

«Jüdische Zeitung», Oktober 2007