Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Nicht durch Macht und nicht durch Stärke… »Chanukka: Dezember-Dilemma, religiöse Freiheit und das Licht am Rhein
Latkes und öltriefende Sufganiot, ausgelassene Stimmung zwischen Dreidel und Chanukkaball, dazu die größtmöglichen Chanukkaleuchter von Chabad Lubawitsch als PR-Aktion und «Geschenk an die Welt»: alle Jahre wieder freuen wir uns aufs Lichterfest, das dieses Jahr am Abend des 4. Dezembers beginnt. Zusammen mit Purim gehört Chanukka zu den populärsten jüdischen Feiertagen, und ebenso wie Purim geht es nicht auf biblische Gebote, sondern auf ein historisches Ereignis zurück. Es begann mit einem Aufstand: Von 167 - 164 vor unserer Zeitrechnung rebellierten die sogenannten Makkabäer, namentlich der hasmonäische Priester Mattitjahu und seine Söhne Jochanan, Juda, Simon, Eleazar und Jonathan, in Jerusalem erfolgreich gegen die syrischen Seleukiden, deren König Antiochus IV. Epiphanes versucht hatte, das Judentum mit Gewalt zu hellenisieren. Der Kampf im Zeichen des Herrn, nämlich «Mi kamocha ba'elim Adonai», also «Wer ist wie Du unter den Göttern, oh Herr» (Ex 15:11), kurz «Makkabi», endete mit der Wiederherstellung des Jerusalemer Tempels, der von den Seleukiden Zeus geweiht worden war. Diese Wiedereinweihung des Tempels fand am 25. Kislew 164 statt, drei Jahre nach seiner Entweihung durch die syrische Armee, die womöglich mit einem Fest zu Ehren der syrischen Gottheit Baal Schamen zusammengefallen war. Mit ihrer Entscheidung, die Tempelweihe acht Tage lang zu feiern, stellten sich die Makkabäer in eine große Tradition: sie folgten damit Moses Weihung des Stiftzeltes (Lev 8:36-9:1) und Salomos Weihung des Ersten Tempels (1. Kön 8:66). Die Makkabäerbücher, die uns den ältesten historischen Bericht über die Geschichte von Chanukka geben, wurden übrigens nicht von den jüdischen Weisen bewahrt, sondern von der Kirche, und zwar in dem Teil der christlichen Bibel, der als die Apokryphen oder deuterokanonischen Schriften bekannt ist und über die Septuaginta in den Kanon der katholischen Kirche sowie der christlichen Orthodoxie aufgenommen wurde. Die Rabbinen der Antike, die den spirituellen Aspekt des Festes betonen wollten, hatten kein Interesse an dieser blutrünstigen Geschichte. Für die frühen Christen aber, die unter den Verfolgungen durch die Römer litten, waren diese Märtyrergeschichten als Identifikationsmodell von Bedeutung. Daher wurden die Makkabäerbücher in den christlichen Kanon aufgenommen, während sie dem Judentum zunächst verloren waren. In Antiochia wurden die Makkabäergräber im Bezirk Kerateion zunächst gleichermaßen von Juden wie Christen verehrt, bis Letztere über diesen Gräbern eine Kirche errichteten und es eine «Übernahme» durch die Mehrheit der christlichen Pilger gab. Die katholische Kirche kennt bis heute die heiligen Makkabäer, nämlich Salomone und ihre sieben Söhne, als Märtyrer; ihre Reliquien gelangten über Konstantinopel nach Rom, wo sie noch heute in San Pietro in Vincoli verehrt werden. Einer Legende nach soll Erzbischof Reinald von Dassel Makkabäerreliquien gleichzeitig mit denen der Heiligen Drei Könige in Mailand von Kaiser Friedrich Barbarossa erhalten haben und 1164 nach Köln überführt haben. Der Makkabäer-Schrein, der ursprünglich aus der Kirche des Kölner Machabäer-Klosters stammt, wird seit1808 in der Dominikanerkirche St. Andreas gezeigt. Für jüdische Pilger bietet sich heute der Heimatort der Makkabäer an, Israels «Future City» Modiin bei Lod, wo auch Jonathan begraben sein soll.
