Personen Meinung Deutschland Hauptstadtseite Israel Weltgeschehen Bei uns zu Gast Aus den Gemeinden Vermischtes Porträt Kultur Bücher Geschichte Wissenschaft und Bildung Diaspora Interreligiöser Dialog Judentum Heute Religion und Tradition Reise Personenkalender Jugend Medien Leserkommentare![]() ![]() | ![]() «Achad, schtaim, shalosh»Uri Geller über sein Kriegstrauma, humanitäre Hilfe und seine Kritiker
Ich habe einen Löffel mitgebracht, damit Sie ihn mir verbiegen. Das passiert Ihnen sicher bei jedem Interview? Ist das nicht irgendwann ermüdend? Immer. (lacht) Wenn Sie mir einen mitgebracht haben, mach ich das natürlich. Gut, dass Sie einen eigenen Löffel mitgebracht haben. Hier im Hotel sind sie schon böse auf mich, dass ich deren teure Löffel verbiege. Sie meinen, dass jeder Löffel aus dem Hotelbestand 50 Euro kostet. Sie bezeichnen sich selbst nicht als Zauberer sondern als Mentalist. Was ist bitte ein Mentalist? Mentalisten sind Menschen, die mentale Verbindungen und Fähigkeiten haben. Sie können sich bestimmter Fähigkeiten bedienen, die andere Menschen nicht besitzen: Kopfdrehen, Körperbewegungen, In-die-Augen-Blicken. Sie besitzen feste Formen, um an Materie zu gelangen, die normalerweise für die meisten versiegelt und unlesbar ist. So sehe ich Mentalismus. Ein Zauberer dagegen ist jemand, der ein Kaninchen aus dem Hut zieht. Es gibt viele Mentalisten, die vertuschen, ob ihre Fähigkeiten real sind oder nicht. Es ist manchmal unmöglich zu wissen, ob es echt oder ob es ein Trick ist, eine Illusion oder Gedankenkraft. Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach der Mentalist in der modernen Gesellschaft? Viele Menschen wissen nicht, dass beispielsweise Geheimdienste Mentalisten einsetzen. Mentalisten arbeiten mit ihrer Intuition. Intuition ist eine Kraft, vielleicht eine paranormale Kraft, mit der du Dinge erwerben, lernen und entwickeln kannst. Nicht alle haben diese starke Intuition. Da gibt es Etappen und Abstufungen. ...und es ist Unterhaltung. Ja, klar. Aber es gibt eben Dinge darüber hinaus. Ich bin zum Beispiel der Präsident vom Freundeskreis des Roten Davidsterns (israelisches Pendant des Rotes Kreuzes - d.R.). Der Vorsitzende vom Roten Davidstern, Dr. Noam Ifrach, nahm im Jahr 2005 meine Dienste in Anspruch. Ifrach hatte einen Film der BBC gesehen, worin gezeigt wurde, wie ich bei den Verhandlungen zwischen den USA und Russland über einen Nuklearvertrag mitgewirkt hatte. Er war begeistert und bat mich um Mithilfe. Vor etwa zwei Jahren hatte der Rote Davidstern zwei wesentliche Probleme. Erstens: Seit 1949 wurden sie nicht ins weltweite Netz des Roten Kreuzes aufgenommen. Die Diskussion ging um religiöse Symbole. Ambulanzen mit Rotem Kreuz oder mit Rotem Davidstern konnten nicht in alle Kriegsgebiete fahren. Das Problem wurde mit Kreierung des Roten Kristalls, an dessen Ideenfindung ich beteiligt war, gelöst. Zum Zweiten kam der Rote Davidstern nicht zu einer Einigung mit den Palästinensern über den Einsatz seiner Ambulanzen in den Besetzten Gebieten. Verwundete palästinensische Kinder und schwangere Frauen mussten oft stundenlang an den Checkpoints warten und kamen nicht schnell genug zu israelischen Krankenhäusern. Das war eine