Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Der Orientzyklus»Hörspiel in 12 Teilen nach Karl May
Obwohl Karl May (1842-1912) nach wie vor zu den beliebtesten deutschen Schriftstellern zählt und auch heute noch der weltweit mit Abstand auflagenstärkste Autor deutscher Sprache ist, war er zuletzt in der breiteren Wahrnehmung in Deutschland nur noch durch satirische Interpretationen seines umfangreichen Werks oder reinen Klamauk wie «Der Schuh des Manitu» präsent. Der vielfach preisgekrönte Regisseur Walter Adler hat den oftmals belächelten Autor nun ebenso ernst genommen wie die meisten seiner Leser und aus seinem eigentlichen Hauptwerk, dem sechs Bände umfassenden «Orientzyklus», für den WDR unter Mitwirkung von 140 Schauspielern ein beeindruckendes, überaus gelungenes, ohne Abstriche sensationell zu nennendes Abenteuerhörspiel von fast 12 Stunden Laufzeit geschaffen. Der Regisseur besteht darauf, dabei eine Art «Indiana Jones» für die Ohren im Sinn gehabt zu haben: und in der Tat scheint der Einsatz von Musik, Geräuschen sowie einer stetig die Handlung vorantreibenden, überaus dynamischen Erzählhaltung eher einem Hollywood-Blockbuster entlehnt als einem herkömmlichen Hörspiel. Das besondere an Walter Adlers Produktion ist die Verknüpfung von Elementen aus der Biographie des Autors, besonders seiner ärmlichen Herkunft und anfänglichen Laufbahn als Kleinkrimineller, mit der eigentlichen Romanhandlung, die ein erstaunlich fundiertes, lebendiges Bild vom Orient unter osmanischer Herrschaft und seiner vielfältige Einflüsse vereinenden, multikulturellen Bevölkerung zeichnet. Textgrundlage für den Regisseur war die Urfassung des Textes, der die späteren ideologischen Verfremdungen der Nazis noch nicht enthält. Trotzdem gibt es gewisse Ungereimtheiten: so kann Kara Ben Nemsi an einer Stelle über die beeindruckende Kulturleistung der Araber philosophieren und wenig später, nachdem er einen Araber niedergeritten hat, verkünden: «Man muss den Araber zu nehmen wissen.» Auch die unsympathische Charakterzeichnung eines jüdischen Weinhändlers in Kurdistan, die im Hörspiel noch durch dessen unglaubwürdigen jiddischen Akzent verstärkt wird, zählt nicht unbedingt zu den Glanzpunkten der Produktion. Trotzdem ist «Der Orientzyklus» ein großartiges, geradezu stilbildendes Hörspiel geworden, das den Hörer auf wunderbare Weise in seine Kinder- und Jugendzeit zurückzuversetzen vermag. «Der Orientzyklus», erschienen beim Hörverlag,
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