Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Deutschlands Hoffnung heißt Tom CruiseZwischen Stauffenberg und George wuchert die Verfälschung von Geschichte
Verdammung und Seligsprechung. Zwischen diesen Polen hat sich die schier endlose Debatte über die Hitler-Attentäter lange bewegt.» Der These von Matthias Lohre kann man kaum widersprechen. Im Zentrum der Diskussion über den 20. Juli 1944 stand und steht der Attentäter selbst, Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Der Historiker Peter Hoffmann zählt zu den Seligsprechern. Im Vorwort zur dritten Auflage seines 1992 erschienenen Buches «Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Brüder» rückt er Stauffenberg einmal mehr ins heroische Licht: «Claus Schenk Graf von Stauffenbergs Kampf gegen Hitler, sein Opfer und das einiger hundert seiner Mitkämpfer bleibt ein Licht in der Finsternis der zwölf Jahre des Nationalsozialismus.» Hoffmanns emphatische Einschätzung des Attentäters gründet auf der Aussage von Joachim Kuhn, Major im Generalstab und laut Hoffmann «in den Jahren 1943 und 1944 in der Verschwörung gegen Hitler einer der engsten Vertrauten» Stauffenbergs. Kuhn war Ende Juli 1944 in russische Kriegsgefangenschaft geraten und dort vernommen worden. Am 2. September 1944 gibt Kuhn ein Gespräch mit Stauffenberg vom August 1942 wieder. Hoffmann zitiert daraus folgende Aussage Stauffenbergs: «Die täglichen Berichte von Stäben über die Behandlung der Bevölkerung durch die deutsche Zivilverwaltung, der Mangel an politischer Zielgebung für die besetzten Länder, die Judenbehandlung beweisen, dass die Behauptungen Hitlers, den Krieg für eine Umordnung Europas zu führen, falsch sind. Damit ist dieser Krieg ungeheuerlich.» Ohne es direkt zu sagen, suggeriert Hoffmann, Stauffenberg und mit ihm die Verschwörer des 20. Juli hätten das Attentat auf Hitler nicht zuletzt geplant, um der totalen Vernichtung der Juden ein Ende zu bereiten. Matthias Lohre entwirft ein anderes Bild des Attentäters: «Noch im ersten Kriegsjahr schrieb der junge Oberleutnant Stauffenberg seiner Frau Nina aus dem besetzten Polen: „Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohlfühlt. Die Tausenden von Gefangenen werden unserer Landwirtschaft recht gut tun." Sätze wie dieser machen es [...] schwer, [...] ein korrektes und zugleich sympathisch-demokratisches Bild Stauffenbergs zu präsentieren.» Kaum anzunehmen, dass Stauffenberg alias Tom Cruise solche Sätze im Spielfilm «Valkyrie» über die Lippen kommen werden. Der Film wird im kommenden Jahr zu sehen sein, und er dürfte das Bild von Stauffenberg und dem deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus über Deutschland hinaus entscheidend prägen. Er wird die Deutungshoheit über die Figur Stauffenberg erobern. Wofür steht Stauffenberg? Für den aristokratischen Geist: «Aristokraten waren sie alle, Aristoi, die Besten; an Klasse und Stand gebunden waren sie nicht», so Golo Mann. Für die Elite, wie Stefan George und die Mitglieder seines «Staates» sie vertraten. Für das Besondere im Gegensatz zum Gewöhnlichen, das Hohe im Gegensatz zum Niedrigen, die einwandfreie Lebensführung im Gegensatz zum Sittenverfall, soldatische Tugend im Gegensatz zur Feigheit. Der Historiker Peter Hoffmann scheut sich nicht, den Selbstentwurf Stauffenbergs seinen Lesern als objektive Wahrheit zu präsentieren: «Stauffenberg war sich seiner natürlichen und auch der aus seiner Standesherkunft und der Zugehörigkeit zu Georges geheimem Deutschland sich ergebenden Überlegenheit wohl bewusst.» Man muss genau lesen: Hoffmann sagt nicht, Stauffenberg habe sich als überlegen empfunden, nein, er hat nur erkannt, was sich ernsthaft nicht bestreiten lässt, dass nämlich Stauffenberg dem Großteil seiner Mitmenschen überlegen war. Überlegen natürlich auch der polnischen Bevölkerung, wie Stauffenberg sie nach dem Überfall auf Polen als Offizier der Wehrmacht gesehen hat: «Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohlfühlt.» Ein Zitat, herausgerissen aus dem Zusammenhang, sicher. Aber ein Zitat, dessen Inhalt man nur mit Begriffen wie Rassismus, Antisemitismus, Arroganz und Standesdünkel charakterisieren kann. Ein Zitat mit zutiefst menschenverachtendem Tenor. Nach Ansicht von Hoffmann muss Stauffenberg ab Mitte 1942 als Regimegegner angesehen werden. Ob diese Einschätzung sich eindeutig belegen lässt, sei dahingestellt. Fakt allerdings ist, was bis zu diesem Zeitpunkt geschehen konnte, ohne dass Stauffenbergs Gewissen sich entschieden gemeldet hätte. In Stichworten: 1. April 1933 - Boykott jüdischer Geschäftsinhaber und jüdischer Selbständiger, wie zum Beispiel Ärzte und Rechtsanwälte. 10. Mai 1933 Bücherverbrennung. 15. September 1935 Nürnberger «Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre», «Reichsbürgergesetz» - Gefängnis- und Zuchthausstrafen bei Eheschließung zwischen Juden und «Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes», strafbar auch außereheliche Sexualkontakte. 9./10. November 1938: Reichspogromnacht - Zerstörung der meisten Synagogen und vieler jüdischer Friedhöfe, Ermordung von annähernd 400 Menschen, Verschleppung von 30.000 Juden in Konzentrationslager. Weitere Stichworte: Verbot von Parteien und unabhängigen Gewerkschaften, Verfolgung und Ermordung politischer Gegner, beginnend unmittelbar nach der «Machtergreifung». Und so weiter, muss man hinzufügen. All das hat Stauffenberg passiv hingenommen, mehr oder weniger. Dagegen Thomas Mann in einem erst kürzlich bekannt gewordenen Brief vom 26. Oktober 1933: «Ich sehe den Augenblick kommen, wo eine klare Absage an dies Land, das heißt an die Mächte, die es sich unterworfen haben, zu einer Sache der Selbstachtung und Selbstbefreiung werden wird.» Stauffenberg hat lange gebraucht, seine Selbstachtung zu finden. Wir, die Nachgeborenen haben gut reden. Schließlich ist man nicht dabei gewesen, bald wird es niemanden mehr geben, der noch am eigenen Leibe erfahren hat, wie «es» so weit hat kommen können. Die Nachgeborenen schauen zurück auf einen Akt unvorstellbarer Barbarei, angesichts dessen jeder Begriff von Kultur oder Menschenwürde lächerlich zu erscheinen droht. Und dort finden sie Einen, der sein Leben hingegeben hat dafür, den Einen, den Grund allen unvorstellbaren Übels, zu vernichten. Der schmähliche Tod Claus Schenk Graf von Stauffenbergs ist ein Faktum, wie es ein Faktum ist, dass dieser Graf den NS-Staat lange Jahre in verantwortlicher Position mitgetragen hat. Ein Faktum ist auch, dass Stauffenberg zu den Jüngern Stefan Georges gezählt werden muss. Wer allerdings versucht, sich dem Phänomen George zu nähern, verlässt den Bereich des Faktischen und gerät schnell in den des Raunens, wird umnebelt vom Hohen Ton