Die Legende Im Talmud wird aber nicht diese Historie berichtet, sondern die nachträglich entstandene Legende vom Chanukka-Wunder, also die Geschichte vom einzigen Krug reinen Öls, der statt einem Tag ganze acht Tage lang brannte (Traktat Schabbat 21b). Es heißt dort ohne Bezug auf die Makkabäerbücher: «Was bedeutet das Chanukka-Fest? Es lehrten unsere Weisen: Am 25. Kislev beginnen die Tage des Chanukka-Festes. Es sind deren acht... Als nämlich die Griechen in den Tempel eindrangen, verunreinigten sie alle Öle, die im Tempel waren. Als die Herrschaft des Hasmonäerhauses erstarkte und sie besiegte, suchte man im Tempel herum und fand nichts als ein einziges Krüglein mit reinem Öl, das mit dem Siegel des Hohepriesters versehen war; es war jedoch nur noch genug Öl darin, um einen Tag zu brennen. Da geschah ein Wunder und es brannte acht Tage lang [bis man Oliven gestoßen und reines Öl gewonnen hatte]. Im folgenden Jahr bestimmten sie diese Tage zu Festtagen und begingen sie mit Lob- und Dankesliedern.» Jahrhunderte lang fristete Chanukka eher ein Nischendasein im jüdischen Festtagskalender, auch wenn sich die Gelehrten immer wieder seiner annahmen. Der Rambam etwa resümiert: «Es soll ein Fest der Freude und des Lobs sein, an dem jede Nacht brennende Lichter in die Hauseingänge gestellt werden, die an das Wunder erinnern und von ihm zeugen sollen. Diese Tage werden als Chanukka bezeichnet. An ihnen ist jede Trauer untersagt, genau wie zum Purimfest.» (Rambam, Hilchot Chanukka 3, 1ff). Und im «Schulchan Aruch» des Josef Karo heißt es: «Jeder jüdische Mensch ist verpflichtet, dem Zünden der Chanukka-Lichter höchste Priorität zu geben, und sogar ein Mittelloser, der sich von der Wohlfahrt ernährt, soll borgen oder eigene Kleider verkaufen, um Öl zu kaufen, mit welchem er die Chanukka-Lichter anzünden kann.» (Orach Chajim 671,1) Noch vor Karo beschrieb der Konvertit Anthonius Margaritha, ein Rabbinersohn, in seinem 1530 in Augsburg erschienenes Buch «Der Gantz Jüdisch Glaub» die Feier von Chanukka. Zur Liturgie merkt er an, dass die besonderen Gebete dieses Festes sich auf die Makkabäerbücher und die Geschichte Judiths beziehen. Durchgängiges Motiv darin sei der Dank an Gott, dass er die Feinde der Juden habe umkommen lassen. Von drei «Betgesängen» übersetzt Margaritha jeweils nur eine Strophe, die die Feinde des Judentums erwähnt, womit wiederum auf das Christentum angespielt wird. Darin bäten die Juden Gott, sie bei den Christen, die sie ein «gottloses und schalckhaftiges Volk» nennen, zu rächen. «Durch Margarithas Übersetzung», so die Judaistin Maria Diemling, «sind hiermit offenbar zwei oder drei bislang nicht bekannte Pijutim teilweise überliefert worden. Ton und Inhalt dieser Stücke erinnern aber an den bekanntesten Pijut, der auch heute zu Chanukka gesungen wird, ‚Ma‘os Zur'. Dessen sechste Strophe, die mit ‚Chassof sro‘a kodschecha' (nach Jes 52:10) beginnt, wurde in mittelalterlichen Gebetbüchern oft zensiert, weil die Bitte um das Ende der schon so lang andauernden Knechtschaft und der Hinweis auf ‚Edom' als