Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() Leben gestalten für eine jüdische ZukunftHamburgs jüdische Frauen begründeten vor 60 Jahren WIZO-Deutschland in der Elbestadt
«Die wenigen Juden, die in Hamburg blieben, waren psychisch und physisch zerrüttet, trotzdem wollten sie helfen und Israel unterstützen" - mit diesen Worten erinnert Heidi Minke (51) an ihre Großmutter Irene Schlüter, die 1904 in Hamburg geboren wurde, den Holocaust überlebte und bereits 1946 an der Gründung der ersten WIZO-Gruppe in Deutschland arbeitete. Das Akronym WIZO bedeutet «Women's International Zionist Organization» («Internationale Zionistische Frauenorganisation»). Ein Jahr später war Irene Schlüter erfolgreich: WIZO-Hamburg entstand. Jetzt feierte die älteste WIZO Deutschlands ihren 60. Geburtstag mit einer Gala in der Talmud-Tora-Realschule Hamburg, dem neuen jüdischen Gemeindezentrum am «Grindel». Das sogenannte Grindelviertel entwickelte sich mit dem Anwachsen Hamburgs im 19. Jahrhundert zum Zentrum der dortigen jüdischen Gemeinden. «Die Frauen halfen Israel, und sie halfen sich selbst», blickt Heidi Minke zurück. Ausschließlich Muckefuck und Malzkaffee gab es an den ersten Kaffeenachmittagen zu trinken. Erste Hilfspakete für Bedürftige in Israel wurden gepackt und - Postbeamte wurden «geschmiert». Eines Tages «bemerkte meine Großmutter, dass ein Postbeamter ganz verliebt in die israelischen Briefmarken war, die auf den Briefen und Karten klebten, die sie erhielt», so Heidi Minke. «Meine Großmutter sammelte die Marken und schenkte sie ihm schließlich, und schon gingen all die Hilfspakete nach Israel reibungsloser ab.» Die ersten Hamburger WIZO-Frauen knüpften Kontakte quer durch ganz Europa und erhielten Spenden, die sie in Israel verteilten. «Mit wenigen Mitteln und viel Liebe leisteten sie Großartiges», gibt Minke zu bedenken und verweist auf die ersten Gastspiele israelischer Künstlerinnen und Künstler bei den WIZO-Frauen, an Benefizbälle, Filmvorführungen und andere Veranstaltungen wie etwa Basare. «Die WIZO-Frauen haben nicht nur geholfen, sie haben das Gesellschaftsleben in Hamburg reicher gemacht und gestalteten die jüdischen Gemeinden mit ihrer Lebendigkeit.» Unter den Geburtstagsgratulanten waren neben Gad Lahan, Konsul der «Botschaft des Staates Israel in Berlin», auch Rachel Singer. Die derzeitige Präsidentin der WIZO-Deutschland erinnerte daran, dass in wenigen Jahren 30 WIZO-Vereine mit rund 3.000 Mitgliedern in Deutschland entstanden. Sie warb dafür, Patenschaften für ein bedürftiges Kind in Israel zu übernehmen, die es «den Kindern ermöglichen, zu einem selbständigen, selbstbewussten und kreativen Menschen heranzuwachsen». Neben einem wunderbaren Büfett brachte die Sopranistin Miriam Sharoni, die derzeit als «Norina» in Gaetano Donizettis «Don Pasquale» Triumphe am Hamburger Allee-Theater feiert, die Geburtstagsgäste mit israelischen Liedern zum Swingen und Mitsingen. Sogar Hamburgs Kantor Arieh Gelber (Tenor) holte sie aus dem Stuhl zum umjubelten Duett. Auf der Gitarre begleitete Heiko Ossig. Derzeit fördert die WIZO-Hamburg diverse Schulen und Kindergärten in Israel und wirbt für Patenschaften. In diesem Zusammenhang wurden allein in Hamburg in den letzten zwei Jahren zahlreiche Veranstaltungen wie etwa mit der Buchautorin Viola Roggenkamp («Familienleben», «Erika Mann: Eine jüdische Tochter», »Meine Mamme») sowie eine Gala mit dem bekannten Liedermacher Wolf Biermann große Erfolge. |