Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Nichtvordemkind!»von András Nyerges
Wie gestaltet sich das familiäre Zusammenleben, wenn Denunzianten und Verfolgte in Zeiten der Not unter einem Dach leben müssen? Vor fünf Jahren veröffentlichte der ungarische Dichter und Schriftsteller András Nyerges seine außergewöhnlich lesenswerten frühen Kindheitserinnerungen an das Kriegsjahr 1944 und löste mit der darin beschriebenen Atmosphäre eines ungarischen Antisemitismus in seiner Heimat eine lebhafte und lang anhaltende öffentliche Diskussion über Schuld und Verdrängung aus. 1940 als einziges Kind eines armen ungarischen Musikers und einer jüdischen Tänzerin geboren, waren Nyerges erste Lebensjahre von der Not des Kriegs überschattet. Dominiert wird die junge Familie von der bei ihnen lebenden Mutter seines Vaters, einer angesichts ihres Alters erstaunlich unreif sich gebärdenden, verbitterten alten Frau, die dem Kind eine erhabene Erwachsenenwelt vorgaukelt, die sich aber letztendlich als um ein vieles kindischer, weil verlogener und lediglich aus egoistischen Motiven zusammengepuzzelt, erweist als es sich ein Kind vorzustellen vermag. Aber gerade diese unbequeme Wahrheit gilt es vor dem aufgeweckten Jungen zu verbergen: «Nichtvordemkind!» ist die Devise, wenn die Erwachsenen über die stetig wachsenden kriegsbedingten Probleme sprechen wollen. Insbesondere die jüdische Herkunft ihrer Schwiegertochter ist Großmutter Irén ein Dorn im Auge, die heißgeliebten wöchentlichen Besuche des kleinen András bei seinen Großeltern werden unterbunden, bis jene von einem Tag auf den anderen spurlos verschwinden. Was ein Jude ist und was das in diesen Zeiten bedeutet, ist dem kleinen Jungen bis dahin überhaupt nicht erklärt worden. Wir als wissende Leser beginnen, von der erzählerisch konsequent durchgehaltenen Sichtweise des kleinen Jungen herausgefordert, umso besser die im Grunde armseligen Motive der grausamen Großmutter Irén und ihren unseligen Einfluss auf das Glück der kleinen Familie zu begreifen. «Nichtvordemkind!» ist ein Buch, dessen Motive und Charaktere im Leser noch lange nachklingen und seine Aufmerksamkeit gegenüber den Mitmenschen zu schärfen vermögen. Die deutsche Ausgabe ist mit einem Nachwort von György Dalos versehen. «Nichtvordemkind!», aus dem Ungarischen
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