Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Die Feuerprobe»von Salim Alafenisch
«Der langen Rede kurzer Sinn: Wasserfluten und Regierungen ist nicht zu trauen.» Diese alte Weisheit der Vorfahren scheint sich für den Beduinenstamm der Alafenischs im israelischen Negev Anfang der 1960er-Jahre wieder einmal zu bestätigen. Ein Mitglied der Nachbarsippe von jenseits des Wadis ist von arabischen Terroristen aus dem Gazastreifen erschossen worden, und dessen Angehörige beschuldigen nun den Alafenisch-Stamm, die Mörder zu decken. Obwohl der berühmteste Spurensucher der israelischen Armee sie zweifelsfrei entlastet, werden Mitglieder des Stammes wochenlang verhört und schließlich für ein Jahr in die Verbannung geschickt. Für den Staat ist die Angelegenheit damit geklärt, nicht aber für die Nachbarsippe, die weiterhin jegliches Vermittlungsangebot ausschlägt - schlimmstenfalls droht das Gesetz der Blutrache. Die uralte zivile Rechtsprechung der Beduinen erweist sich jedoch als äußerst variantenreich: die sogenannte Feuerprobe, bei der ein Mitglied des Stammes dreimal über eine rot glühende Pfanne lecken muss, soll schließlich über Recht und Wahrheit entscheiden. Diesem Kompromiss beugt sich schließlich auch der Nachbar-stamm. Problematisch nur, dass der nächste beduinische Feuerproberichter jenseits der ägyptischen Grenze wohnt und ein Friedensvertrag mit dem Nachbarstaat noch lange nicht in Sicht ist - die Gerechtigkeit muss also zunächst warten. Das Buch «Die Feuerprobe» des 1948 im Negev geborenen und seit vielen Jahren in Heidelberg lebenden und auf Deutsch schreibenden Salim Alafenisch beschreibt den ersten Rechtsfall seit der Staatsgründung Israels, der mit Hilfe der Feuerprobe beigelegt wurde und der den Autor durch die unmittelbare Erfahrung der Geschehnisse wie kaum eine andere geprägt hat: auch seine Doktorarbeit in Ethnologie beruht auf diesem Thema. In seinem Roman lässt Alafenisch eine Welt auferstehen, die dem westlichen Leser zwar außerordentlich fremd erscheint, ihn aber durch ihren Reichtum an lebenspraktischer Weisheit und mit ihrem erstaunlich komplexen und hochkultivierten Sinn für Gerechtigkeit gleichzeitig anzieht. «Die Feuerprobe» steht den besten Werken von Autoren wie Tschingis Aitmatow oder Juri Rytcheu in nichts nach. «Die Feuerprobe», erschienen im Unionsverlag,
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