Lexikon

Stichwort «Cheschwan»

Der Monat Cheschwan hat etwas Einzigartiges gegenüber den elf anderen Monaten des jüdischen Kalenders: Er besitzt keinen einzigen Fest- oder Fastentag und wird deshalb auch «Mar-Cheschwan», der bittere Cheschwan, genannt. Der häufige und heftige Regen, der in Eretz Israel in dieser Zeit einsetzt, könnte der Grund für die Namensgebung sein. Die Bezeichnung für «Tropfen» im biblischen Hebräisch ist nämlich «Mar».

Im Mar-Cheschwan fanden zwei bedeutende Ereignisse der jüdischen Geschichte statt. Die Sinnflut, die einst am 7. Cheschwan begann, und die Vollendung des Ersten Tempels durch König Salomon, dessen Einweihung jedoch erst zu Rosch Haschana im nächsten Jahr geschah. Die jüdische traditionelle Überlieferung lehrt, dass der Monat Cheschwan in der messianischen Zeit einen eigenen Feiertag bekommt und somit von Gott entschädigt wird.

In Eretz Israel gibt es im Monat Cheschwan eine liturgische Veränderung: in das 18-Bitten-Gebet wird die Bitte nach Tau und Regen eingefügt. Einige weitere nennenswerte Ereignisse, die mit dem Monat Cheschwan zusammenhängen, sollten erwähnt werden: der 5. Cheschwan, der als der Todestag unserer Stammmutter Rachel gilt, der 12. Cheschwan als Todestag des israelischen Premierministers Yitzhak Rabin sowie der 17. Cheschwan, der Tag, an dem 1917 die wegweisende Balfour Declaration verabschiedet wurde.

Dass der Monat Cheschwan keinen Festtag hat, ist eigentlich nicht ganz richtig... Am 29. Cheschwan feiern nämlich die Beta Israel, die äthiopische Juden, ihren «Sigd»-Feiertag. Dieser Feiertag erinnert an die Gabe der Tora am Sinai. Mitglieder der äthio-pischen Gemeinde in Israel unternehmen dann meist eine Pilgerreise nach Jerusalem, wo sie das Fasten brechen, einen Gottesdienst abhalten und schließlich ein großes Fest veranstalten.

 

 

Konstantin Pal

«Jüdische Zeitung», Oktober 2007