Keine Erinnerung als Pflichtprogramm

 

Vor zehn Jahren, im Januar 1998, einigten sich die damalige Bundesregierung und die Jewish Claims Conference auf Entschädigungszahlungen für die in den Staaten Osteuropas noch lebenden jüdischen Opfer des Holocaust. Bis zu dieser Einigung hatten sie lediglich in einigen Ostblock-Ländern Unterstützung erhaltenen, da die kommunistischen Regierungen im Namen ihrer Staatsbürger offiziell auf Hilfe aus dem Westen verzichtet hatten.

Deutschland zahlte 200 Millionen Mark in die Stiftung «Erinnerung, Verantwortung und Zukunft» ein, die im Juni 2007 die Auszahlungen beenden konnte. «Nun gilt es, den zweiten, dauerhaften Auftrag - die Förderung internationaler Projekte [...] anzugehen», erklärte Martin Salm, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Ende Dezember. So seinen allein im Jahr 2007 rund 8,5 Millionen Euro für 340 solcher Projekte in den Bereichen Auseinandersetzung mit der Geschichte, Handeln für Demokratie und Menschenrechte sowie Humanitäres Engagement für Überlebende unterstützt, seit Gründung der Stiftung bereits 1.345 internationale Projekte mit 36 Millionen Euro gefördert worden.

«Erinnerung als Pflichtprogramm» biete vor allem Jugendlichen keinen geeigneten Zugang, sich mit historischem Unrecht auseinanderzusetzen, erklärte Salm. Daher würden Stipendienprogramme für Nachfahren der Opfer ermöglicht, mit der Freien Universität Berlin und dem Deutschen Historischen Museum ein Online-Archiv «Stimmen ehemaliger Zwangsarbeiter» aufgebaut oder internationale Schulpartnerschaften «Europeans for Peace» unterstützt, dem größten Förderangebot für Schulprojekte zwischen Deutschland, den Ländern Mittel- und Osteuropas sowie Israel. «Eine besondere Herausforderung ist es, jungen Menschen zu verdeutlichen, dass diese Errungenschaften keine Selbstverständlichkeit sind», so Salm.

 

«Jüdische Zeitung», Januar 2008