Arabische Nächte

 

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Früher ging es bei den kommerziellen Satteliten der arabischen Welt, «Arabsat» und «Nilesat», ziemlich züchtig zu. Über diese Satelliten strahlen auch die BBC («British Broadcasting Corporation») und zum Teil das amerikanische Verteidigungsministerium in die arabische Welt. Beim saudischen Programm, wo die meiste Zeit ein blinder Scheich aus dem Koran vorliest, im iranischen Fernsehen oder bei Al Dschesira wird Pornographie einer speziellen Art dargeboten: Blut, zerfetzte Leichen, Tote und tiefe Wunden in Nahaufnahme sind da zu sehen. Ein wohlgeformter Busen steht nicht im Unterhaltungsprogramm für die Welt des Islam. Doch die Zeiten ändern sich.

Wer eine Satellitenschüssel besitzt, muss gelegentlich die gespeicherten Frequenzen mit der Suchmaschine erneuern, zumal manche Sender plötzlich verschwinden und neue auftauchen. So blieb das irakische Fernsehen mit einem verzerrten Standbild des legendären Sprechers «Comical Ali» stecken, als die Amerikaner im April 2003 Bagdad einnahmen. Vor einigen Monaten kam Al Dschesira, der arabische Informationssender aus Katar, mit einem englischen Vollprogramm hinzu. In jüngster Zeit positionierten sich unzählige Pornosender mit einem Punkt oder einem Sonderzeichen vor dem Namen gleich an die Spitze der alphabetischen Auflistung der zu empfangenden Sender, also noch vor Abu Dhabi, Al Arabija oder ARD.

Nach SexSat 2 bis 4 bieten da auch «Arab Girls TV», «Arab Sex TV» und «Arabische Träume TV» ihre unverhüllten Dienste an. Wer in Ost-Jerusalem oder Bethlehem den Anblick von Frauen in langen Kleidern und Sehschlitz für die Augen gewöhnt ist und gelegentlich berichtet, wie die Hamas im Gazastreifen Internet-Cafés wegen ihres «schlechten Einflusses auf die Moral» in die Luft sprengt, wird neugierig, was da alles in der Welt des Islam unverschlüsselt frei Haus geliefert wird.

Während eine blonde junge Frau, nur mit einem Höschen bekleidet, auf einem Sofa mit Blümchenmuster telefoniert, wechseln auf dem Bildschirm Telefonnummern mit zum Teil abenteuerlichen Vorwahlen, etwa +670 für Ost Timor oder +239 für Sao Thomé Principe. Neben den Fähnchen von Griechenland, der Türkei, Frankreich und Italien steht keine Vorwahl. Und während die Blondine bei einem Anrufer auf Englisch ermittelt, dass er lieber italienisch spricht, kann man beim nächsten Sender die Fortsetzung des Gesprächs im Hintergrund mithören: «Ti amo, Ciao», stöhnt die Blondine, während wir nun auf einer zweiten Couch im gleichen Studio eine Brünette beobachten. Ein Dia mit der französischen Aufschrift «sie sind heiß und salopp» unterbricht die Szene. Wir notieren weitere Vorwahlen: +354 für Island, +261 für Madagaskar.

Arabische Kunden sind aufgefordert eine Nummer in Ost-Timor anzurufen. «Arabische Mädchen TV», vom ägyptischen Satelliten «Nilesat» übertragen, zeigt Dias mit Frauen, die eher wie Japanerinnen oder Schwedinnen aussehen. Einer der Betreiber scheint in Ascension zu sitzen. Eine weitere Nummer hat ihren Anschluss in der Elfenbeinküste. Anders als bei den lauwarmen Nachtsendungen im deutschen Kabelnetz geht es bei manchen Stöhnorgien für die arabische Welt auch visuell zur Sache. Da spielen nicht nur «due Ragazze» zusammen. Da sind auch «Herren» mit rythmischen Bewegungen dabei, während die Kamera ganz nah heranfährt. Bei «Arab Babes» wird auf arabisch eine Telefonnummer in Osttimor vorgelesen. Und bei «Arab Love» wird der Zuschauer mit einem gehauchten «Merhaba» begrüßt, dazu arabische Musik zur Untermalung unzüchtiger Dias.

In der «Free Sex Zone» bieten Telefonnummern in den USA und in Liechtenstein einen «live Arabic Chat». Der Empfang der Satellitensender kann nicht zensiert werden. Selbst im sittenstrengen Iran scheiterten Versuche, die Empfangsschüsseln von den Balkonen abzumontieren. Das weltweite Internet kann da schon eher überwacht und zensiert werden. Ein israelischer Anbieter von Pornos im Internet rühmte sich vor kurzem, viele Klicks aus der arabischen Welt zu registrieren. «Das ist ein reines Geschäft», zitiert «Ynet» diesen Porno-Betreiber in Israel: «Frieden wird es nicht bringen. Aber zumindest ziehen wir unseren Feinden so etwas Geld aus der Tasche»

Ulrich W. Sahm

«Jüdische Zeitung», Dezember 2007