Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Der Fall untreue Klára»von Michael Viewegh
Wenn das deutsche Verlagswesen nicht so sehr nach Westen ausgerichtet und weniger ausschließlich am angloamerikanischen Buchmarkt orientiert wäre, dann könnte sich der tschechische Bestsellerautor Michael Viewegh ohne jeden Zweifel längst auch in Deutschland einer stetig wachsenden, immer ungeduldig auf das nächste Buch wartenden Fangemeinde erfreuen, wie sie etwa T.C. Boyle oder John Irving heute zu Recht genießen dürfen. So aber gilt der geistreiche Autor aus Prag trotz regelmäßiger Übersetzungen seiner hochklassigen Romane ins Deutsche hierzulande immer noch als Geheimtipp. Als Schriftsteller besitzt Michael Viewegh die seltene Gabe, sprachliche Leichtigkeit und geistigen Gehalt aufs Unterhaltsamste miteinander zu vereinen - so auch in seinem neuen Roman «Der Fall untreue Klára», seinem mittlerweile sechsten ins Deutsche übersetzten Buch seit 1998. Darin bekommt der Privatdetektiv Denis Pravda unverhofft Besuch von dem berühmten Schriftsteller Norbert Černý, der vorgibt, an einem Romanprojekt zum Thema Eifersucht zu arbeiten, und den bekanntermaßen diskreten Ermittler unumwunden um Anregungen und professionellen Rat bittet. Jenem wird jedoch schnell klar, dass Černý in Wirklichkeit von seinen eigenen Eifersuchtsanfällen am Schreiben gehindert wird - so soll es Pravdas Aufgabe sein, dessen zwanzig Jahre jüngere Geliebte im Hinblick auf ihre Treue zu beschatten. Schon nach kurzer Zeit kann der Detektiv seinem Auftraggeber vermelden, dass die angebetete Klára ein wahrer Ausbund an Treue sei. Scheinbar beruhigt kehrt der Schriftsteller an seine Arbeit zurück, doch bald erweist sich, dass krankhafte Eifersucht nicht entkräftet werden kann - am wenigsten durch die Wahrheit. Die überraschende Pointe des mit feinem psychologischem Gespür gestrickten Romans birgt ein Rätsel für den Leser, das den intellektuellen Genuss an diesem wunderbar doppelbödigen, ironiesprühenden Buch noch steigert. Michael Viewegh ist gelungen, was nur den wenigsten seiner Kollegen gelingt: ein wirklich geistreicher, unterhaltsamer Roman über einen Schriftsteller, der mit seiner Unproduktivität ringt. Florian Hunger «Der Fall untreue Klára», aus dem Tschechischen |