inhumane Situation. Noam Ifrach stellte mir einen Ausweis aus, wonach ich Präsident des Freundeskreises der Roten Davidsterns wurde. Ich war auch bei den über anderthalb Jahre dauernden Verhandlungen in Genf dabei. Es waren schwere Verhandlungen. Ariel Scharon und Condoleezza Rice und der Schweizer Außenminister Michelin Calmy-Rey waren beteiligt. Wir saßen alle um den runden Tisch - Leute vom Roten Davidstern, der Präsident vom Roten Halbmond (dem muslimischen Pendant - d.R.) und palästinensische Vertreter. Es herrschte eine völlig kalte Atmosphäre. Keinerlei Gespräch. Dann sagte ich zu Calmy-Rey, er solle einen Löffel bringen lassen. Ich verbog den Löffel und die Leute vom Roten Halbmond flippten völlig aus vor Begeisterung. Das hat die Mauer, die zwischen beiden Seiten herrschte, zum Einstürzen gebracht. Plötzlich fingen alle an zu lachen. Und dann begannen wirklich die Gespräche. Ich bin sehr glücklich, dass ich helfen konnte. Sehen Sie sich als Verständigungshelfer? Was können Sie denn bewirken? Ja. Ich denke es ist diese Mischung aus Charisma, Werbung, Berühmtheit, Frechheit. Israelische Frechheit muss dabei sein. Meine Beziehungen auch. Und mein Ansatz, wie ich ein Problem erfasse und es dann löse. All das hilft. Ich sage, in die politischen Gespräche müssen auch Witz, Unterhaltung und persönliche Beziehungen einfließen. Dann erst passieren die wichtigen Schritte. Machen Sie heutzutage häufig derart politische Arbeit? Nein. Nur wenn man mich bittet. Und wenn es für eine positive und humanitäre Sache ist. Sie haben selbst als Soldat Krieg miterlebt. Im Sechs-Tage-Krieg 1967 waren Sie Fallschirmspringer. Ja. Zu meinem Leidweisen musste ich einen jordanischen Soldaten töten, der mir Auge in Auge gegenüberstand. Das hat mein Leben verändert. Das hat mich aus der Bahn geworfen. Ich habe immer noch Albträume in denen ich mich sehe, wie ich ihn erschieße. Aber hätte ich nicht geschossen, dann hätte er es getan. Das war kein Witz. Ich denke, der Krieg hat mich völlig verändert. Schon davor habe ich Krieg gesehen. Ich lebte in den 1960er Jahren als Junge in Zypern. Dort töteten die Griechen die Briten, die Türken töteten die Griechen. Jeder tötete jeden. Jeden Tag gab es Sperrstunden, Bomben explodierten. Ich sah abgerissene Körperteile von Soldaten auf der Straße, aus Köpfen rinnende Gehirne. Ich war ein Kind von elf, zwölf Jahren als ich dieses Trauma erlebte. Dadurch erfährst du so tiefe psychologische Einschnitte, die schwer zu verarbeiten sind. Sie leben seit 35 Jahren nicht mehr in Israel. Ihr Haus steht in Südengland. Welche Art Kontakte haben Sie zu Israel? Ich bin die ganze Zeit in Israel. Ich habe dort viele enge Freunde und Familie. Vor anderthalb Jahren hab ich im israelischen Fernsehen mit der Sendung «Der Nachfolger von Uri Geller» begonnen. Ich hatte meinem Produzenten damals vorgeschlagen: «Findet einen neuen Uri Geller!» Das war die Idee. Das war das Format. Die Sendung hatte fantastische Einschaltquoten in Israel. Ben Silverman vom amerikanischen Sender NBC kaufte dann das Format. Auch in den USA wurde es ein Riesenerfolg. Und es war eine historische Konstellation: Nie zuvor gab es einen Israeli, der als Gastgeber eine Sendung zur besten