antichristlich verstanden wurden. Sie ist heute den meisten hebräisch-deutschen Siddurim unbekannt. Die Neudeutung von ‚Edom' lässt sich seit Mitte des 2. Jahrhunderts als populäres Symbol beobachten, nachdem Rabbi Akiba im Bar Kochba-Aufstand den Zusammenhang zwischen Rom und Edom hergestellt hat.» Ungeachtet all der Weisungen und ideellen Bezüge scheint das Lichterfest in der jüdischen Gemeinschaft bis in die Neuzeit hinein aber keinen besonders hohen Stellenwert gehabt zu haben. Der venezianische Rabbiner Leon Modena geht in seinem 1638 erstmals veröffentlichten Buch «Jüdische Riten, Sitten und Gebräuche», das kürzlich von Rafael Arnold ins Deutsche übertragen und herausgegeben wurde, nur kurz auf Chanukka ein. Modena schreibt unter anderem: «An diesen Tagen ist es nicht verboten zu arbeiten oder Geschäfte zu treiben. Auch gibt es keine weitere Festlichkeit als die genannten Lichter, und dem Gebet fügt man einen Lobpreis wegen dieses Sieges an. Am Morgen sprechen sie Psalm 113 folgende und Psalm 29: ‚Exaltabo te Domine', etc. Dazu kommen noch ein paar Änderungen die Speisen betreffend.» Leon Modena nennt neben der erwähnten Makkabäer-Geschichte auch noch eine zweite volkstümliche Begründung für das Lichterfest: «Andere sagen, es sei wegen der Heldentat Judiths gegen Holofernes, obwohl diese nicht zur selben Zeit stattgefunden hat, wie manche glauben. Aber weil sie eine Makkabäerin war, haben sie sie damit in Verbindung gebracht.» Auf dieses andere Ereignis beziehen sich übrigens die Käsegerichte, die bis heute zu Chanukka gegessen werden: zur Erinnerung an die Heldentat der schönen Judith, die von Holofernes, dem Feldhauptmann Nebukadnezars, begehrt wurde. Angeblich setzte Judith Holofernes gesalzenen Käse vor, und nachdem dieser seinen starken Durst mit vielen Bechern Wein gestillt hatte, schlief er trunken ein. Daraufhin schlug Judith Holofernes den Kopf ab und brachte ihn nach Jerusalem. Dort zeigte sie ihn den Soldaten des Holofernes, die voller Grauen das Weite suchten...
Zwischen Weihnacht und Zionismus Im 19. Jahrhundert wurde Chanukka wiederbelebt. Der Sieg des traditionellen Judentums gegenüber dem assimilierten hellenisierten Judentum wurde im Zionismus zu einem Symbol nationaler Befreiung. Der Wiener Judaist Klaus Dawidowicz zitiert dazu Theodor Herzl (1860-1904), der am Ende seines «Judenstaats» schrieb: «Darum glaube ich, dass ein Geschlecht wunderbarer Juden aus der Erde wachsen wird. Die Makkabäer werden wieder aufstehen.» So wurde in zionistischen Gruppen Chanukka zum «Chag ha-Makkabim» oder «Chag ha-Chaschmonaim», «Fest der Hasmonäer» umgewandelt. Martin Buber (1878-1965) politisierte Chanukka 1914 in seiner Rede «Die Tempelweihe» sogar so weit, dass er den Ersten Weltkrieg mit dem Krieg der Makkabäer verglich. In dieser Rede, die er bei einer zionistischen Chanukka-Feier gehalten hatte, bezeichnete Buber die Teilnahme am Weltkrieg als eine befreiende national-jüdische Erfahrung. «Wegen der geringeren Bedeutung des Feiertages war seine Umdeutung leichter als die eines der großen religiösen Feste. Die