des George-Clans, des Neuen Reiches, des Geheimen Deutschlands, wird überspült von elitären Gewissheiten und geleitet in geistige Höhen, von deren Gipfeln betrachtet unsere tägliche Welt nur banal und belanglos erscheinen kann. In seinem in der Oktoberausgabe der «Blätter für deutsche und internationale Politik» veröffentlichten Essay «Die Ikonisierung Stauffenbergs» stellte Micha Brumlik folgende Frage: «Beweist des George-Jüngers Claus Graf Stauffenbergs Bereitschaft, Leib und Leben im Widerstand gegen Hitler zu lassen, dass sein Meister und Ideengeber Stefan George der Hüter eines besseren Deutschlands gewesen ist, Stifter und Wahrer einer verschütteten Tradition, die es heute (...) wieder zu entdecken und zu rehabilitieren gilt?» Brumlik beantwortet die Frage mit einem - undeutlich formulierten - nein. Bemerkenswert daran ist nicht die Frage selbst, sondern die Tatsache, dass sie immer noch und weiterhin gestellt wird. Denn wenn es um den 20. Juli und um Graf Stauffenberg geht, stehen selten Fakten, häufig aber Deutungen im Mittelpunkt. Attentat und Attentäter dienen als Beweis dafür, dass nicht alle mitgemacht haben, dass die Besten ihr Leben geopfert haben, dass die Deutschen während der NS-Zeit moralisch nicht völlig verkommen waren. Der Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck hat unterdessen kein Problem mit dem Scientologen Tom Cruise, ihm geht es bei seinem Plädoyer für den Stauffenberg-Darsteller um etwas ganz anderes: «Er nahm das Angebot an und wird jetzt sein Superstar-Licht auf diesen seltenen glanzvollen Moment im düstersten Kapitel unserer Geschichte werfen. Er wird dadurch allein das Ansehen Deutschlands mehr befördern, als es zehn Fußball-Weltmeisterschaften hätten tun können.» Kein Aufschrei ging angesichts dieser Zeilen durch die Republik. Zugegeben, wir werden polemisch: «ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk». Donnersmarck dürfte mit seiner Prophezeiung Recht behalten, aber um welchen Preis! Um den der Wahrhaftigkeit, der historischen Genauigkeit? Wir wollen uns festlegen: um den Preis der Lüge. «...und eilig spähte mein Blick auf Köppelsbleek. Dort sah ich Dinge, die mich erblassen ließen in ihrer Schändlichkeit. [...] Aus Spuren, die sowohl den Boden um die Feuerstätten als auch das Innere der üblen Höhle zeichneten und die ich hier nicht schildern will, war zu erraten, dass die Lemuren hier eines ihrer schauerlichen Feste abgehalten hatten, dessen Nachglanz noch auf dem Orte lag. Wir Menschen blicken mit angehaltenem Atem und wie durch Spalten auf solchen Spuk.» Köppelsbleek ist ein Ort der Folter, ein Ort, an dem man sich an der «Schändung der Menschenwürde und Menschenfreiheit schauerlich ergötzt.» Während Stauffenberg noch am Tage des Attentats standrechtlich erschossen wurde, starben die Mitverschwörer einen qualvolleren Tod: «Die Henker nahmen ihnen die Handschellen ab, legten ihnen die Schlinge um den Hals und entkleideten sie bis zur Hüfte. Dann hoben sie die Verurteilten in die Höhe, ließen sie in die Schlinge fallen und zogen ihnen, während sie allmählich erdrosselt wurden, die Hosen herunter. Die Protokolle vermerkten in der Regel eine Exekutionsdauer bis zu zwanzig Sekunden, doch die Anordnung lautete, das Sterben hinauszuziehen.» Ernst Jünger hat allen, die seine Erzählung «Auf den Marmorklippen» als Kritik am NS-Regime