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«Die SPD wurzelt im Judentum». Das dürfte angesichts des sozialen Auftrags der Propheten, aber auch sozialdemokratischer Vordenker wie Ferdinand Lassalle, Moses Hess, Eduard Bernstein, ja Karl Marx ein alter Hut sein. Deshalb hatte sich der Genosse Hans Erler dafür eingesetzt, dass im neuen Grundsatzprogramm das Judentum als eigenständige geistige Strömung noch vor «Christentum, Humanismus und Aufklärung» zur Sprache kommt. Erler, Sohn des einstigen SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzenden Fritz Erler, hatte Ende September an Kurt Beck plädiert, im Entwurf des Programms die Rede vom «Christlich-Jüdischen» zu spezifizieren und sich klar zum «jüdischen, christlichen und humanistischen Erbe Europas und zur Toleranz in Fragen des Glaubens» zu bekennen. Unterstützt wurde er dabei von Kerstin Griese, der Kirchenbeauftragten der SPD. Die Formulierung wurde nun in das Hamburger Programm aufgenommen. Hans Erler sieht das «politische Herz der SPD im Judentum verankert» und lässt den Einwand nicht gelten, die jüdischen Väter der Sozialdemokratie seien «assimiliert» gewesen und hätten somit ihr Judentum mehr oder weniger abgelegt. Schließlich haben sich die jüdischen Gründungsväter, so Erler, mit ihrer Partei und der Verbundenheit zur Arbeiterklasse klar gegen die bürgerliche Gesellschaft gestellt, womit er auf die politische Dimension des Judentums verweist. Der junge Arbeitskreis jüdischer Sozialdemokraten wird sich aber noch zäher Diskussionen um die eigene Identität und die politische Zielrichtung unterziehen müssen. Denn was «sozialdemokratisch» bedeuten mag, ist seit geraumer Zeit ebenso umstritten wie die ewige Frage, was «jüdisch» ist. Wir wissen nicht, ob auch Helmut Schmidts jüdischer Großvater oder Egon Bahrs jüdische Großmutter gläubige Sozialdemokraten waren, doch die Bilder vom Hamburger Parteitag zeigen, dass die jüdische Religionsgemeinschaft mit Rabbiner Walter Homolka prominent vertreten war. Zwar nur in der zweiten Reihe, doch Seit' an Seit' mit Maria Jepsen, der Hamburger Bischöfin der Nordelbischen Kirche. |