Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() UnterhosenverbrennungWie Orthodoxe mit Aufreizendem aufräumen
JERUSALEM Nachdem die orthodoxen Rabbiner den Israelis erfolgreich beigebracht haben, wie man sich richtig ernährt, heiratet, sich scheiden lässt, wie man stirbt und samstags faulenzt, beschäftigen sie sich nun mit der jüdischen Garderobe. Denn wie der Klassiker (wenn auch nicht der «koscherste») sagt: Am Menschen muss einfach alles schön sein - von der Seele bis zur Kleidung. Die Gedanken müssen übrigens ebenfalls schön sein. Genau jenen folgten auch die ultraorthodoxen Rabbiner, als sie das Volk auf dem großstädtischen Platz des Sabbats (Kikar ha-Shabbat) am 26. Januar zusammenriefen. Ein Mensch, der hier zufällig gelandet wäre, hätte in der Tat denken können, er befinde sich bei einem Autodafé im mittelalterlichen Spanien. Allerdings wurde anstatt der Ketzer, Hexen und Apostaten in dem zentral gelegenen Feuer Frauenkleidung verbrannt. Genauer gesagt: alle möglichen Teile, die auf Grund unkeuscher Formen und aufreizendem Anblick auf die schwarze Liste geraten sind. Eine öffentliche Verbrennung fand unter Verdammung, Beschwörung und Gebeten statt. Sowie die untertänigen Bitten an Gott, den israelischen Frauen, die bereits in die Schlucht der Unzucht rollen, das Böse auszutreiben und sie zu Verstand zu bringen. Damit sich das Volk anschaulich zu Eigen macht, was die richtige Jüdin tragen darf und was nicht, wurden von den Tribünen «vorschriftswidrige» Accessoires geworfen und sogleich an das Feuer übergeben. Dem Enthusiasmus der Veranstalter des «Kleidungsgerichts» nach zu urteilen, regten sie sich am heftigsten über Unterwäsche auf. Wie folgt: Unterhosen aus Lycra-Stoff, Rüschen-BHs und Strings. Die Kleidung, die an das Feuer übergeben wurde, war übrigens nicht den Sünderinnen abgenommen worden, die in «Massagezentren» vorbeikamen und auch nicht den Freigeistigen, die Romantik für eine Nacht suchen. Sie wurde einfach aus den Schränken der durchaus religiösen Bewohnerinnen von Mea-Shearim - einem ultraorthodoxen Viertel in Jerusalem - entwendet. Die Frauen haben gern in ihren Kleiderschränken gewühlt und gaben die als «unkoscher» erklärten Klamotten zum Zerfleischen ab. Denn anstatt des beschlagnahmten Elend, haben sie Gutscheine für den Kleidungskauf in den richtigen, vom Rabbinat genehmigten Geschäften bekommen. Für besonders begriffsstutzige Damen, die der Anweisung nicht folgen, haben die Bescheidenheitshüter Hunderte von Poster anfertigen lassen und sie dann im ganzen Stadtzentrum aufgehängt. Große Buchstaben fordern von den Bürgerinnen, auf ihr Äußeres zu achten und keinesfalls folgende Gegenstände zu tragen: - enge T-Shirts, Agitationsarbeit wird von den Orthodoxen nicht nur unter Frauen, sondern auch bei den Ladeninhabern geleistet. Vor ein paar Monaten haben diese ein lukratives Angebot erhalten: Wer die unerwünschte Ware aussortiert, bekommt allerlei Rechte und eine besondere Lizenz. Da sich viele Boutiqueinhaber vor dem Rabbinerzorn fürchteten, nahmen sie den Vorschlag an. Jedoch gab es auch welche, die stur geblieben sind. Sie dachten, dass es für sie keinen Gewinn bringen wird. Und haben sich geirrt! Die Orthodoxen, bewaffnet mit Stöcken und Flaschen mit Chlorlösung, fingen an, planmäßig Hauptstadtgeschäfte und Kleiderläden in der Stadt Bnei Brak, wo die Sitten nicht weniger streng sind, als in Jerusalem, zu überfallen. Der verursachte Schaden beläuft sich auf mehrere Tausend Schekel. Frauen haben nun Angst einzukaufen, weil sie nicht angegriffen werden wollen. Und so geht es nicht nur den unreligiösen, sondern auch recht gläubigen Frauen, die überhaupt nicht verstehen können, wieso denn die Tora-Weisen ihre Perücken und Blusen nicht mögen. Dieses Fotoalbum berichtet über die Austreibung der bösen Kleider in Jerusalem und zeigt einige Beispiele «unkoscherer» Damengarderobe, wenn auch die unter den Röcken versteckt sind, aber dem wachsamen Auge der Bescheidenheitswächter nicht entgehen können. |