Sendezeit in den USA moderierte. Der zweite Geschichte machende Umstand war, dass bei der Sendung vier Israelis auf einmal auftraten - ich und drei israelische Nachwuchskünstler, die in den USA leben. Und drittens war es das erste Mal, dass ein israelisches Fernsehformat in die USA verkauft wurde. Und nun ist das Format «The next Uri Geller» als Einschaltquotenhit in Deutschland erfolgreich. Ja. Sehr erfolgreich sogar. Fünfzehn Prozent Einschaltquote, das ist das Doppelte der normalen Einschaltquoten von Pro7. Parallel dazu mache ich auch die gleiche Sendung in den Niederlanden. Und wie erklären Sie diesen Erfolg einer Zaubersendung im Fernsehen? In der Geschichte hat die Menschen immer das Verborgene, die Mystik interessiert. Die ungelösten Mysterien des Universums, die Magie im wahrsten Sinne. Das begann mit den Geschichten in der Bibel. Als Moses vor dem Pharao die Macht seines Gottes beweisen sollte, verwandelte er seinen Stock in eine Schlange. Die Schlange fraß dann den Stock des Zauberers des Pharao. Das sind mysteriöse Geschichten. Mit solchen Geschichten begann alles. Ich glaube, es steckt tief in unserer DNA, in den Chromosomen, dass wir uns für solche Dinge interessieren. Warum kommt ein Zauberer in «The next Uri Geller» in die nächste Runde, obwohl er mit seinem mentalen Zaubertrick scheitert? Das ist doch nicht glaubwürdig. Sie meinen den gruseligen Vincent Raven. Er ist gescheitert, das stimmt. Aber ich sagte zu ihm in der Sendung: «Du hast es trotzdem.» Vielleicht riefen wirklich die meisten Leute bei der Telefonabstimmung für ihn an. Es gibt dieses Unbekannte. Menschen glauben an die Mystik. Die meisten Ihrer Tricks werden schon in Filmen im Internet oder in Büchern von Ihren Kritikern beschrieben oder aufgedeckt. Nochmals: Ich war nie ein Zauberer! Die Kontroversen um mich sind einfach herrlich. Hundertmillionen Mal schauen mich die Leute im Internet auf «Youtube». Ich bitte Sie. Das ist einfach toll. Gute Nachrichten, schlechte Nachrichten. Das ist egal. Oskar Wilde sagte einmal etwas sehr Interessantes: «Es gibt nur eine Sache die schlimmer ist, als dass man über einen spricht: das niemand über einen spricht». Solang man über mich schreibt, ist das fantastisch. Hauptsache sie schreiben meinen Namen richtig. Es gibt enorme Kontroversen um meine Person. Schon seit den Anfängen, seit meinen ersten Auftritten im Jahr 1968 in Israel greift man mich an. Aber das ist dumm. Wenn ich jemanden fertig machen will, dann rede ich einfach nicht über ihn. Um auf die Frage zurückzukommen, ob es Magier gibt oder nicht, dann verweise ich nur auf die Kabbala. Die jüdische Mystik ist voller solcher Dinge: mystische Worte, Buchstaben, Zahlen, Verbindung zum Sein, Verbindung zum Schöpfer. Ich selbst bin ein gläubiger Mensch, ein religiöser Mensch. (zieht eine Minibibel hervor) Ich trage die immer bei mir, egal wohin ich gehe. Seit meiner Geburt glaube ich an Gott. So etwas lernt man nicht. Das kommt von Innen. Und Magie gibt es in jeder Religion. Ihre Tochter ist auch in der Sendung auf Pro7 aufgetreten und hat ein Symbol «gesendet», was die Zuschauer schließlich auch erhalten haben. Was sie macht ist echt. Das ist kein Trick. Sie sendet ein Symbol. Wenn du es