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«HaMakom» ist eine von Hundert Gottesbezeichnungen im Judentum. Der hebräische Begriff bedeutet in der deutschen Übersetzung «Ort». Ein Ort der Wissenschaft, der Jüdischen Studien, war das Graduiertenkolleg «Makom» an der Universität Potsdam. Dort entstanden in den Jahren von 2001 bis 2007 zahlreiche Arbeiten, die direkten Bezug zum Konzept «Makom» suchten. Orte und Räume im Judentum, reale, abstrakte und imaginäre, waren Gegenstand von vierzig Dissertationen und drei Habilitationsschriften. Als Resümee des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Land Brandenburg geförderten Graduiertenkollegs, das im Potsdamer Moses Mendelssohn Zentrum einen Ort des Gedankenaustausches fand, veröffentlichte ein Herausgeberteam nun einen Sammelband. Entgegen der herkömmlichen Praxis besteht dieser nicht aus rein wissenschaftlichen Texten, sondern aus insgesamt dreißig kurzweiligen und anregenden Essays. Die Essaykompilation «Makom: Orte und Räume im Judentum. Real-Abstrakt-Imaginär», in der wissenschaftlichen Reihe judaistischer Schriften «Haskala» als Band 35 im Verlag Georg Olms erschienen, bietet dem Leser in griffiger Sprache einen Einblick über aktuelle Forschungsprojekte, Methoden und Diskurse deutscher und nichtdeutscher Wissenschaftler der Jüdischen Studien in Deutschland. Einige der 29 Autoren stellen in ihren Beiträgen konkrete Orte ins Zentrum: Tel Aviv und das Konzept der jüdischen Gartenstadt (I. Sonder), Berlin als Zentrum jüdischer Migrationserfahrungen (A. Saß), «Judenwege» in Deutschland (B. Rösch), Holocaustgedenkstätten in Israel (A. Kurths). In anderen Texten wird der Ortbegriff religiös oder ideologisch konnotiert: der Gottesbegriff (H. Völkening), das jüdische Lehrhaus (M. Kümper), der jüdische Staat und sein Selbstverständnis (J. Brauch, A. Nocke), jüdische Friedhöfe (M. Brocke). Die Autoren stellen Fragen nach jüdischen Identitäten (L. Fritzlar, H. Thein), erörtern Heimatkonzepte (C. von Braun, U. Schneider) und besprechen literarische und publizistische Erscheinungen (S. Leuenberger, M. Winkler, T. Woźniak). Der interdisziplinäre Ansatz der Arbeiten des Graduiertenkollegs «Makom» ist bildhaft aus den Essays herauszulesen und wird ob des fachlichen Hintergrundes der Autoren deutlich: neben Judaisten, Religionswissenschaftlern und Historikern veröffentlichen hier auch Literaturwissenschaftler, Philosophen und Architekten. Den Leser erwarten gut recherchierte und anschaulich wiedergegebene Beiträge sowie auch einige Überraschungen und Gedankenanregungen. Helen Thein in ihrem Beitrag «Simone Weils Konzept der Entwurzelung im Ortlosen» etwa beschreibt in fesselnder Manier das Leben und gedankliche Konzept einer erst in der jüngeren Vergangenheit wieder von der Forschung beachteten Jüdin, Religionsphilosophin, Antifaschistin und asketischen Frau. Simone Weils Denken und Handeln, ihr Konzept der «Ortlosigkeit Gottes» sowie ihr utopisches Gesellschaftsmodell, werden auf zehn Seiten für den Leser lebendig. Solche Texte fordern zum Weiterlesen auf. Derart starke und wissenschaftlich belegte Thesen finden sich auch in anderen Beiträgen wieder: der Mythos der jüdischen Salons in Berlin um 1800 (H. Lund), die romantisierte Vorstellung jüdischer Identität im spätmittelalterlichen Spanien (J. Neumann), die Wirkung der Informationstechnologie auf neue Heimatbegriffe (C. von Braun). Andere Texte setzen sich jedoch zu unkritisch mit den beschriebenen Gegenständen auseinander. Die Stärken der vorgestellten Arbeiten liegen gerade bei explizit deutsch-jüdischen Themen, vor allem deutsch-jüdischer Literatur, Geschichte und Ideengeschichte. Auch für fachunkundige Leser ist der Band «Makom» gut lesbar und sehr informativ. Ein Glossar am Ende des Buches erläutert dazu grundsätzliche Begriffe im Judentum. Leider fehlen Angaben für den Leser über bereits veröffentlichte Dissertationen oder weiterführende Literaturverweise. Der Band wird nochmals am 30. Januar 2008 in der Brandenburgischen Landeszentrale für Bildung in Potsdam vorgestellt. Bleibt zu konstatieren: «Makom» verdient seinen «Ort» in der deutschen Judaica. Michal Kümper, Barbara Rösch, Ulrike Schneider, Helen Thein (Hg.): Makom: Orte und Räume im Judentum. Real. Abstrakt. Imaginär. Essays. Georg Olms Verlag, Hildesheim, Zürich, New York 2007. 356 S., 32 Euro. |