Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Friedensvertrag in einem Jahr?Die Zeit nach Annapolis ist eine Prüfung für die Freunde von Israel
Das kommende Jahr wird über die Zukunft des Zionismus entscheiden. Das ist keine Übertreibung. Wenn die weiteren israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen, die in Annapolis in Gang gesetzt wurden, so verlaufen wie die nach Camp David im Jahr 2000 und nach den Gesprächen von Taba 2001, dann wird der eine und einzige jüdische Staat in seiner Existenz gefährdet sein. Die Hamas ist schließlich nicht die einzige Gruppierung, die ihre Art von Vorbereitungen für den finalen Verlauf von Friedensverhandlungen längst getroffen hat. Iran und Al-Qaida - «die Sushi (Sunniten-Schiiten) Koalition» - sind darauf erpicht, die pro-amerikanische «Demokratisierungs-Koalition», angeführt von Saudi-Arabien, Ägypten, Jordanien und Fuad Sinioras Regime im Libanon, in die Enge zu treiben. Das israelische Volk ist in der Lage mit einer weiteren Pattsituation im endlosen Prozess um den Frieden klarzukommen. Wir verfügen über eine der mächtigsten Armeen der Welt. Und unsere Wirtschaft hat ihre Widerstandskraft und Flexibilität während des letzten Krieges im Libanon bewiesen. Israel ist in der Lage auch ohne Frieden über viele Jahre hinweg zu bestehen. Die Frage ist, ob dies dem jüdischen, dem demokratischen, dem moralischen und dem friedenschaffenden Wesen entspricht, das unsere zionistischen Stammväter einst im Sinn hatten? Glücklicherweise gibt es mittlerweile eine klare Mehrheit in der israelischen Gesellschaft, ebenso wie in der Knesset, die zu der notwendigen Erkenntnis gelangt ist, dass Israel vor der Wahl steht, zwischen einem großen und hässlichen oder einem kleineren und besseren jüdischen Staat zu wählen. Ehud Olmert und Tzipi Livni haben längst erkannt, dass die «Zwei-Staaten-Lösung» die einzige ist, um die irrsinnige Perspektive zu stoppen, es gäbe nur die Wahl zwischen einem bi-nationalen Staat oder einem «Apartheid-Staat». Um für eine «Zwei-Staaten-Status» fähig zu sein, braucht es allerdings Partner, die auch bereit sind, die notwendigen Schritte zu vollbringen, wie beim Tango. Präsident Mahmud Abbas und sein diplomatischer Stab haben deutlich gemacht, dass sie willens sind mit uns in Annapolis und danach diesen «Tango» zu «tanzen». Damit haben sie sozusagen ein «Ticket» zu einem gemeinsamen Weg gelöst, das nicht mehr umtauschbar ist. Diese Haltung von Abbas hat in gewisser Weise auch eine Spaltung ausgelöst zwischen seinen Verbündeten und denjenigen, die immer noch an ein «Groß-Palästina» glauben. Wenn Abbas zukünftig nicht Fakten schafft, die dem Frieden einen realen und erkennbaren Weg bauen, dann könnten die Gegner der künftigen «Friedensbegegnungen» in der West-Bank, in Ost-Jerusalem und in Gaza niemals mehr verschwinden. Wenn so ein Fall eintritt, dann könnte gleichfalls der demokratische und moralisch verantwortungsbewusste jüdische Staat eine gefährliche Wende vollziehen, nämlich von einer Vision zu einem unfassbaren, absurden Traumgebilde. Wir hören ständig, dass die jüdische Gemeinschaft in der Diaspora Israel bedingungslos unterstützt, egal was passiert. Und noch immer hat es leider den Anschein, dass diese Unterstützer derart begeistert sind, ihre Unterstützung für eine rechte Regierung ins Feld zu führen, die der Meinung ist, dass territoriales