Ein herzliches Willkommen!

Bundesweit einmalige Pflegeinformation geht rechtzeitig zur Eröffnung des Berliner Heimes ans Netz

 

Die Transparenzoffensive der Hauptstadt im Pflegebereich ist bundesweit einmalig. Erstmals bietet die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales einen neuen Service an: Interessierte können sich im Internet ausführlich über die Angebote von Pflegeeinrichtungen in allen Berliner Bezirken informieren. 170 Häuser verschiedener Träger beteiligen sich und geben Auskunft über ihr Profil, ihre Schwerpunkte und besonderen Kompetenzen. Die Pflegeinrichtungen geben die Informationen auf freiwilliger Basis. Eine bundesweite gesetzliche Grundlage, Prüfungen von Behörden öffentlich zu machen, fehlt bislang. Die Berliner Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Heidi Knake-Werner, hatte deshalb schon vergangenes Jahr im Kreis der Bundesländer eine Änderung der Rechtsgrundlagen vorgeschlagen, die inzwischen in den Entwurf der Pflegereform aufgenommen wurde.

Mit dem Berliner Service soll Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet auf der Suche nach einer geeigneten Pflegeeinrichtung sowie Angehörigen eine Hilfestellung gegeben werden. Das von der Senatsverwaltung eingerichtete und zu pflegende Portal bietet außerdem Informationen zu Beratungsangeboten im Bereich der Pflege, zu Rechtsgrundlagen oder zur sozialen Pflegeversicherung. Die Berichte der Pflegeeinrichtungen gehen auf eine Initiative des «Runden Tisches Pflegequalität» der Hauptstadt zurück, den Knake-Werner im Frühjahr 2007 als bundesweites Modellprojekt ins Leben gerufen hatte. «Wir brauchen die Transparenz in der Pflege und die Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger, dass sie eine gute Pflegeinrichtung finden können. Die rege Beteiligung der Häuser ist ermutigend. Und für sie selber die beste Empfehlung», begründete die Senatorin die Initiative ihrer Verwaltung.

Pünktlich zum Start des Pflegeportals war es Mitte Dezember in der Hauptstadt endlich soweit - das Pflegeheim der größten Gemeinde Deutschlands konnte feierlich seiner Bestimmung übergeben werden! Viele Jahre hatten die Gemeindegremien darum gekämpft, manchmal mehr «gezankt» als in der Sache gut und richtig gewesen wäre. Doch nun steht er da, ein frisch renovierter und rekonstruierter Gebäudeverbund aus Alt- und Neubau zwischen der Dernburgstrasse und der Herbartstrasse in Charlottenburg-Wilmersdorf, nahe der Berliner Messe und dem historischen Funkturm. Zur Herbartstrasse hin wird das Haus künftig, neben einer Reihe von Patientenzimmern und der Verwaltung, in seinem historischen Gebäudeteil einen großzügigen Veranstaltungsbereich offerieren, in dem Lesungen, Kinoabende und Konzerte das Leben der schwerst pflegebedürftigen Bewohner des Heimes ein wenig verschönern wird. Im dreistöckigen Neubau sind die meisten Patientenzimmer untergebracht, alle mit modernsten und bequemen Betten, Telefon- und Kabelfernsehgeräten sowie direkten Rufmöglichkeiten zum Personal. Auf den Fluren großzügige Bäder- und WC-Bereiche sowie freundliche Gemeinschaftsräume mit LCD-Großbildfernsehern. Hier wird der größte Teil der bettlägerigen Bewohner auch zum gemeinsamen Essen zusammenkommen, das neben der Versorgung auch ein wichtiges Mittel der Erhaltung ihrer Kommunikationsfähigkeit sein soll. Das hier kosher gekocht wird, ist selbstverständlich, ebenso wie die Einrichtung eines Synagogenraumes vorgesehen ist, ein ständiger Konsiliararzt und ein betreuender Rabbiner regelmäßig im Hause anzutreffen sein werden. Der Erhaltung der geistigen Beweglichkeit der Bewohner werden ab sofort auch unsere beiden jüdischen Zeitungen dienen, die unser Verlag kostenfrei im neuen Jahr zur Verfügung stellen wird.