Makkabäer boten sich geradezu an für die Schaffung einer heroischen nationalen Tradition. Das göttliche Wunder des Lichts als zentrales Element der Chanukka-Geschichte trat in den Hintergrund, dagegen betonte die zionistische Lesart das Vorbild für Aufstand und Selbstbefreiung, den Kampf der Nationalisten gegen Assimilation und das großartige Ziel: eine unabhängige jüdische Nation», schreibt Michael S. Friedlander. Nachdem allerdings später in Israel der nationale Feiertag Jom Ha'atzmaut geschaffen wurde, verlor Chanukka seinen nationalen Charakter wieder. Die Umdeutung des Chanukkafestes war für viele junge Zionisten natürlich auch eine Rebellion gegen das akkulturierte deutsch-jüdische Bürgertum. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts begingen nämlich jüdische Familien Weihnachten als völlig säkulares Winterfest. Die Jüdin Fanny Arnstein (1757-1818) aus Berlin war es gewesen, die 1814 den ersten Weihnachtsbaum in Wien aufgestellt hatte: «Bei Arnsteins war vorgestern nach Berliner Sitte ein sehr zahlreiches Weihbaum- oder Christbaumfest. Es waren dort Staatskanzler Hardenberg, die Staatsräte Jordan und Hoffmann, Fürst Radziwill, Herr Bartholdy, alle Anverwandten des Hauses. Alle gebetenen, eingeladenen Personen erhielten Geschenke oder Souvenirs vom Christbaum. Es wurden nach Berliner Sitte komische Lieder gesungen...Fürst Hardenberg amüsierte sich unendlich.» Wie sehr dieses säkularisierte Weihnachtsfest für Verwirrung sorgte, zeigt auch der Besuch des Wiener Oberrabbiners Moritz Güdemann (1835-1918) am Weihnachtsabend 1895 bei Theodor Herzl. Herzl feierte ebenso Weihnachten als Volksfest. Güdemann, der Weihnachten als das Geburtstagsfest von Jesus betrachtete, war erstaunt über den großen Weihnachtsbaum: «Eben zündete ich meinen Kindern den Weihnachtsbaum an, als Güdemann kam. Er schien durch den ‚christlichen Brauch' verstimmt. Na, drücken lasse ich mich nicht! Na, meinetwegen soll's der Chanukkabaum heißen - oder die Sonnenwende des Winter?» (Theodor Herzl, Briefe und Tagebücher, Band 2, Berlin 1983, S.288) Inzwischen hat die Historie aber längst wieder Einzug in die Liturgie gehalten. In den Einschaltungen zu Chanukka, «Al Hanissim» («Für die Wunder»), wird der Schwerpunkt wiederum auf den wundersamen Sieg der Hasmonäer über die überlegenen Seleukiden gelegt, nicht etwa auf das im Talmud erwähnte Öl-Wunder: «Für die Wunder, für die Befreiung, für die machtvollen Taten, für die Errettung und für die Kämpfe, die Du für unsere Väter vollbracht hast in jenen Tagen...In den Tagen Mattitjahus, Sohn des Hohepriesters Jochanan, des Hasmonäers und seiner Söhne, als das frevelhafte griechische Reich gegen Dein Volk Israel aufstand, um es Deine Lehre vergessen zu machen und es von den Satzungen Deines Willens abzubringen. Du aber, in Deinem großen Erbarmen, standest ihnen bei in der Zeit ihrer Not:...Du übergabst Starke in die Hand der Schwachen, Viele in die Hand von Wenigen, Unreine in die Hand der Reinen, Böse in die Hand der Gerechten und Frevler in die Hand derer, die sich mit Deiner Lehre beschäftigten.»