Besitzdenken wichtiger sei als die jüdische und moralisch geleitete Identität von Israel, wichtiger noch als der Frieden selbst. Seit mehr als 40 Jahren ist diese moralische, politische und wirtschaftliche Stärke derart ausgedünnt worden, indem Israels strategische Souveränität entwickelt wurde und indem man sich zu sehr darauf konzentrierte, mit großem Druck einmal den Bau von Siedlungen zu stoppen und ein anderesmal den Bau wieder voranzutreiben. Im Jahr 1992 war die jüdische Lobby in den USA in Washington DC stark vertreten und aktiv darum bemüht, die Verantwortlichen für die Gesetzgebung parteiübergreifend davon zu überzeugen, gegen das «Weiße Haus» vorzugehen. Sie traten dafür sogar gegen Präsident George W. Bush auf, der immerhin die politische Größe aufbrachte, Premierminister Yitzhak Schamir zu drängen, den Ausbau der Siedlungen zu stoppen, während er gleichzeitig mit den Palästinensern über die Zukunft der besetzten Gebiete verhandelte. Drei Jahre später überzeugte eine jüdisch-christliche Koalition den Republikaner Bob Dole davon, einen Plan vorzustellen, der die Amerikanische Botschaft nach Jerusalem verlegen sollte. Das alles passierte, während Clinton eifrig damit beschäftigt war, Yitzhak Rabin und Arafat für Gespräche zusammen zu bringen, um die politischen Spannungen in der Region einzudämmen. Wie wir alle wissen, wurde die Amerikanische Botschaft nicht in unsere Hauptstadt verlegt. Es scheint offenbar einfacher zu sein, sich für ein Vorhaben stark zu machen, das zum Scheitern verurteilt ist, als lautstark für eine aktive amerikanische Rolle im Friedensprozess zu demonstrieren. Es ist auch viel populärer, Petitionen gegen eine «Teilung» Jerusalems zu unterzeichnen (wie kann man überhaupt ein Stadt teilen, die nie wirklich vereint war?), statt großflächige Anzeigen etwa in der «New York Times» und im «Forward» zu schalten, die Herrn Olmert aufrufen, endlich die Jerusalem-Phrase «Stadt des Friedens» von einem Klischee zur Wirklichkeit werden zu lassen. Wir, die Israelis, die die traumatische Zeit am Vorabend des «Sechstage-Krieges» miterlebt haben, werden niemals die große Unterstützung vergessen, die wir von unseren jüdischen Brüdern und Schwestern jenseits des Ozeans bekommen haben. Wir werden uns stets an die vielen Freiwilligen erinnern, die zum Beispiel anstanden, um einen Sitzplatz im Flugzeug nach Israel zu bekommen. 40 Jahre später wehen israelische Flaggen vor unseren Botschaften in Kairo und Jordanien. Die Mitglieder der Arabischen Liga, einschließlich die «Palästinensische Nationalbewegung», sind bestrebt, Botschaften in Jerusalem zu eröffnen. Um nochmal auf den Frieden zu blicken: Israel muss die West-Bank aufgeben, ebenso die palästinensischen Nachbarschaften in Ost-Jerusalem. Doch dafür würden wir unsere demokratischen und moralischen, jüdischen Werte wiedererlangen. Wie immer liegt die letzte Entscheidung in den Händen der Israelis. Die jüdische Gemeinschaft in der ganzen Welt muss sich nun entscheiden: will sie ihre Rolle beim Erschaffen von Frieden spielen oder nur ihre Rolle in Zeiten von Krieg. Akiva Eldar ist Co-Autor des neuen Buches «Die Herren des Landes - Israel und die Siedlerbewegung seit 1967». Er war Sprecher des früheren Bürgermeisters von Jerusalem Teddy Kollek. Für seinen Nahostjournalismus erhielt Eldar im November in New York den Eliav-Sartawi-Preis. Eldar lebt in Israel. |