Frauenpower in Magdeburg

Der jüdische Frauenverein «BeReshith»

 

Im Jahr 2004 war es soweit: Die jüdischen Frauen in Sachsen-Anhalt wollten sich in einem Netzwerk miteinander vereinen. Das war ein sehr wichtiges Ergebnis der Einwanderung aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Aus dieser Idee entstand ein jüdischer Frauenverein namens «BeReshith», 2004 in der Landeshauptstadt Magdeburg gegründet. Seither verbindet und vertritt dieser Verein die jüdischen Frauen Sachsen-Anhalts auch in der Öffentlichkeit. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in Magdeburg und weiteren Orten des Landes funktionierende jüdische Gemeinden, allein in Magdeburg gab es außerdem 33 jüdische Vereine und Stiftungen, darunter befanden sich auch die ostjüdischen und israelitischen Frauenvereine. In dieser Tradition steht heute der neu gegründete Verein «BeReshit» (hebräisch: «am Anfang»), er ist der Neubeginn einer jüdischen Frauenbewegung in Magdeburg. Damit wurde ein historisches und kulturelles Erbe belebt, werden Wohltätigkeit und soziale Bestrebungen aktiviert und der Perspektivenhorizont deutlich erweitert.

Die Frauen des Vereins wollen den Zusammenhang zwischen dem Judentum und der Emanzipation der Frau darstellen. Der Verein ist inzwischen zu einem Forum für jüdische Frauen geworden, auf dem sie kulturelle, soziale und humanitäre Aufgaben im Sinne der jüdischen Tradition erleben und gemeinsam ausführen. Der Verein schafft zudem zahlreiche Kontaktmöglichkeiten zwischen jüdischen und nichtjüdischen Frauen in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus und fördert deren Beziehungen. «Wir», so erklären es diese aktiven, hoch ausgebildeten und in den letzten Jahren eingewanderten Frauen, «informieren und beraten andere jüdische Migrantinnen, wir fördern damit unsere und ihre Integration und verbessern die Eingliederung von Zuwanderern in die deutsche Gesellschaft.»

Der Frauenverein «BeReshith» e. V. kann bereits jetzt auf arbeitsreiche Jahre zurückblicken. Zwischen 2004 und 2007 wurden sieben Projekte entwickelt, durchgeführt, abgewickelt, und einige laufen auch noch. Es waren die Projekte «Kreatives Atelier», «Festival jüdischer Frauen Sachsen-Anhalts», die Vernissage «Blumenwalzer», das Info- und Kulturcafé, die Gründung der Musikgruppe «Makor», das Projekt «...den Traum lass uns teilen» und ein geschichtliches Projekt mit dem Titel «Zukunft braucht Erinnerung». Bereits das erste Festival jüdischer Frauen Sachsen-Anhalts war ein großer Erfolg, so dass im Oktober dieses Jahres das Festival Nummer 2 folgte. Unter dem Titel «LeDor VaDor - von Generation zu Generation» präsentierte sich der jüdische Frauenverein «BeReshith» erneut mit einem anspruchsvollen Programm. Gekommen waren fast 200 jüdische Frauen aus Magdeburg, Oschersleben, Wolmirstedt, Genthin, Halle/Saale, Lutherstadt Wittenberg und anderen Orten des Bundeslandes, die gemeinsam Referate hörten, Familiengeschichten besprachen, zeitgenössische Berichte, Bilder, Musik und Traditionen erfuhren und so die Brücke zwischen der Vergangenheit und der Zukunft, zwischen den Generationen betraten.

Das Ergebnis dieses zweiten Festivals kann sich ebenfalls sehen lassen. Die weitgesteckten Ziele wurden erfüllt, neue gesellschaftliche und kulturelle Möglichkeiten und Perspektiven für Vereinsmitglieder diskutiert, es gab Einblicke zum Thema «Frau im Judentum», Kontakte mit Vertreterinnen anderer kultureller Einrichtungen und jüdischer Organisationen, und das bekannte Migrantenbild konnte um viele Nuancen bereichert werden. So wurde gemeinsam an den Brücken des Verständnisses, der Verständigung und des Vertrauens weitergebaut. Am Ende des Tages herrschte eine allgemeine und großartige Zufriedenheit. Die jüdischen Migrantinnen, die Gäste und die Vertreter der Stadt waren gleichermaßen beeindruckt. Zusammenkünfte dieser Art, auf denen selbstbewusst das künstlerische und intellektuelle Potential von Einwandern eine würdige Bühne findet, sollte es weit öfter geben! JZ

 

«Jüdische Zeitung», Dezember 2007