gelesen haben, eine Absage erteilt. Doch ein Satz wie «Dort sah ich Dinge, die mich erblassen ließen in ihrer Schändlichkeit», veröffentlicht 1939, sowie die Formulierung von der «Schändung der Menschenwürde und Menschenfreiheit» dürfte damals in Deutschland ihresgleichen gesucht haben. Das Köppelsbleek des Jahres 1939 ist ein Ort des unvorstellbaren Grauens. Ein vergleichbarer Ort ist Plötzensee. Joachim Fest schildert in seiner Hitler-Biografie die Hinrichtung der «ersten acht Verschwörer» des 20. Juli an eben diesem Ort. Einen anderen Ort beschreibt Peter Weiss: «Irgendwo trete ich ein. Und dies ist jetzt so: hier ist das Atmen, das Flüstern und Rascheln noch nicht ganz von der Stille verdeckt, diese Pritschen, in drei Stockwerken übereinander, an den Seitenwänden entlang und entlang des Mittelteils, sind noch nicht ganz verlassen, hier im Stroh, in den schweren Schatten, sind die tausend Körper noch zu ahnen, ganz unten, in Bodenhöhe, auf dem kalten Beton, oben, unter dem schräg aufsteigenden Dach, auf den Brettern, in den Fächern, zwischen den gemauerten Tragwänden, dicht aneinander, sechs in jedem Loch, hier ist die Außenwelt noch nicht ganz eingedrungen, hier ist noch zu erwarten, dass es sich regt da drinnen, dass ein Kopf sich hebt, eine Hand sich vorstreckt.» Der Ort heißt Auschwitz, von ihm sagt Peter Weiss, dass er für ihn bestimmt war und dem er entkommen konnte. Was sagt uns das? Drei Orte, ein fiktiver, erfunden von einem höchst umstrittenen Autor im Jahre 1939, zwei reale Orte, Kainsmal eines Regimes, dem jede menschliche Regung abhanden gekommen ist; Orte eines Regimes, dessen Machenschaften untrennbar verbunden sind mit Deutschland; ein Regime, dem viele Deutsche auf unterschiedliche Weise zu Diensten waren - mehr oder weniger freiwillig. Für die Existenz dieser Orte waren Menschen wie Stauffenberg mit verantwortlich, indem sie ein Regime, dessen maßlose kriminelle Energie von Beginn an ersichtlich war, nicht nur duldeten, sondern als Entscheidungsträger, als Führungskräfte mit trugen. Darin liegt die Lüge des Herrn von Donnersmarck, das erfolglose Attentat in die Waagschale zu werfen und zu behaupten, es wiege wenn nicht alles, so doch vieles von dem auf, was Stauffenberg und viele seiner adligen Standesgenossen in den Jahren bis zu seiner Abkehr vom NS-System persönlich als tragende Teile des Systems zu verantworten hatten. Nochmals in Klammern: Wer in diesem Zusammenhang an den Ruhm von Fußball Weltmeisterschaften denkt ...Diese Verantwortung wird hinter dem Glamour des Hollywood-Stars verschwinden: «Er (Tom Cruise) nahm das Angebot an und wird jetzt sein Superstar-Licht auf diesen seltenen glanzvollen Moment im düstersten Kapitel unserer Geschichte werfen.» Allem Anschein nach meint Donnersmarck das, was er sagt, wirklich ernst und nicht ironisch. Die Düsternis des millionenfachen Leides geschundener und getöteter Menschen soll mit dem Superstar-Licht Hollywoods zum Verschwinden gebracht werden. Micha Brumlik ist mit seinen Überlegungen zur Figur Stauffenberg weit entfernt von Donnersmarcks schnoddriger Lässigkeit («Vielleicht müssen wir einfach erkennen, dass wir alle keine Götter sind, weder Stauffenberg noch Tom Cruise, noch L. Ron Hubbard, noch wir anderen.») Doch auch er begeht einen entscheidenden Denkfehler: «Wenn es also tatsächlich der Mord an den Juden