Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Schmetterlinge im Regen»von Mira Magén
Es ist ausgesprochen schade, dass die hochtalentierte israelische Schriftstellerin Mira Magén in Deutschland immer noch im Schatten ihrer hierzulande erstaunlich schnell zu Bestsellerruhm gelangten Kollegin Zeruya Shalev steht, jener anderen Spezialistin für literarisch tief nachempfundene seelische Konfliktsituationen moderner Frauengestalten. Das mag neben Marcel Reich-Ranickis für manchen Leser schwer nachvollziehbaren Definition von Erotik liegen, mit deren Hilfe er Shalevs unlängst verfilmten Roman «Liebesleben» seinerzeit etablierte, sicherlich aber auch an ihrer fast ausschließlichen Reduktion aufs Sexuelle, was sie für Literaturkritik und Publikum ohne Zweifel leichter fassbar macht als die allein schon aus biographischen Gründen zu größerem Themenreichtum neigende Mira Magén. Diese wurde in einem ultraorthodoxen, ostjüdisch geprägten Milieu in Kfar Saba geboren, gegen das sie schon als Schulmädchen, von ihren Eltern durchaus unterstützt, zunächst mit aufs Private reduzierten literarischen Mitteln rebellierte. Dem Militärdienst folgten ein Studium der Psychologie und Soziologie sowie eine Ausbildung zur Krankenschwester, die für Magén schließlich zum eigentlichen schriftstellerischen Erweckungserlebnis wurde. Stets konsequent auf der Suche nach den Motiven für menschliches Handeln fand sie während ihrer jahrelangen Arbeit als Pflegerin im Hadassah Mount Scopus genau jenen Mikrokosmos extremer menschlicher Erfahrungen vor, der in ihren zahlreichen Romanen und Erzählungen Ausgangspunkt für ihre hochsensiblen, empathischen Erkundungen der Seele und des Dialogs zwischen Körper und Geist werden sollte. In ihrem neuen Roman «Schmetterlinge im Regen» hinterfragt Mira Magén auf die ihrem literarischen Werk eigene emotional und verstandesmäßig tiefgreifende Art und Weise das gesellschaftlich konditionierte Prinzip der Mütterlichkeit. Ihr Protagonist Adam, als Kind von seiner nach Autonomie strebenden Mutter verlassen, erhält nach fünfundzwanzig Jahren des Schweigens endlich einen Anruf von ihr, in dem sie ihren baldigen Besuch ankündigt. Die drei Tage bis zum Wiedersehen werden für Adam zu einer Konfrontation mit sich selbst und seiner Position im Leben. Florian Hunger «Schmetterlinge im Regen», aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler, erschienen im dtv, 356 Seiten, € 14,50 |