nicht kriegst, dann kriegst du es nicht. Bei ihrem ersten Versuch in Israel hat es nicht funktioniert. Sie ist in meiner Sendung aufgetreten und ist gescheitert. Ich hatte die Befürchtung, dass es auch hier in Deutschland nicht klappen könnte. Deutschland ist kein Vergleich zu Israel. In Deutschland sehen die Sendung zwei bis drei Millionen Zuschauer. Und natürlich war ich aufgeregt. Aber es hat funktioniert. Sie war sehr glücklich. Aber meine Kinder wollen nicht meinen Weg gehen. Mein 27jähriger Sohn Daniel ist Prozessanwalt in England, meine Tochter Natalie ist Schauspielerin und lebt in Los Angeles. Ich habe ihnen nie ans Herz gelegt, den Weg ihres Vaters zu gehen. Im Gegenteil. Sie sollten machen, was sie wollten. Ich habe dafür gesorgt, dass meine Kinder in einem reichen Haus aufgewachsen sind. Aber als die Beiden Teenager waren, nahm ich sie mit nach Brasilien in die Pavellas, die Armenviertel. Als sie dort die Kinder auf den Straßen sahen, die kein Haus, keine Schuhe, kein Haus haben, veränderte sie das fürs ganze Leben. Sie baten mich seitdem nie um etwas. Wie ist Ihre Haltung zu Geld? Geld interessiert mich nicht mehr. Ich habe genug davon. Ich selbst rühre Geld auch nicht an. Schon seit dreißig Jahren nicht. Ich besitze kein Portemonnaie, keine Kreditkarte. Das Finanzielle machen meine Frau Hannah und mein Schwager Schipi für mich. Sie haben die hebräischen Zahlen «achad, schtaim, shalosh», also eins, zwei, drei, durch Ihr Programm in Deutschland populär gemacht. Hat das für Sie als Israeli eine Bedeutung oder ist es nur ein beliebiger Zauberspruch, der für den deutschen Zuschauer exotisch klingt? Die Idee, in der Sendung auf Hebräisch zu zählen, kam von einem Deutschen aus dem Team bei Pro7. So hat das angefangen. Wir machen mittlerweile auch T-Shirts mit dem Aufdruck «achad schtaim, shalosh». Das war meine Idee. Gestern ging ich wieder durch die Straßen von Köln. Da kam eine Gruppe vierjähriger Kinder und ruft «achad, schtaim, shalosh» und «The next Uri Geller». Neunjährige kommen, um sich mein Autogramm auf den Unterarm schreiben zu lassen. Gestern hab ich auf mindestens fünfzig Arme geschrieben. Verstehen Sie die Tiefe dieser Sache? Verstehen Sie, was das bedeutet? Deutsche rufen auf der Straße «achad, schtaim, shalosh». Das ist wirklich sehr berührend für mich. Das sagt etwas aus. Ihre Mutter war deutsche Jüdin aus Berlin, Ihr Vater kam aus Ungarn. Als Sie zum ersten Mal in Deutschland auftraten, war Ihr Publikum noch voller Deutscher, die am Zweiten Weltkrieg teilnahmen und Mitverantwortung an der Schoah trugen. Ich kann die junge Generation in Deutschland nicht verurteilen. Das geht nicht. Man muss rational und logisch bleiben. Zu meiner Zeit in Zypern ging ich in die Schule mit einem deutschen Jungen. Der war damals mein bester Freund. Soviel dazu. Als ich 1972 das erste Mal in einer Fernsehsendung in Deutschland auftrat, versuchte ich mich zu neutralisieren. Ich versuchte mir einzureden, dass das Publikum, das mich jetzt sieht, nichts mit dem Geschehenen zu tun hat. Das funktionierte auch. Und dann kam ein schwerer Schlag. Ich lebte eine Weile in Deutschland mit einer Frau aus einer sehr reichen Familie. Eines Tages ging ich auf den Dachboden