Im Großen Saal des villenartigen Altbaus fand nun die offizielle Eröffnung statt, zu der neben der Geschäftsführung der Berliner Gemeinde auch der amtierende Sozialdezernent Jossif Eljaschewitsch und Rabbiner Andreas Nachama gekommen waren. Der Geistliche gab dem neuen Haus mit dem Anbringen mehrerer Messusot an den Eingängen auch «nach außen» die Symbolik eines jüdischen Hauses, das nun gemeinsam mit dem Jeanette-Wolff-Heim und dem Hermann-Strauss-Hospital das Sozialzentrum der Hauptstadt-Gemeinde bilden wird.

Auch wenn einige der zur Feierstunde in ihren Rollstühlen herein geschobenen Patienten von dem Trubel um sie herum recht wenig mitbekommen zu haben schienen, war ihnen doch anzumerken, dass sie sich wohl fühlten: Schließlich wurden sie mit Kaffee, Kuchen und Musik gleich von der ersten Minute an so gut umsorgt, wie es der hohe Anspruch der Heimleitung und der Mitarbeiter um Sigrid und Garry Wolff ist. Stolz verkündeten beide, dass die Verweildauer in den Pflegeeinrichtungen der Gemeinde sehr viel länger sei, als in vergleichbaren Heimen, dafür sorge unter anderem die überdurchschnittliche gute Personalausstattung.

Leider ist nicht alles ist so geworden, wie es idealerweise hätte sein sollen, vor allem in einigen technischen Fragen. Schwellen an den Seiteneingängen konnten nicht abgebaut werden, Leitungen liegen über Putz, die Waschbecken scheinen uns recht klein. Die Mittel der Gemeinde für den Um- und Ausbau waren begrenzt. Es ist allen Beteiligten hoch anzurechnen, dass die Budgets in Höhe von 1,3 Millionen Euro eingehalten werden konnten. Nun muss es allerdings eine vorrangige Aufgabe des neuen Berliner Gemeinde-Vorstandes sein, in der Ausstattung notwenige Ergänzungen sofort und sinnvolle Erweiterungen schnellstmöglich auf den Weg zur bringen.

Auch im Marketing des Hauses muss sich etwas tun, denn bei aller liebevollen Pflege muss sich das Haus auch «rechnen». Für eine optimale Belegung soll eine Werbekampagne in den jüdischen Gemeinden deutschlandweit sorgen, derzeit wird die Produktion einer Imagebroschüre in deutscher und russischer Sprache überlegt. Das Angebot der neuen Berliner Pflegeeinrichtung richtet sich somit nicht nur an die Hauptstädter, sondern auch an Pflegebedürftige in kleineren deutschen jüdischen Gemeinden, die keine eigenen Pflegeeinrichtungen unterhalten können. Die verkehrsgünstige Lage des Heimes, in fußläufiger Nähe des Zentralen Omnibusbahnhofes, unweit eines Autobahnanschlusses und per direkter Buslinien auch ab dem neuen Berliner Hauptbahnhof und dem Flughafen Tegel zu erreichen, ermöglicht es Besuchern aus dem gesamten Bundesgebiet, ihre Angehörigen im neuen Berliner Heim ohne weitläufige Anreisen jederzeit zu besuchen. Hotels und Pensionen aller Preiskategorien befinden sich ebenso im direkten Umfeld, wie Einkaufsmöglichkeiten.

Wie sehr es den Mitarbeitern bei aller notwendigen Verkaufsstrategie dennoch vom ersten Tage an vorrangig um die beste Pflege ihrer Bewohner geht, das bewies uns eine Patientin im Rollstuhl, die Sigrid Wolff bei der Präsentation des neuen Heimes einigen Woche vor dem Umzug herzlich umarmte: «Sie werden im neuen Haus doch auch für uns da sein?», meinte sie liebevoll.

Informationen zu Belegungsmöglichkeiten des neuen Pflegeheimes in Berlin können in der Geschäftsführung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin unter der Telefonnummer (030) 880 280 bei Herrn André Lossin sowie direkt bei der Heimleitung, Herrn Garry Wolff, unter der Telefonnummer (030) 326 959 13 angefordert werden.

Lutz Lorenz

«Jüdische Zeitung», Januar 2008