Medizinisch albern

Mit «Medical Clowning» macht die Universität Haifa Lachen zur Medizin

 

HAIFA - Lachen ist die beste Medizin – das ist lange bekannt. Jung ist die akademische Ausbildung dazu. Vor kurzem haben neunzehn Studenten ihr erstes Semester im Studiengang «medical clowning» am Theaterinstitut der Universität Haifa abgeschlossen. Nach weiteren drei Semestern werden sie einen Bachelor für «Medizinisch albern« in der Tasche haben. Sie sind bereits ausgebildete Clowns, der akademische Grad soll ihnen vermitteln, was sie an der Schauspielschule bisher nicht lernten: die besondere Beziehung zwischen Pflegenden und Patienten, die psychologische Situation von schmerzgeplagten Menschen. Mit Professor Yoram Carmeli lehrt ein Soziologe mit Clownerfahrung. Er möchte die Studenten zu besseren «medizinischen Clowns» machen. Sie sprechen Hebräisch, Arabisch, Englisch, manche auch Russisch und manche alles zusammen. Das wird ihnen helfen beim Umgang mit den Patienten in israelischen Kliniken. Denn die Absolventen werden ausschließlich junge und ältere Patienten in Krankenhäusern aufmuntern, Ärzte bei der Visite begleiten und veralbern, dem Krankenhausalltag so den Schrecken nehmen und ein wenig für Ablenkung sorgen. Ihre regelmäßigen «Visiten» sollen vor allem Langzeitpatienten die schwere Krankenhauszeit erleichtern. Das hilft vor allem den Kindern, denn die „Lachmacher» fördern den Heilungsprozess. In Deutschland noch unbekannt, werden die «medizinischen Clowns» zum Beispiel in den USA, Kanada oder Israel schon seit den achtziger Jahren in Krankenhäusern eingesetzt. Meist verzichten sie auf die Utensilien herkömmlicher Clownerie, auf starkes Make-up beispielsweise, versuchen vielmehr auf den Patienten einzugehen. Lachen ist gesund, so referiert die deutsche Medical Tribune: Beim Lachen bilden sich im Körper Glück bringende Endorphine, das Immunsystem wird gestärkt. Lachen mindert den Stress, entspannt, es fördert das richtige Atmen. Die unter dem Zwerchfell liegenden Organe werden regelrecht massiert und dadurch auch die Verdauung gefördert. Dazu nimmt der Körper beim Lachen mehr Sauerstoff auf, die Schmerzempfindlichkeit sinkt, eventuell wirkt Lachen entzündungshemmend.

In New York begann eine Gruppe professioneller Clowns 1986, organisiert als «The Big Apple Circus Clown Care Unit» als Klinikclowns zu arbeiten. Bald alberten ihre Kollegen in weiteren Staaten und Kontinenten, in Australien zum Beispiel. Mittlerweile haben sich rivalisierende Schulen der Klinik-Clownerie herausgebildet. Die nach ihrem Begründer Patch Adams genannte Richtung konzentriert sich auf die Unterhaltung des Patienten. Die Theodora-Schule hingegen, nach der sich der Studiengang in Haifa richtet, sieht den Clown als ergänzenden Gehilfen von Ärzten und Schwestern. Hier und da gab es Clowndoktor-Kurse und -programme, jedoch keine offiziell anerkannten Qualifikationen oder Abschlüsse. Meist arbeiteten die Lachkünstler freiberuflich auf unregelmäßiger Basis. Wie die «Dream Doctors», ein 39-köpfiges Team von Klinik-Clowns in Israel, werden «medical clowns» meist von Stiftungen unterstützt. Die Studiengebühren von 3.299 Dollar pro Semester für das Studium der Clownerie an der Universität in Haifa trägt bisher ebenfalls eine Stiftung. Nun soll der Bachelor in «medical clowning» mehr Anerkennung für die Entertainer in Krankenhäusern (und auch Altenheimen) bringen. Ein wenig ist er Lobbyarbeit der Klinikclownerie: das staatliche Gesundheitssystem und Krankenkassen sollen diese als Teil der medizinischen Behandlung und Clowns als festes Krankenhauspersonal anerkennen. «Obwohl die Krankenhäuser die Wichtigkeit der Klinikclowns verstehen, tut es das Gesundheitssystem bisher nicht». meint einer der Studenten in Haifa. Dennoch erfreut sich der Studiengang seit Beginn wachsender Popularität und soll gar zu einem Masterstudiengang zu «Unterhaltungstherapie» ausgebaut werden.

Seit Beginn der Neunziger gibt es auch in europäischen Kinderkrankenhäusern und Altenheimen Clowndoktoren, Klinikclowns und Clownsvisiten, so informiert der Dachverband Clowns für Kinder im Krankenhaus Deutschland, der sogar einen Ethik-Code für die Mitglieder aufgestellt hat. Diesen scheinen bisher wenige zu erfüllen, ganze vier Organisationen vereint der Verband, darunter die Clowndoktoren in Wiesbaden, die KlinikClowns in Freising oder die Clownvisite in Schwerte. Klinikclownerie steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen statt in vielen Kinderkliniken. Aktionen wie «Tage des Lachens», ein Pilotprojekt an Münchner Kinderkliniken und -stationen im vergangenen Sommer, sind selten. In diesem Jahr allerdings sollen die «Tage des Lachens» durch vier größere deutsche Städte touren.

Rada Markovic

«Jüdische Zeitung», März 2007