Der Midrasch um Channa Neben der Besinnung auf das jüdische Selbstbewusstsein im Zeichen der nationalen Idee gibt es heute auch ganz andere Deutungsmodelle zu Chanukka. So hat die früh verstorbene Schweizer jüdische Feministin Marianne Wallach-Faller an Channa erinnert, die Tochter des Hohepriesters Mattitjahu, und an einen vergessenen Midrasch. Ein Auszug aus dem Buch «Die Frau im Tallit. Judentum feministisch gelesen» (herausgegeben von Doris Brodbeck und Yvonne Domhardt, Zürich 2002): «Der Midrasch erzählt, wie die ‚Griechen' die Juden nacheinander durch vier Gesetzeserlasse bedrückten. Den drei ersten - ihre Wohnungen durften keine Türen haben, ihr Vieh musste den Göttern geweiht und konnte deswegen nicht geschächtet werden, und die Frauen durften nicht in die Mikwe gehen - diesen drei ersten Gesetzeserlassen wurde durch göttliche Fügung ihre schädigende Wirkung genommen. Beim vierten Gesetzeserlass aber, der jüdische Bräute dem ‚ius primae noctis' unterstellte, kam Gottes Hilfe erst, als sich Frauen und Männer selbst dagegen zu wehren begannen. Zuerst sah es jedoch so aus, als hätten die Unterdrücker Erfolg: Es gab kaum noch Verlobungen in Israel, und die Syrer vergewaltigten die Jungfrauen Israels. Die Situation änderte sich erst am Hochzeitstag von Channa mit dem Hasmonäersohn Elieser. Als alle beim Hochzeitsmahl saßen, erhob sich Channa, die Braut, klatschte in die Hände und zerriss ihr Purpurkleid. Sie stand vor allen nackt da. Ihre Brüder schämten sich deswegen und wollten sie töten. Sie aber sprach: ‚Hört mich, meine Brüder und Freunde! Wie, weil ich vor Gerechten nackt dastand, ohne eine Sünde, geratet ihr in Eifer; und ihr geratet nicht in Eifer, mich in die Hand eines Unbeschnittenen zu liefern, um mich zu vergewaltigen?' Channa erinnert ihre Brüder daran, wie sich die Söhne Jakobs Schimon und Levi für ihre vergewaltigte Schwester Dina einsetzten (Gen 34), und sie ruft Gottes Hilfe an. Erst jetzt beginnen sich ihre Brüder für sie zu wehren. Sie fassen den Plan, ihre Schwester Channa zum König zu führen und diesem zu sagen: ‚Unsere Schwester ist die Tochter des Hohepriesters, keiner in Israel ist größer als unser Vater, und so ziemt es sich nicht für seine Tochter, dass ein Statthalter ihr beiwohne, sondern der König selber müsste es sein. Alsdann wollen wir ihn überfallen und töten; nach ihm sollen seine Diener und Fürsten an die Reihe kommen; Gott wird uns helfen und uns schützen.' Und Gott half ihnen, und sie hörten eine Bat Kol aus dem Allerheiligsten, die ihnen den Sieg verkündete.» Soweit der Midrasch nach Marianne Wallach-Faller. Kurzum, jede Gemeinde und jede Generation deutet Chanukka gemäß ihrer eigenen Vorstellungen und Bedürfnisse. Für die Rabbinen war der geistige Sieg wichtiger als der Kriegserfolg der Makkabäer. Die frühen Zionisten wiederum verstanden Chanukka als Widerspiegelung ihres eigenen Programms und der Idee von der Wiedererrichtung Zions. Für liberale Juden und Jüdinnen überwiegt die Botschaft religiöser Freiheit, für andere die Folklore. Heute ist es wohl die Erneuerung jüdischen Lebens in Deutschland und in Mitteleuropa, die zu Chanukka wieder deutlich wird und die einem Wunder gleichkommt - und Zeichen für dieses Wunder ist nicht etwa die große Chanukkia am Brandenburger Tor in Berlin. Es sind die kleinen Dinge, die uns zu Lob- und Dankeslieder bewegen sollten: Wenn etwa am 4. Dezember in der Synagoge von Oberwesel das erste Chanukkalicht gezündet wird, und zwar zum ersten Mal nach der Pogromnacht von 1938 - und von Juden, die heute am Rhein zu Hause sind. Das macht einen an die Haftara für Chanukka denken. Sie enthält Sacharjas Vision eines goldenen Leuchters mit der Botschaft, dass der Tempel nicht durch Menschen, sondern durch den Geist Gottes wiedererrichtet werde. In Sacharja 4: heißt es denn auch: «Nicht durch Macht und nicht durch Stärke, sondern durch meinen Geist, spricht der Ewige, Zebaot.» |