Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Die September von Schiras»von Dalia Sofer
In den Sprüchen der Väter 2,7 heißt es: «Weil du ertränkt hast, haben sie dich ertränkt, doch schließlich werden, die dich ertränkt haben, ertränkt werden.» Diese in ihrer anschaulichen Bildhaftigkeit kaum zu ertragende Erläuterung der Konsequenzen des biblischen Prinzips «Auge um Auge - Zahn um Zahn» erweist sich leider nicht nur im Nahostkonflikt stets aufs Neue als ewig wirksame, bittere Weisheit, sondern auch überall dort, wo gewaltsame Revolutionen die Unterdrückten von gestern an die Macht bringen. So auch in dem gerade erst in deutscher Übersetzung erschienenen, überraschend reif wirkenden, autobiographisch gefärbten Debütroman der in den USA lebenden Exil-Iranerin Dalia Sofer, geboren 1972, der auf sehr konzentrierte und gelungene, kenntnisreiche Art und Weise die Ereignisse nach Ayatollah Khomeinis islamischer Revolution im Jahr 1981 aus Sicht einer Familie reflektiert, die grundlos und ohne jede Chance auf Rehabilitierung plötzlich zu den Verlierern der neuen Verhältnisse gehört. Die männliche Hauptperson des Buches, der erfolgreiche Juwelier Isaac Amin wird eines Tages von bewaffneten Revolutionswächtern ohne Angabe von Gründen verhaftet und ins Gefängnis verschleppt. Sein einziges Vergehen ist seine Religionszugehörigkeit: als Jude, als reicher noch dazu, ist er von den neuen Machthabern fast so ungern gesehen wie die «ketzerischen» Bahai, die noch stärker unter den neuen Verhältnissen zu leiden haben. Während Isaac im Gefängnis gefoltert wird, ist seine Frau mit der kleinen Tochter ganz auf sich allein gestellt, sein gerade volljähriger Sohn ist rechtzeitig in die USA entkommen und ein anderer Teil der Familie nach Israel geflüchtet. Durch wechselnde Erzählperspektiven, schriftstellerisches Engagement und wohldosierte Spannungselemente sowie eine überaus abgeklärte, kluge Erzählhaltung entsteht so ein erfreulich vielschichtiges Bild einer Familie, deren Aufgabe es ist, einen neuen Platz im Leben zu finden. Dabei erliegt Dalia Sofer zu keiner Zeit der Versuchung der unfreiwilligen Exilantin, die «guten Zeiten» zu verherrlichen, ihr übergeordnetes Thema bleibt die bedeutsame Frage nach der Verantwortung des Einzelnen, des Privilegierten angesichts des schicksalhaften Weltgeschehens. «Die September von Schiras», aus dem Amerikanischen von Sabine Roth, erschienen bei Hanser, 335 Seiten, € 19,90
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