des Hauses, um Tischtennisbälle zu suchen. Auf dem Boden sah ich abgestellte und verhängte Fotos von Nazis. Ich bekam einen Schock. Aber ich musste das irgendwie ausbalancieren. Die Familie meines Vaters aus Ungarn wurde in der Schoa ermordet. Aber das Leben geht weiter. Schon damals gab es in Deutschland eine neue Generation. Das ist meine Antwort. Ich sehe, wie viel Respekt es in Deutschland vor der Schoa gibt. Die Regierung zeigt ihren Respekt und es gibt überall Zeichen der Erinnerung an die Schoa. Antisemitismus gibt es noch, ja, aber nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt. Am Zaun meines Hauses in England stand auch schon in roter Farbe «Jew» geschrieben. Aber diese Wärme, die ich von Deutschen bekomme, ist für mich und für das jüdische Volk sehr wichtig. Weiß Ihr deutsches Fernsehpublikum überhaupt, dass Sie Jude sind? Ich weiß nicht, ob das breite Publikum vor dem Fernseher in Deutschland weiß, dass ein Teil meiner Familie in der Schoa ermordet wurde. Aber sie wissen, dass ich Israeli bin. Das verstecke ich nicht. Ich bin einer der Botschafter Israels, ohne damit mein Ego aufblähen zu wollen. An jedem Ort sage ich, dass ich Israeli bin. Überall sage ich, dass ich im Krieg gekämpft habe. Überall sage ich, dass ich stolz bin, ein Jude zu sein. Wollen Sie weitere Sendungen in Deutschland machen? Ja, es gibt schon Pläne bei Pro7. Der Sender ist zu meiner Familie geworden. Das ist ein so tolles Gefühl für einen Juden, einen Israeli, so viel Wärme vom deutschen Volk zu bekommen. Das ist unglaublich. Und ich verstehe nicht, warum sie darüber nicht in Israel schreiben. Ich bin von den Medien in Israel enttäuscht. Ich halte gar nichts von denen. Ich bin enttäuscht über den Neid, die Missgunst und die fehlende Wertschätzung in Israel. Nicht nur mir gegenüber. Jeder Israeli, der im Ausland erfolgreich ist, wird in Israel in ein schlechtes Licht gestellt. Es gibt nicht wenige Stimmen, nicht nur in Israel, die sagen: «Uri Geller ist ein Scharlatan und Lügner. Seine Tricks reißen niemanden mehr vom Hocker». Zweifel an Ihren übernatürlichen Kräften begleiten Sie permanent. Über Ihre ganze Karriere hinweg ziehen sich Gerichtsprozesse. Leute verklagen Sie... Unsinn. Mich hat nie jemand verklagt. Ich verklage die Leute. Aber das zeigt nur die beschränkte Sichtweise von diesen Leuten, die Kleinlichkeit. Anstatt das Bild im Ganzen zu sehen, machen sie das daran fest. Sie sehen nicht, was für eine fantastische Sache es für den Staat Israel ist. Aber das sind unsere Medien. Unter israelischen Journalisten gibt es viele Neider, die Leute in die Pfanne hauen wollen und ihnen nicht die gebührende Wertschätzung entgegenbringen. Das ist nicht in Ordnung. Ich rede hier nicht nur für Uri Geller, sondern für jeden erfolgreichen Menschen. Ich persönlich stehe da schon längst drüber. Ich habe mein Glück schon gemacht. Über meine Sendung jetzt in Deutschland gab es nur einen kleinen Artikel in der israelischen Presse. Das ist schade. Aber andererseits bekomme ich vom Volk in Israel so viel Zustimmung und Wärme, dass das diesen ganzen Unsinn vergessen macht. Deutschland andererseits ist das Land, das mich am meisten überrascht, gerade wegen der belasteten