gewesen ist, der Stauffenberg von der Notwendigkeit eines Attentats überzeugt haben sollte, dann - so lässt sich schließen - verkörpern sich in seinem Leben, seiner Tat und seinem Sterben das Beste der deutschen Tradition - sogar dann, wenn er eingestandenermaßen zunächst ein Anhänger des Nationalsozialismus und gewiss kein Demokrat im Sinne des Grundgesetzes war.» Stauffenberg hat das Attentat mit seinem Leben bezahlt, was ihn zu dieser Tat bewogen hat, wird sich kaum noch definitiv klären lassen. Warum aber soll, wenn er es um der Vernichtung der Juden willen getan hat, dies ein Grund sein, ihn zur Verkörperung der besten deutschen Tradition zu stilisieren? Der rasende Antisemitismus Hitlers wie der vieler seiner Anhänger blühte nicht im Verborgenen, er war sichtbar für jeden, der sehen wollte, sichtbar, seit diese verkrachte Existenz mit dem Namen Adolf Hitler die Bühne der Politik mit ihrem exaltierten Redeschwall betreten hatte. Mehrfach hat mir meine Mutter eine Anekdote aus der Frühzeit der NS-Herrschaft erzählt. Meine Eltern stammen aus Allendorf, einem katholischen Dorf in Oberhessen. Ein Dorfbewohner habe Hitler und seinen Anhang verglichen mit Bären, die ihrem Führer hinterherlaufen. «Da laufen sie hinter diesem Bärenleiter her.» Der Bärenleiter zieht seinen Bären am Nasenring hinter sich her, der Bär ist ihm ausgeliefert, trotz seiner Kraft muss er folgen. Der Mann aus Allendorf musste seinen Spruch teuer bezahlen. Er wurde denunziert und verhaftet. Wie lange und wo er in Haft war, wusste meine Mutter nicht, wohl aber, dass er die Haft als gebrochener Mann verlassen hat. Wahrscheinlich hatte dieser Mann eine mehr oder weniger solide Volksschulbildung. Stefan George, das Geheime Deutschland - sie waren ihm sicherlich so fremd und fern wie der sprichwörtliche Kaiser von China. Dennoch hat er erkannt, was sich in seiner Umgebung abgespielte. Der zitierte Satz sagt nämlich nicht, dass der Bärenleiter, also Hitler, seine Bären hinter sich herzieht, ihnen also mit dem Nasenring und der daran befestigten Kette Gewalt antut. Was dieser Mann des Volkes sagen wollte und erkannt hatte, war, dass sie freiwillig hinter ihm herziehen, ohne Nasenring und Kette, aber mit der gleichen Folgsamkeit. Seit der so genannten Machtergreifung 1933 konnte jeder in Deutschland beobachten, wie die deutschen Juden drangsaliert, gedemütigt, Schritt für Schritt ihrer Rechte beraubt, enteignet, eingesperrt und schließlich in die Vernichtungslager verschleppt wurden. Die Juden waren Nachbarn, Bekannte und Freunde, jeder konnte mit eigenen Augen sehen, was ihnen bereits unmittelbar nach dem Regimewechsel angetan wurde und wie der Druck auf die jüdische Bevölkerung zunahm. Das Schweigen der Bevölkerung über Jahre hinweg war die Voraussetzung für den letzten Schritt, den Abtransport in die Vernichtungslager. Micha Brumlik möchte Stauffenberg dem Besten der deutschen Tradition zuschlagen. Es hat Menschen im «Tausendjährigen Reich» gegeben, die man zu diesen Besten zählen darf, weil sie angesichts des Schicksals der Juden das ihnen mögliche getan haben, ihren bedrängten Mitmenschen zu helfen - ohne über die persönlichen Folgen nachzudenken. Sollte es Hollywood mit Hilfe von Tom Cruise gelingen, Stauffenberg endgültig zum Helden zu stilisieren, wird Deutschland und die Welt nie verstehen, wie «es» geschehen konnte. |