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Jüdische Vorfahren

Jeder zehnte Deutsche hat nach einer Schweizer Studie jüdische Vorfahren. Wie die «Bild am Sonntag» berichtete, fanden Forscher des Unternehmens «Igenea» in Zürich zudem heraus, dass lediglich 6 Prozent aller Deutschen väterlicherseits germanischen Ursprungs sind. 30 Prozent stammen danach von Osteuropäern ab. Für die bislang unveröffentlichte Studie sind knapp 20.000 Genanalysen verglichen worden. Die Genforscher kamen bei der Untersuchung der mütterlichen Linien überdies zu dem Ergebnis, dass die deutschen Frauen wesentlich häufiger als die Männer germanischer Abstammung sind, nämlich zur Hälfte. Die Forscher erklären diesen Unterschied mit der durch Kriege verursachten kürzeren Lebenszeit der männlichen Ahnen. Die moderne Genetik zeige die Unsinnigkeit des Rassismus auf, sagte Imma Pazos, eine der Wissenschaftlerinnen. Alle Genanalysen bewiesen, dass jeder Mensch unzählig viele Wurzeln habe und in jedem ein «Mischmasch» stecke. Igenea wirbt im Internet gemeinsam mit der «Bild-Zeitung» für Gentests zur Bestimmung der Abstammung. Diese Tests kosten je nach Fragestellung mindestens 120 Euro.

 

Jüdische Soldaten

Erstmals in der Geschichte der Bundeswehr wandten sich Mitte November «jüdische Soldaten, Vertreter der militärischen Führung und des Bundeswehrverbandes, des Zentralrates der Juden in Deutschland und der Orthodoxen Rabbinerkonferenz gemeinsam einem Thema zu, dass vor der Zeit des Nazi-Regimes zum Alltag im deutschen Militär gehörte: Juden als deutsche Soldaten». Mit diesen Worten begrüßte Michael Berger, Hauptmann am Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam und Vorsitzender des «Bundes jüdischer Soldaten (RjF) e.V.», die Teilnehmer und Gäste der 1. Tagung dieses «Bundes», der vor gut einem Jahr gegründet wurde. Die Zusatzbezeichnung «RjF» («Reichsbund jüdischer Frontsoldaten») ist ein bewusst gewählter Verweis auf diese Institution. Der «RjF» wurde 1919/1920 als Soldatenbund der jüdischen Frontkämpfer des Ersten Weltkrieges ins Leben gerufen, zur «Wahrung der Ehre des jüdischen Frontsoldaten». Besagter «Reichsbund» hatte bis zu seiner Auflösung im Jahr 1938 etwa 40.000 Mitglieder. Nach internen Schätzungen des «Bundes jüdischer Soldaten» (BjS) gibt es etwa 200 jüdische Soldaten in der Bundeswehr. Die Mitgliederzahl des BjS sei «zweistellig», wie Michael Berger am Rande der Tagung informiert: «Ohne Rückhalt durch die militärische Führung würden wir oft alleine stehen. Aber gerade die Geschichte verpflichtet aus meiner Sicht die Bundeswehr, hier Flagge zu zeigen und durch aktives Eintreten den Bruch mit dem Ungeist der Nazibarbarei zu dokumentieren.» Kön

Straßenstreit

Schon desöfteren gab es in Rostock Anregungen, die «Ilja-Ehrenburg-Straße» umzubenennen. Ilja Ehrenburg (1891-1967) war Schriftsteller, Kommunist, Übersetzer und Dichter jüdischer Herkunft. Der «Initiative Ilja Ehrenburg» sei schon im letzten Frühjahr bekannt geworden, dass der Oberbürgermeister (OB) besagte Straße in «Rostock-Toitenwinkel» umbenennen wolle. Schon 2003 hatten vermutlich Neonazis die Straßenschilder der Ilja-Ehrenburg-Straße mit «Rudolf-Heß-Straße» überklebt. Kürzlich hatten sich diesbezüglich abermals Neonazis zu Wort gemeldet. Der Rostocker OB lies von seinem Pressesprecher gegenüber der JZ vermelden: «Ich kann Ihnen mitteilen, dass der Vorgang einer Straßenbenennung hier erstmal ruht, dass jedoch die Diskussion um die Person und das Werk von Ilja Ehrenburg aufmerksam und mit großem Interesse verfolgt wird.» Es sei dem OB bekannt, dass im Fall einer Umbenennung die Neonazis das Ziel erreicht hätten, den Namen eines jüdischen Menschen aus dem Straßenalltag verschwinden zu lassen.

Rechte Gewalt

In unserer September-Ausgabe haben wir in dem Beitrag «Mein Oberbegriff von Liebe: Leben!» auf der Seite 5 die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Frau Petra Pau, mit Zahlenmaterial zu rechtsextremistischen Gewalttaten zitiert. Hier ist uns ein Fehler unterlaufen, den wir zu entschuldigen bitten: Wie Frau Pau klarzustellen bat, sind die tatsächlichen Zahlen noch sehr viel höher: «Im bundesweiten Durchschnitt werden stündlich zweieinhalb rechtsextremistische Straftaten und Tag für Tag zweieinhalb rechtsextremistische Gewalttaten registriert». Die von uns genannten Zahlen lagen wesentlich darunter. lol

 

«Jüdische Zeitung», Dezember 2007