Geschichte. Sogar die Bild-Zeitung hat nichts Schlechtes über mich geschrieben. Davor ziehe ich meinen Hut. Denken Sie nicht, dass man Sie gerade hier mit Seidenhandschuhen anfasst, weil Sie Israeli sind? Nein. Ich denke nicht. Sie sehen mich einfach als das, was ich bin. Uri Geller der Entertainer, der Showman. Ich liebe es, Leute zu unterhalten und Mystisches in ihr Leben zu bringen. Ich bekomme jeden Tag dreihundert Emails. Viele Jugendliche schreiben mir und bitten mich: «Uri, bring mir bei, wie man einen Löffel verbiegt. Ich möchte auch diese magischen Kräfte.» Meine Antwort ist klar: «Vergiss das Löffelverbiegen! Denke positiv. Glaube an dich selbst. Konzentriere dich auf die Schule. Schaffe dir ein Ziel. Geh zur Universität. Rauche nicht. Rühre keine Drogen an. Denk an den Erfolg.» Das ist meine Botschaft. Der Löffel ist so unwichtig. Zwar hab ich das in die Kultur der Welt gebracht - Kenny Rogers singt über verbogene Löffel, Woody Allen baute sie in seine Filme ein. Es verwundert mich selbst, was ich mit einem Löffel bewegt habe. Aber der Löffel ist nur ein Placeboeffekt. Eine Metapher. Gib mir deinen Löffel. Ich zeige es dir.(verbiegt den Löffel)Zur Person:Uri Geller-Freud gilt als der berühmteste Israeli auf der Welt. Er wurde am 20.12.1946 in Tel Aviv geboren. Sein Mutter Margarete, aufgewachsen in Berlin, ist eine Verwandte von Sigmund Freud. Sein Vater Jitzhak stammt aus Ungarn. Im Alter von 11 bis 17 Jahren lebte Geller in Zypern. Später ging er zur Ableistung des Armeedienstes zurück nach Israel. Im Sechs-Tage-Krieg 1967 wurde er verwundet. In der Folgezeit arbeitete er in Israel als Modell. Seit 1968 tritt er als Bühnenmagier auf. Sein Repertoire dabei besteht aus Besteckverbiegen, Uhren zum Laufen bringen und Gedanken lesen. Geller selbst behauptet, im Alter von fünf Jahren von einem hellen Lichtblitz im Garten seines Hauses in Tel Aviv zu Boden geworfen worden zu sein und seitdem über übernatürliche Kräfte zu verfügen. Der New Yorker Parapsychologe Andrija Puharich, Gellers späterer Biograf, stilisierte ihn in den 1970er Jahren zum Messias. Durch Auftritte im US-amerikanischen und westeuropäischen Fernsehen schaffte es Geller zu Weltbekanntheit. Er soll in den 1980ern für den CIA gearbeitet haben und mexikanischen Firmen bei der Ölsuche geholfen haben. Seine prophetischen Vorhersagen, zum Beispiel die Landung von Ufos, erweisen sich regelmäßig als falsch. Geller verklagt permanent seine Kritiker und Skeptiker, die ihm Betrug und Täuschung vorwerfen oder seine Tricks in Büchern oder Filmen bloßstellen. In der Regel verliert Geller die Gerichtsprozesse. Zum größten Kritiker Gellers gehört der US-amerikanische Zauberer James Randy, der Geller vorwirft, sich keiner wissenschaftlicher Prüfung seiner übernatürlichen Kräfte zu stellen. In der Pro7-Sendung «The next Uri Geller» dementierte Geller mit einem Augenzwinkern, dass er über übersinnliche Kräfte verfüge. Geller schrieb bisher sechzehn Bücher, größtenteils Fantasieromane. In seinem zuletzt erschienenem Mysterienroman «Ella» rechnet er mit den Medien ab. Geller lebt in Berkshire, nahe London, in einer 23-Zimmer-Villa. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder, Daniel und Natalie. |